Der Cast von U-Turn liest sich schonmal äusserst schmackhaft, sind doch auch kleine Nebenrollen namhaft besetzt. Und doch zeigt Oliver Stones Thriller, dass ein Staraufgebot kein Garant für einen guten Film sein muss. Doch der Reihe nach....
Der kleine Ganove Bobby Cooper ( Sean Penn), kann die Rückzahlung von 13.000 Dollar bei einem üblen Kredithai nicht bedienen, was ihn zwei Finger seiner linken Hand kostet. Um die noch verbliebenen Grapscher nicht auch noch zu riskieren, macht er sich vor Ablauf der letzten Frist vom Hof.
Irgendwo in der ländlichen Weite Arizonas reißt sein 64er Ford Mustang die Hufe hoch und Bobby erreicht mit Mühe das triste Wüstenkaff SUPERIOR (welch ein Widerspruch in sich).
Beim Ortsansässigen Autoschrauber ( Billy Bob Thornton) will er die Karre reparieren lassen.
Kaum aus der schmierigen Werkstatt raus, begegnet er Grace ( J. Lo) die ihn auch direkt zu verführen versucht. Just im Moment des ersten Nahkampfs zwischen den beiden, stolpert ihr Ehemann Jake ( Nick Nolte) in die Wohnstube und Bobby kriegt direkt eins auf den Riechkolben.
Dennoch bietet Jake Bobby an, ihn zurück in die Stadt zu fahren, da das Eigenheim doch arg weit draußen im Nirgendwo liegt. Auf der Fahrt bietet er Bobby ein nettes Sümmchen, wenn dieser seine umtriebige Gattin aus dem Weg räumt, die mit allem pimpert was nicht bei drei auf dem Baum ist.
Nach einigem hin und her willigt Bobby ein. Als er zur Tat schreiten soll - Stichwort Canjon - dreht Püppi den Spies um und will nun ihrerseits Bobby für einen Gattenmord gewinnen.....
Nun beginnt ein redundantes " Bobby, kill meinen Mann - Bobby, kill meine Frau" Spielchen, das sich erzählerisch zieht wie Kaugummi. Dabei werden teils extrem flache, teils einfach absurde Dialoge zum Besten gegeben. Im weiteren Verlauf kommen dann menschliche Abgründe ans Tageslicht, ebenso die tiefe Verzweiflung Grace' ob ihrer Ehe und nach und nach die Wahrheit hinter eben jener Verbindung ( die man natürlich längst erahnen kann).
Bobby ist hin und her gerissen und wird nach und nach zwischen den Fronten zermalmt. Überraschungen bleiben dabei fast vollständig aus, alles ist vorhersehbar und kleinere Twists, die sich durchaus angeboten hätten, fehlen komplett. So zieht sich die Chose mindestens zwanzig Minuten zu lang Richtung Show Down. Und selbst der Schlussgag ist schon sonnenklar, lange bevor der finale Knall zu hören ist.
Von Schauspielerseite wird zwischen Wohl und Wehe die gesamte Palette geboten. Während Billy Bob Thornton als widerlich verdreckter ( aussen wie innen) Mechaniker trotz geringer Screentime durchaus klasse agiert, ebenso wie Joaquin Phönix als testosterongesteuerter Aggro - Dorfproll ( dessen Rolle allerdings wirkt, als wäre sie zwanghaft ins Script hineingeschrieben worden).
Dagegen scheint die Chemie zwischen Penn und Lopez überhaupt nicht zu stimmen, was aber durchaus an den arg begrenzten schauspielerischen Mitteln von Frau Lopez liegen kann. Jedenfalls fällt auf, dass Penn in den Szenen mit ihr distanziert, ja fast lustlos wirkt ( die Kussszenen sind zum wegrennen schlecht!!)
Nolte bringt die Boshaftigkeit seiner Rolle viel zu bemüht, viel zu aufgesetzt, rüber.
Jon Voight als philosophierender Vietnamveteren von der Maske bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist als Randfigur verschenkt. Und Powers Boothe als Sheriff mit nur einem Gesichtsausdruck durchweg schwach.
Fazit: U-Turn hat eine Menge Potenzial, welches aber durch Spannungsarmut, eine viel zu lange Laufzeit, die durch überflüssige Nebenhandlungsstränge noch weiter zerdehnt wird, teils gruselige Dialoge und nicht zuletzt einer unterirdisch schlecht agierenden Jennifer Lopez fast komplett verschenkt wird.
5 Punkte, weil die Location, Billy Bob Thornton und Joaquin Phönix durchaus überzeugen. Und für die Erkenntnis, dass man für die Flucht durch die Wüste besser einen Toyota nimmt. Der Rest hingegen ist schnell vergessen.