Sean Penn bleibt in einem Wüstenkaff liegen und erlebt dort reichlich durchgeknallte Dinge...
Story:
Bobby Cooper (Sean Penn), ein kleiner Gauner, landet auf der Fahrt durch die Wüste in einem kleinen Kaff. Dabei muss er schnellstens 13000 Dollar bei einem Kriminellen abliefern. Einige Finger hat er auf Grund seiner Schulden schon verloren. Als ihm der Motor platzt, strandet er in einer kleinen Wüstenstadt. Dort trifft er auf mehrere durchgeknallte Figuren und ein rätselhaftes Paar. Die Frau bietet ihm an ihren Mann zu töten, während der Mann will, dass er seine Frau tötet. Bobby braucht Geld, damit er den Mechaniker bezahlen kann, doch eigentlich ist er kein Mörder.....
Oliver Stone erzählt hier einen, aber kleinen Thriller, wie man ihn nicht alle Tage zu sehen bekommt. Dabei wird auf eine großartige Story verzichtet. Man verfolgt einfach wie Bobby Cooper den wohl beschissensten Tag seines Lebens erlebt. Faszinierend und spannend wie man an einem Tag so viel Pech haben kann und in so viele Fettnäpfchen treten kann. Verzweigungen oder Substorys gibt es selten, meist verfolgt man Sean Penn. Zum Ende nimmt der Film immer wieder überraschende Wendungen, so dass er in einer Katastrophe endet. Genial!
Musik:
Ennio Morricone und Johnny Cash sind Garanten für gute Filmmusik. Oliver Stone untermalt sein Werk dabei mit den allerkomischsten Tönen. Da werden alte abgenudelte Klassiker aufgelegt, Countrymusik aus der Jukebox gedudelt oder einfach mal übertrieben fröhliche Musik eingespielt. Alle diese unpassenden Musikrichtungen verdeutlichen den exzentrischen, frechen Stil „U-Turns“ noch. Genial!
Atmosphäre:
Oliver Stone fabrizierte hier einen der dreckigsten, coolsten und zynischsten Filme überhaupt.
Dem scheinbar, coolen Typ Bobby Cooper verreckt sein Wagen mitten in der Wüste. Seine einzige Chance, ist ein schmieriger Mechaniker in einem Wüstenkaff. Allein der Anfang ist schon ein kleines Kunstwerk. Cooper überfährt erst ein Tier, um dann fluchend in das Kaff zu fahren und sich sehr aggressiv mit dem Mechaniker anzulegen.
Ab geht’s in die Wüstenstadt, wo er erst mal Stress mit einem alten Indianer bekommt, der blind ist. Der Stil des Films erinnert dabei an einen Mix aus Tarantino und Peckinpah. Kleine Anspielungen werden erst auf den zweiten Blick deutlich. So lässt Stone eine kurze Bilderfolge von Sonne, einem kaputten Auto und Aasgeiern hintereinander ab, die eine deutliche Anspielung auf das Ende ist. Auch beim ersten Zusammentreffen mit dem Sheriff erkennt man erst beim zweiten Ansehen die Bedeutung. Wie in Tarantino trifft Bobby in dem Kaff auf reichlich skurrile Figuren: Da haben wir zum Beispiel das Großmaul TNT, dass Bobby am liebsten zusammenlaschen würde, weil der angeblich seine Freundin (die Alte ist genial) angemacht hat. Das kommentiert Bobby nur mit einem lakonischen „Ich krieg hier gleich die Krise“. Später treffen die beiden noch öfters aufeinander....
Bobby trägt zu dem der hübschen Grace die Gardinen zum Auto und fährt mit zu ihr, damit er in Ruhe eine kühle Dusche nehmen kann.. Die spielt dann auf sehr prickelnde Weise mit ihm, lässt ihn aber (noch) nicht zum Zuge kommen. Darauf betritt ihr Mann Jake das Haus und poliert Bobby erst mal die Fresse, um ihn später aufzugabeln damit er Grace umbringt. Dabei spielt Oliver Stone wieder mit allerlei Effekten und versucht den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken, in dem er plötzlich nur die zu Bobby rüberschielenden Augen zeigen. Was hat Jake vor? Was hat das zu bedeuten?
Bobby ist aber (noch) kein Mörder und will lieber mit seinem Auto abhauen. Leider hat der Mechaniker seine Kiste komplett auseinandergebaut und verlangt nun eine horrende Summe, damit er den Wagen ihm wieder heile zurückgibt .
(„Das ist der Grund warum ich hier lebe, und sie nur durchfahren“)
Um Geld zu bekommen ruft Bobby nun alle möglichen Leute an, die aber alle nichts von ihm wissen wollen. Das ganze Kleingeld und die Gespräche mit seiner Mutter sprechen wohl für sich, was für ein Mann Bobby ist...
