Existiert heutzutage noch irgendeine Form von Seelenpein, für die es noch keinen passenden Ratgeber gibt? Fehlendes Selbstwertgefühl, Nikotinsucht, Schlankheitswahn – überall tun sich Marktlücken für arbeitslose Psychologen und geldgierige Scharlatane auf, die aus dem Leid ihrer anvisierten Zielgruppe Kapital schlagen. Da mag man es zu Beginn von „Love Happens“ schon befremdlich finden, wenn ein dauergrinsender Entertainer lauthals verkündet, seine Seminarteilnehmer vom Verlustschmerz nach dem Tod eines geliebten Menschen zu heilen. „A-Okay“ lautet der nichtssagende Titel eines Leitfadens für die Bewältigung von Trauer, den Burke Ryan nach dem Unfalltod seiner Frau verfasst hat und offenbar vielen Menschen neuen Mut gibt. Nur sich selbst kann er mit seinen Durchhalteparolen nicht helfen. Bis er die Blumenverkäuferin Eloise kennenlernt.
Soweit zum Inhalt, der hier zu einer Mischung aus romantischer Komödie und menschlichem Drama verwurstet wurde, die aber kaum überzeugen kann. Zunächst wäre da das gänzlich spannungs- und höhepunktfreie Drehbuch, das mit einer Dramaturgie aufwartet, die aus den 109 Minuten Spielzeit gefühlte vier Stunden macht. Allein die Auftritte von Dan Fogler als Burkes Kumpel und Manager Lane und die Szenen mit Rocky, dem weißen Kakadu können der Handlung kurzzeitig etwas Auftrieb verleihen; der Rest des Films plätschert gemächlich vor sich hin, hält sich mit diversen Nebensächlichkeiten auf und spult die Turteleien zwischen den Hauptcharakteren nach Schema F herunter, von denen sich Aaron Eckhart noch am besten aus der Affäre ziehen kann.
Dieser holt aus seinem oberflächlich gezeichneten Charakter noch das Maximum an Präsenz und Charisma heraus, womit er sich klar gegen Jennifer Aniston durchsetzt, die hier einmal mehr als leicht neurotisches Liebchen von nebenan agiert. Rachel, bist du das? Ganz abgesehen davon, dass man über ihre Figur nicht das geringste erfährt, außer dass sie Blumen und Fremdwörter mag, erfüllt ihre Rolle einzig und allein den Zweck, für den geläuterten Seminarleiter den Seelenfrieden bringenden Love Interest zu spielen. Was freilich nicht verwerflich wäre, wenn sie denn zumindest irgendwas interessantes an sich hätte. So stiehlt ihr sogar der Beste-Freundin-Sidekick namens Marty mühelos die Show, was die sich entwickelnde Romanze umso lächerlicher und unglaubwürdiger erscheinen lässt.
Diese ist aber im Gegensatz zum alle Kitschregister ziehenden Finale noch gut zu verkraften, denn was einem hier geboten wird, zieht selbst dem „Titanic“-erprobten Kinozuschauer glatt die Socken aus. Dass sich die Bedeutung des Wortes „subtil“ noch nicht allerorts in Hollywood durchgesetzt hat, ist bekannt, und für die bisweilen peinlichen Auswüchse kalkulierter emotionaler Höhepunkte ist die unfreiwillig komische Freilegung von Burkes Unfalltrauma ein erschütterndes Beispiel. Richtig ärgerlich wird diese seelische Genesung vor allem durch ihre vollkommen realitätsfremde Trivialisierung: Da genügen der Besuch in einem Baumarkt, das Freilassen eines Kakadus und die Umarmung des Schwiegervaters, um plötzlich mal eben drei Jahre Trauer und Schuldgefühle aufzuarbeiten. Schon kann man wieder Fahrstuhl fahren, bekommt das Mädchen und alles ist wieder gut. Das Leben ist wohl doch ein Ponyhof.
Schlussendlich ist „Love Happens“ ebenso wie die meisten Psychoratgeber vor allem eins: Eine Ansammlung von Binsenweisheiten aus dem Sprüchekalender; langweilig, hohl und ohne jede inhaltliche Relevanz. Auch ein souveräner Aaron Eckhart und ein paar gelungene Momente können den Film nicht retten.