Als die HKer Filmemacher ab der 2ten Hälfte der 80er Jahre ihre Fühler in Richtung Westen ausstreckten, um Teile ihrer Werke in den USA [ Kirk Wong's Taking Manhattan, Tsui Hark's The Master, John Woo's A Better Tomorrow 2 ] oder Europa [ Ringo Lam's Undeclared War, Michael Mak's Train Robbers, Ronny Yu's China White ] anzusiedeln, kamen dabei erste Anpassungsschwierigkeiten auf, die die Ergebnisse mehr oder minder nicht so gelungen aussehen liessen wie aus der Heimat gewohnt. Sei es die ungewohnte Umgebung, die das asiatische Flair vollkommen vergessen lässt, die oftmals recht schauerlichen westlichen Mitspieler oder die Sprachbarrieren: Zumeist wirkten derartige Episoden unnötig billig und irgendwie uneinheitlich und zuweilen fast amateurhaft.
Nur selten gelang das Experiment, Tony Leung Siu Hung's Guns of Dragon schneidet dabei eindeutig positiver als der Durchschnitt ab, was auch relativ leicht zu begründen ist: Das Skript von James Yuen ist stramm und direkt, man packt nicht gleich zuviel auf einmal hinein. Fast alle Schlüsselrollen sind mit bekannten asiatischen Darstellern besetzt, die wenigen Langnasen im Cast fallen nicht unangenehm auf und machen ihre Sache soweit gut, ohne natürlich gleich Auszeichnungen zu erspielen. Zudem hat die Great & Bright Ltd. / Mandarin Films Distribution Produktion für eine ordentliche Umsetzung auch offensichtlich genug Budgetvolumen bereitgestellt, so dass das Ergebnis einen Vergleich mit amerikanischen B - Movies nicht zu scheuen braucht.
Chief Inspector Lam Wok Ching [ Ray Lui ] aus HK besucht seine Frau Kitty [ Yvonne Yung ] und seinen kleinen Sohn in New York. Diese wohnen seit drei Jahren im gelobten Land, Lam konnte und woltle seinen Beruf aber nicht an den Nagel hängen und pendelt zum Unwillen seiner Frau deswegen ständig hin und her. Gleich bei der Ankunft kommt es wieder zum Streit, seine Frau ist es leid, ständig alleine zu sein, den Ehering trägt sie aus diesem Grund schon gar nicht mehr. Sie setzt ihm auch eine Deadline, nächste Woche zieht sie nach Toronto, mit oder ohne ihn. Dass Lam beim Einkaufsbummel dann mit Prince [ Mark Cheng ] einem alten kriminellen Bekannten von früher übern Weg läuft, macht den Aufenthalt natürlich nicht einfacher; dieser schickt auch gleich seinen schiesswütigen Schergen Tai Fei [ Jackson Lou ] auf den Cop und seine Familie los.
Der mit 85min recht kurze Film hat eine entsprechend knappe Anlaufzeit, ein fliegender Start lässt Gut und Böse bereits am Airport aneinander vorbeilaufen und startet so parallel die Handlung. An Prince und seinem Vorgesetzen [ Alex Fong, der sinnigerweise "Boss" heisst ] klebt ständig abwechselnd Polizei und FBI wegen einer Drogensache dran, diese lassen sich aber laufend abschütteln bzw. verhöhnen. Als sie dahinter kommen, dass ihnen Lam eine stärkende Hilfe sein kann, spannen sie den eher unfreiwilligen mit ein. Lam hat später auch allen Grund zur Mitarbeit, wurde doch seine Frau vom Kopf der Band [ Patrick Lung als "General" ] nach Puerto Rico entführt.
Mit den Schauplatzwechsel der amerikanischen Metropole ins Urlaubsgebiet kurz nach der Hälfte bekommt der bis dahin rasch fortschreitende Film seine ersten Stockungen, die auch bis zum Ende nicht behoben werden. Die Location reizt nicht mehr, zwischen Lam und dem ihn unterstützenden FBI - Agenten Peter [ Billy Lui ] wird zwischendurch ein Buddy - Picture ausprobiert - inclusive Männergespräch - , und die Action geht stark zurück; was natürlich stark abträglich ausschlägt.
Zumindest in der ersten Hälfte liegt der Hauptgrund der Erzählung in der Vorbereitung und Rahmenschaffung für einige zumeist bleispritzende Sequenzen, wobei sich besonders der Indoor - Shootout samt anschliessender Verfolgungsjagd und die Erstürmung des Polizeireviers sehen lassen können; im ersten hampelt zwar noch etwas Goof John Sham durch die Schiesserei, verursacht aber keinen weiteren Schaden. Beide Aktionen sind auch erfreulich ausschweifend geraten, ohne allerdings die Grenzen vollständig auszuloten, besonders die Erstürmung geht doch recht zackig und ohne grosse Gegenwehr zugange; dafür können auch die wenigen materialverschlingenden Einlagen wie Verfolgungsjagden, Autostunts und Explosionen durchaus mit ihren westlichen Kollegen mithalten.
In Puerto Rico passiert bis auf einige gelungene Einstellungen nicht mehr viel Aufregendes, vor allem der den Showdown einleitende Massenshootout sieht nach Nichts aus. Martial Arts ist übrigens recht knapp gehalten, es befindet sich aber auch kein wirklicher Könner unter den Darstellern
Schade also wegen dem zu starken Absinken, ansonsten bekommt man einen relativ unfeinen kleinen Reisser geboten, der als Actionhappen für zwischendurch durchaus mundet. Tony Leung empfahl sich damit für weitere amerikanische Co – Produktionen für Ng See Yuen, die allerdings weit weniger erquicklich ausfielen [ Karate Tiger 9, Bloodmoon – Stunde des Killers ]; auch in HK selber blieb er zweite Garnitur [ Satin Steel, Ultimate Fight ].