Bobby nimmt nun Jakes Angebot über 13000 Dollar und vögelt mit Grace (obwohl er sie töten soll), die ihm dann aber verrät, dass Jake über 100000 Dollar im Haus versteckt hat. Nun sitzt Bobby bald zwischen allen Stühlen, da auch der Sheriff ein Auge auf ihn geworfen zu haben scheint. Zwischendurch wird noch ein Laden (in dem Bobby sich grad aufhält) überfallen. Wobei Gewalt a la Peckinpah zelebriert wird, als die Oma hinter dem Tresen die beiden Räuber mit einer Schrotflinte in Zeitlupe zerfetzt. Bobby hat am Ende die Schnauze voll und will mit dem Bus flüchten, denn ein Schuldeneintreiber ist hinter ihm her. Aber genau das Geld, was er für Essen und Trinken und eine Jukebox ausgab fehlt ihm ;-). Ein echter Verlierer....
Über das Ende möchte ich nicht zu viel verraten, es ergeben sich aber noch viele irre Wendungen und ein Ende, wie es Peckinpah nicht besser hätte machen können. Die Dialoge sind zwar nicht ganz so cool wie in „Pulp Fiction“, aber Bobby veredelt diesen Film mit lakonischen Sprüchen wie „Jeden Tag sterben 40000 Menschen. Wieso gehörst du nicht dazu?“. Einen netten Running Gang gibt es auch. Denn Bobby sagt jedem, der nach seiner Hand fragt, dass er sich beim Rasieren geschnitten hat. Darauf folgt meist ein: „ Sie sollten vorsichtiger sein“ zu Bobby. Bobby schafft es an einem Tag in jedes erdenkliche Fettnäpfchen zu treten und weiß bald keinen Ausweg mehr aus dem Nest. Also wählt er den brutalen Weg....
Oliver Stone arbeitet wie schon in „Natural Born Killers“ gern mit Verfremdungseffekten und scheinbar völlig überflüssigen Kurzeinblendungen (z.B. Nahaufnahme des schwitzenden Mechanikers). Sehr gern wird auch mal direkt auf die Gesichter gezoomt, um die Reaktionen zu verdeutlichen. Viele der „befremdlichen“ Kurzeinblendungen haben aber einen Sinn und lassen Rückschlüsse auf Story und bestimmte Charaktere (Bild in Jakes Büro) zu.
Zu dem gelingen ihm geschickte Übergänge. So verwandelt sich die Sonne, in eine Dusche, in der Bobby grad duscht. Alptraumhaft wird hier kurz seine Vergangenheit erläutert, sowie der Verlust seiner Finger. Was man von den Tennisauftritten halten soll, ist interpretierungswürdig....
Veredelt wird dieses Werk mit einer beachtlichen Riege von Schauspielern. So ist Billy Bob Thornton als widerlicher, schmutziger Automechaniker genau so wenig zu erkennen wie Jon Voight als blinder Indianer. Zusätzlich gibt es noch Kurzauftritte von Liz Tyler oder Bo Hoskins. Wie gesagt, unbedingt zwei mal ansehen. Dann ist der Film noch besser...
Schauspieler:
Sean Penn ist ein wahrhaft würdiger Antiheld. Die ganze „Scheiße“ kotzt ihn an und alle möglichen Leute gehen ihm auf die Nerven. Irgendwann reißt dann auch sein Geduldsfaden bezüglich „TNT“. Er spielt die Figur, als hätte er vor nichts Angst. Das ändert sich erst, wenn er eins auf die Nase bekommt oder mit seinen Schulden konfrontiert wird. Mit seiner coolen Art und den derben Sprüchen erinnert er ein wenig an George Clooney in „From Dusk till Dawn“. Penn ist der coolste Antiheld seit Bruce Willis mit zitatreifen Sprüchen. Cool…
Nick Nolte liefert auf seine alten Tage als fieser Ehemann eine Klasseleistung ab. Der hinterlistige Typ, von dem man nicht weiß was er eigentlich vorhat, wird von Nolte exzellent verkörpert. Die Brutalität und Gerissenheit tropft fast aus jeder Pore. Nur seine Pferdegebiss fand ich etwas abstrakt :-).
Zu guter letzt noch Jennifer Lopez: Sie ist nicht nur erwähnenswert, weil man sie hier mal oben ohne sieht. Die Rolle der Grace ist ihr wie auf dem Leib geschrieben. Der verführerische Vamp ist die Versuchung in Person und genauso gefährlich wie ein gewisser roter Apfel. Bis zum Finale weiß man nicht, was man nun von ihr erwarten soll. So hat sie doch einige Männer um den kleinen Finger gewickelt. Ein hinreißend gerissenes Luder.....
Fazit:
Im Gegensatz zu Stones überschätztem „NBK“ ist ihm hier ein zu unrecht kaum beachtetes Meisterwerk gelungen. Das körnige Bild erinnert wie der gesamte Film dabei eher an einen Film mit Minibudget. Doch die hervorragenden Schauspieler, die genialen Sprüche und Dialoge, sowie die unvorhersehbaren Wendungen machen dem Film zu einem Meisterwerk und einer Verbeugung vor Tarantino und Peckinpah. Einer meiner Lieblingsfilme: Düster, frech, brutal, erotisch, cool und witzig. Ansehen!