J.Lo. verdreht Köpfe wie Linda Blair
„U Turn“ war zu Beginn der DVD-Hochzeit ein Must Have, ähnlich wie „Natural Born Killers“, beide von Oliver Stone in seinem ungezügeltesten Modus. Ich würde „NBK“ zwar immer noch knapp vorziehen, aber auch dieser hitzige Neo Noir hat es in sich… Sünde. Sonne. Sahnesenorita. Wir folgen einem kleinen Kleinkriminellen, der durch Schulden an echten Gangstern schon mehrere Finger verloren hat und sich auf der Flucht nach Las Vegas befindet. Klar, wohin flieht man als Spieljunkie sonst. Doch auf dem Weg dorthin werden ihm eine exotische Schönheit (La Lopez, noch ganz natürlich und ungekünstelt) und ein unmoralisches Angebot zum Verhängnis. Oder zur Lösung? Und warum gibt es keine normalen Leute in diesem verkorksten Kaff?!
Entering Las Vegas
Oliver Stone hat einige echte Knaller im Repertoire. „Platoon“ oder der genannte „NBK“ stechen hervor, mir persönlich gefällt auch „Any Given Sunday“ extrem. Da kann für einen „U Turn“ schonmal wenig Platz im Jubelkanon sein. Aber „U Turn“ verschafft sich mit seinen öligen Ellenbogen schon Platz, keine Angst. Erst recht jetzt, wo es ihn endlich in schönen HD-Versionen gibt. Brillante und hochbekannte Köpfe als großartig-weirde Nebenfiguren (Voight, Phoenix, Danes). Ein heisser Soundtrack mit Johnny Cash und Co. Oliver Stones energetischer-stressiger Style. J.Lo. in Topform und noch recht frisch. Sean Penn in einer brisanten, sonnendurchfluteten Noir-Story und absolut in mehreren Klemmen. Man merkt schnell, warum „U Turn“ Ende der 90s zum Kultobjekt oder zumindest Geheimtipp wurde. Unberechenbar und stylisch ohne Ende. Der heiße Scheiss damals. Selbst wenn er natürlich nicht perfekt ist. Die Geschichte ist konfus und lässt viele Spielwiesen offen. Alles wirkt eher collageartig und perplex, abgefuckt und chaotisch, nicht immer konzentriert auf das Wesentliche. Eher im Gegenteil. Aber das passt ja zum Film Noir und ist deutlicher Methode als überfrachteter Zufall. Dieser Zynismus, dieser Dreck, diese freche Explosion des Dreck-am-Steckens haben sich zudem viel besser gehalten, als andere Filme seines Jahrzehnts. „U Turn“ scheint manchmal planlos - verliert aber nie seine höllische Unterhaltung über zwei Stunden lang aus den Augen!
Fazit: 90er-Kultkrimi mit Style, Sex und Schweiß - starbesetzt, sonnig und ziemlich lässig!