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„Go Fast" ist Polizeijargon für ein möglichst schnell über die Bühne gebrachtes Umschlagen heißer Ware vom Lieferanten oder Produzenten auf die Händler oder Kunden. Und hier ist der Name Programm. Olivier Van Hoofstadts Polizei-Actioner legt gleich zu Beginn ein ordentliches Tempo vor, indem er uns mitten in die überaus authentisch bebilderte Polizeiarbeit einiger Ermittler im französischen Drogenmilieu wirft. Setting, Kriminelle, Polizeimethoden und -arbeit werden professionell bebildert. Man spürt förmlich die heraufziehende Gefahr, die die an die brutale Realität im tristen Ghettoalltag angelehnte Eingangssequenz generiert.

Mareks Team verdeckter Ermittler wird aufgrund einer Unachtsamkeit von den äußerst professionell agierenden Drogenhändlern beim Spitzeln in deren Revier erwischt und beinahe vollständig zusammengeschossen. Dabei wirken die brutalen Erschießungen der Beamten nicht - wie oft bei Action angehauchter Polizeikost in Szene gesetzt - stylish, sondern drastisch und ernüchternd. Man spürt förmlich den Hauch der Wirklichkeit durch die Bilder ziehen.

Jedenfalls bekommt Marek seine Chance, es der Bande heimzuzahlen, indem er in die Organisation mit Sitz in Spanien eingeschleust wird. Als Beamter mit arabischen Wurzeln sollte es ihm eigentlich gelingen, den Dealer und Profi von der Straße überzeugend zu spielen und so genügend Information über das Netzwerk zu sammeln, um eine Reihe von Anklagen staatlicherseits in die Wege leiten zu können. Doch wehe, er würde erkannt - gar von jenen, die seine Kollegen ermordeten!

„Go Fast" ist ein grundsolider, überaus realistischer Polizei-Actionfilm, der sich erfolgreich darum bemüht, sich von der Masse der Durchschnittsware durch eine ordentliche Portion Authentizität abzuheben. Die Story ansich erinnert etwas an Michael Manns „Miami Vice". Auch ähneln sich die beiden Filme in ihrer Dramaturgie und sogar ein wenig in ihren Charakteren. Dennoch bleiben der ambitionierte französische Genrebeitrag und Manns Interpretation der bekannten 80er Jahre Serie grundverschiedene Produkte. Mann orientiert sich null an der Wirklichkeit, unterlegt seine Bilderflut mit popig-epischen Klängen und kreiert eine blau-rote Plastizität der Bilder, die beinahe greifbar ist. Olivier Van Hoofstadt hingegen, freilich mit ungleich geringeren finanziellen Mitteln ausgestattet, schildert professioneller und nüchterner, dafür weniger opulent und unterhaltsam, die spannende Jagd nach den hier wie dort völlig gewissenlosen Gangstern.

Für Freunde des französischen Polizeifilms oder auch europäischer Milieuschilderungen ist Olivier Van Hoofstadts „Go Fast" unbedingt empfehlenswert. Kritik lässt sich hier eigentlich nicht wirklich anbringen. Alles stimmt soweit. Und doch fehlt etwas.

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