"Ich habe meine Pflicht getan. Jetzt will ich nur noch leben."
Wyatt Earp (Kurt Russell) reist mit seinen Brüdern Virgil (Sam Elliott) und Morgan (Bill Paxton) sowie ihren Frauen nach Tombstone, um dort Geld zu verdienen und sich zur Ruhe zu setzen. Mit ihrem einstigen Leben als Gesetzeshüter wollen sie nichts mehr zu tun haben. Die Stadt wird jedoch von Banden heimgesucht. Eine der gefürchtetsten sind die Cowboys, die an ihren roten Schärpen zu erkennen sind. Durch das Geschäft mit dem Glücksspiel geraten die Earp's schnell in Konflikt mit deren Anführer Curly Bill Brocius (Powers Boothe), Ringo (Michael Biehn) sowie Ike Clanton (Stephen Lang). Allein stehen sie aber nicht da, denn Wyatt's Freund, der schwindsüchtige und draufgängerische Spieler Doc Holiday (Val Kilmer), ist ebenso in Tombstone.
Im Gegensatz zur dreistündigen Mammut-Biographie "Wyatt Earp - Das Leben einer Legende" befasst sich "Tombstone" einzig mit der titelgebenden Stadt und den dortigen Ereignissen während der Anwesenheit der Earp's. Vorhergehende Ereignisse werden in einem knappen Intro abgehandelt. Da sich in Tombstone die spannendsten Ereignisse des Lebens von Wyatt Earp abgespielt haben, könnte man meinen, es hier mit einer kompakten und sehr actionreichen Variante zu tun zu haben. Allerdings mangelt es dem Western sehr an Charme und Authentizität.
Als bleihaltige Helden-Mär mit reichhaltig klischeehafter Figurendarstellung schert sich "Tombstone" nicht um historische Genauigkeit. Zwar baut der Western auf zahlreiche Handlungsstränge, eine komplexe Geschichte entwickelt sich dennoch nicht. Stattdessen bremst die holprige Erzählweise die Spannung aus. Da es mit der Bindung zu den Figuren auch nicht sonderlich gut klappt, ist gerade die erste Stunde ein ziemlicher Langweiler.
Im Anschluss hat "Tombstone" die ein und andere brachiale Schießerei. Häufig verfangen sich die Actionszenen jedoch in substanzlosem Dauergeballere, ohne Spannung aufzubauen. Zu schnell werden hier Abziehbilder von Bösewichten über den Haufen geschossen. Die wenig stimmungsvolle Musik begleitet das Geschehen.
Zumindest darstellerisch hat der Western einiges zu bieten. Mit Kurt Russell ("Das Ding aus einer anderen Welt", "Die Klapperschlange"), Val Kilmer ("Willow", "Batman Forever"), Bill Paxton ("Aliens - Die Rückkehr"), Powers Boothe ("Sin City"-Reihe), Michael Biehn ("Terminator", "The Divide - Die Hölle sind die anderen"), Michael Rooker ("The Walking Dead", "Henry: Portrait of a Serial Killer") sowie zahlreichen weiteren bekannten Gesichtern ist "Tombstone" starbesetzt und ansprechend gespielt.
"Tombstone" baut einfach keine Spannung auf, sondern erzählt seine Ereignisse wie am Reißbrett herunter. Die guten Darsteller können nicht über die klischeehaften Figuren, die einfach nicht genug Zeit für eine Zeichnung bekommen, hinweg täuschen. Somit bieten nur ein paar ordentliche Schießereien etwas Unterhaltung bei einem Film, den es wegen dem atmosphärisch und erzählerisch erheblich besseren "Wyatt Earp - Das Leben einer Legende" nicht geben bräuchte.
3 / 10