Actionregisseur George Pan Cosmatos versuchte sich mit „Tombstone“ im Westerngenre, doch sein Spezialgebiet merkt man dem Film trotzdem an.
Hauptfigur ist der im Westernbereich immer wieder beliebte Wyatt Earp (Kurt Russell), wobei „Tombstone“ an dem Punkt einsetzt, als Wyatt seine Karriere als US Marshall an den Nagel gehängt hat und mit seinen Brüdern Virgil (Sam Elliot) und Morgan (Bill Paxton) ein ruhiges Leben anfangen. Doc Holiday (Val Kilmer), der vierte im Bunde, geht eigene Wege und schlägt sich weiter als professioneller Spieler durch. Bekanntes Terrain, das fast zeitgleich noch von Lawrence Kasdans „Wyatt Earp“ beackert wurde, der jedoch weitaus epischer als der Comastos Film ausfiel.
In der Stadt Tombstone wollen die Gebrüder Earp den Neustart hinlegen und mit etwas Tatkraft ergattern sie Jobs als Casino-Angestellte – bei 25% Prozent Beteiligung am Umsatz. Auch Doc gesellt sich bald zu ihnen, doch sie merken, dass das Gesetz in Tombstone Probleme hat. Eine Cowboy-Horde unter der Leitung von Curly Bill Brocious (Powers Boothe) und seiner rechten Hand Johnny Ringo (Michael Biehn) setzt auf das Recht der Stärkeren und nietet dafür auch schon mal eine Abteilung der mexikanischen Polizei um, wie „Tombstone“ zu Anfang zeigt.
Die Earps pochen darauf sich rauszuhalten, Wyatt hat nach seiner Dienstzeit genug von Lebensgefahr. Als die Cowboys jedoch immer mehr über die Stränge schlagen, stellen die Brüder und Doc sich ihnen entgegen...
„Tombstone“ kann mit einer Starbesetzung sondergleichen protzen, wobei Kurt Russell in der Hauptrolle einen zufriedenstellenden Job macht, aber noch nicht ganz zu Hochform aufläuft. Val Kilmer ist ebenfalls solide ohne eine Bestleistung zu erbringen, dafür schlagen sich Sam Elliot und Bill Paxton sehr wacker. Powers Boothe und vor allem Michael Biehn geben charismatische Schurken ab, unter den weiblichen Darstellerinnen können nur Dana Delany und Joanna Pacula ein paar Akzente setzen. Hinzu kommt noch ein wunderbar aufgelegter Supportcast von erlesener Qualität, u.a. Michael Rooker, Billy Zane, Terry O’Quinn und Billy Bob Thornton.
Was Ausstattung und Budget angeht, hat man sich bei „Tombstone“ nicht lumpen lassen. Die Westernstadt Tombstone schaut authentisch aus und die Kostüme sind mal eine leichte Variation des üblichen Cowboy-Looks. So sieht es schon ziemlich cool aus, wenn das Quartett in schwarz gekleidet über die Straße schreitet, um sich mit Störenfrieden zu zoffen. Auch George Pan Cosmatos’ Regieleistung überzeugt, wobei er die Protagonisten schon eher wie Actionhelden inszeniert und so seine Wurzeln deutlich zeigt.
Weniger überzeugend fällt allerdings das Drehbuch aus, wobei dies nicht schlecht ist, aber durchaus besser sein könnte. Vermutlich war die Urfassung von „Tombstone“ auch deutlich länger, ehe man einen Zweistundenfilm draus machte, denn teilweise wirkt die Geschichte etwas sprunghaft erzählt oder episodisch (gerade in der zweiten Hälfte). Das ist schade, denn durch die teilweise unsauberen Zeitsprünge wirkt „Tombstone“ hier und da leicht holprig und reißt den Zuschauer wieder aus dem Geschehen raus.
Doch trotz dieses Mankos ist „Tombstone“ recht kurzweilig, in der ersten Hälfte sogar recht packend. Die Charaktere werden mit der nötigen Ruhe, aber nicht zu lang eingeführt, der Konflikt zwischen Guten und Bösen schaukelt sich stetig weiter hoch und ab der Halbzeitmarke zieht Cosmatos das Tempo auch schön an. Etwas störend wirken die Subplots um zwei Frauen zwischen denen Wyatt steht, da sie einfach zu schwach entwickelt sind, um wirklich zu interessieren, andrerseits dann aber doch immer wieder Screentime fressen.
Wenngleich diese kleinen narrativen Mankos den Spaß etwas trüben, so hat George Pan Cosmatos immerhin die Extraportion Geballer im Gepäck und inszeniert „Tombstone“ relativ actionreich. Einen Overkill gibt es nicht, aber die Schießereien sind gut über den Film verteilt und recht lang. Meist handelt es sich um Massenschießereien, weniger um Duelle und Cosmatos inszeniert sie schick im Stile moderner Actionfilme, sodass die Konfrontationen Laune machen. Gegen Ende fehlt zwar noch ein kleines Highlight, das Duell zwischen Doc und Ringo reicht einfach nicht als Höhepunkt, doch sonst kann man mit der Action zufrieden sein.
„Tombstone“ macht Laune, ist wunderbar besetzt und bietet viele tolle inszenierte Schießereien. Leider war die Chose wohl für eine längere Laufzeit konzipiert, denn einige Subplots kommen etwas zu kurz und in der zweiten Hälfte gibt es unschöne Zeitsprünge, die dem Film etwas die Spannung rauben. Nichtsdestotrotz ein unterhaltsamer moderner Western, nur von Königsklasse halt noch ein Stück entfernt.