Review

Florian Stetter spielt einen Schiffsbrüchigen, der schließlich von einem Robenfängerschiff aufgegabelt wird. An Bord herrschen rücksichtslose Zustände und schnell muss Stetter feststellen, dass der herrische Kapitän Wolf Larrson, gespielt von Thomas Kretschmann, keineswegs plant ihn zum Festland zu bringen und ihn noch eine Zeit lang an Bord behalten wird.

Nachdem Prosieben letztes Jahr den Zweiteiler "Die Schatzinsel" verfilmte und damit denselben, bereits dutzendfach verfilmten Stoff noch einmal auftischte liefert man diesmal eine Verfilmung von Jack Londons Kultroman "Der Seewolf", der ebenfalls dutzendfach auf die Leinwand gebracht wurde. Das Rad erfindet man dabei, wie bereits zu erwarten war, nicht gerade neu, oberes deutsches TV-Niveau gelingt glücklicherweise dennoch.

Zumindest Bruchstückhaft findet man die philosophische Tiefe der Vorlage in diesem dreistündigen Zweiteiler noch wieder. Die Dialoge zwischen dem humanistisch, aufklärerisch erzogenen Schöngeist und dem herrischen, gnadenlosen Kapitän, der nicht den geringsten Respekt vor seinen Untergebenen hat und von einem eher negativen Menschenbild weit jenseits der christlichen Ethik, das eher sozialdarwinistisch geprägt ist, haben durchaus eine gewisse Tiefe und geben den einen oder anderen Denkanstoß, sind aber nicht geschliffen genug, um den Inhalt wirklich gelungen zu vermitteln. Darüber hinaus werfen sich die beiden immer wieder aufs Neue dieselben Argumente an den Kopf, so macht der Film, zumindest auf die zentralen Dialoge bezogen, einen sehr redundanten Eindruck. Die Charakterkonstruktion der beiden Hauptfiguren ist dabei in groben Zügen gelungen und der Konflikt der beiden schon vorprogrammiert. Auch der Wandel des eher zurückhaltenden, ängstlichen Schöngeists, der immer mehr Courage bekommt und, wie es Larrson selbst nennt, lernt auf eigenen Beinen zu stehen, wird dabei genau herausgestellt. Aber das, was an guten Aspekten durchaus vorhanden ist reicht leider nicht aus, um die Laufzeit zu füllen, denn die Handlung tritt des Öfteren auf der Stelle und ist, da ja fast jeder den Stoff bereits kennt, sehr vorhersehbar. ein zweistündiger, einzelner Film wäre wohl besser gewesen.

Regie führte Christopher Schrewe, einer der erfahrendsten deutschen TV-Regisseure, der bisher sowohl eher schlechte Werke wie "Apokalypse Eis" und "Popp dich schlank!", als auch gelungene Filme wie "Crazy Race 2" ablieferte. Die Inszenierung ist entsprechend routiniert. Schrewe setzt den brillierenden Kretschmann stark in Szene packt die Dialoge zwischen Kapitän und Schiffsbrüchigem in ein spannendes Kammerspiel ein und unterhält damit vor allem im ersten Teil des Zweiteilers. Das weite Meer und das, für eine deutsche TV-Produktion durchaus beachtlich gut ausgestattete Schiff, setzt er dabei gut in Szene, genauso, wie die Inseln am Ende und auch an den eher dünn gesäten Action-Szenen gibt es nichts zu bemängeln, so überzeugt der Film zumindest optisch. Die Filmmusik ist eher unauffällig, mit einem guten Score wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen. Atmosphärisch ist "Der Seewolf" vor allem im starken ersten Teil, wenn das Kammerspiel seine Höhepunkte erreicht. Doch dann kommt der zähe zweite Teil. Man beginnt allmählich mehr als deutlich zu merken, dass Schrewe Probleme bekommt seine Laufzeit zu füllen. Einzelne Dialoge wiederholen sich, das Finale, das durchaus spannende hätte werden können, zieht sich zäh wie Gummi und der Film hinterlässt so einen faden Nachgeschmack und die Erkenntnis, dass eine Stunde Laufzeit weniger, definitiv mehr gewesen wäre.

In den letzten Jahren war Thomas Kretschmann immer mal wieder in Nebenrollen in größeren Hollywoodproduktionen wie "King Kong", "Wanted" und "Der Pianist" zu sehen, blieb mit "Der Untergang" und "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" aber auch dem deutschen Film treu. Und dass er einer der besten deutschen Darsteller ist, der zu Recht Karriere in Amerika macht, zeigt er hier erneut. Als kerniger Kapitän baut er eine enorm hohe, für die anderen Darsteller erdrückende Leinwandpräsenz auf und legt dabei ein kühles, furchteinflössendes Charisma an den Tag. Diese Darstellung hätte definitiv einen besseren Film verdient gehabt. Florian Stetter, der außer ein paar Nebenrollen in größeren Produktionen wie "Sophie Scholl" lediglich ein paar Rollen in diversen TV-Produktionen vorzuweisen hat, spielt zwar solide und macht einen sympathischen Eindruck, ist neben Kretschmann aber eine verschwindend geringe Randerscheinung. Da man für ein solches Kammerspiel, wie wir es hier vorliegen haben aber zwei gute Darsteller braucht, die sich gegenseitig Paroli bieten, liegt hier definitiv eine weitere Schwäche des Films vor. Auch der übrige Cast wird von Kretschmanns Präsenz förmlich erdrückt.

Fazit:
Die philosophischen Ansätze der Vorlage und das spannende Kammerspiel mit den Wortgefechten des humanistischen Schiffsbrüchigen und des herrischen Kapitäns finden bereits in der ersten Hälfte des Zweiteilers ihren Höhepunkt. Danach merkt man mehr als deutlich, dass die Macher ihre Laufzeit mit aller Macht füllen wollen und so kippt der Film, der sich immer zäher in die Länge zieht, leider immer weiter ab, ist aber dennoch dem oberen deutschen TV-Niveau zuzuordnen. Des weiteren beleibt zu bemängeln, dass man dem grandios aufspielenden Thomas Kretschmann keinen würdigen Gegner zur Seite gestellt hat, sondern eine Reihe eher blasser Darsteller.

53%

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