Review

Gesamtbesprechung

Obwohl im sichtlich großen Ansinnen und dies mit Starbesetzung produziert, gelang es dem offenkundig im Fahrtwasser von Ein Schloss am Wörthersee schwimmenden Almenrausch & Pulverschnee schon bei der Erstausstrahlung bei weitem nicht, diesem Publikumserfolg in der Reichweite und Akzeptanz nachzueifern; im Nachhinein sieht das Verhältnis fast noch schlechter aus, was die Produktion eher zu einer Vergessenen und übersehenen Rarität macht. Gedacht hatte man sich wohl etwas anderes, hier wie dort bei ORF und RTL eine Wiederaufnahme einer Tradition zwischen Heimatfilm, Komödie bis hin zum offensiven Lustspiel und dem Ganzen auf Dauer und nicht nur vorübergehend dem Austausch von nur 8 Episoden angelegt. Dabei ist mit dem Macher hierbei durch die Vertretung von Franz Antel im Vergleich zum (auch überaus bekannten und mit der Materie vertrauten) F.J. Gottlieb als hauptsächlicher Regisseur fast noch mehr die Koryphäe schlechthin vertreten und der mit dem bisherigen Massengeschmack; gilt Antel doch als überaus eifriger und im Niveau eher dem seichten Bedürfnis angepasster Prophet, der mit dem verschiedenen Wechsel der Befriedigungen vertraut ist und sie zuweilen gar vorgegeben hat.

Antel war schon seit den Dreißigern in der Produktionsleitung dabei und hat ab Ende der Vierziger selber fleißig und dies teilweise mehrmals pro Jahr an Filmen gedreht, jede Laune des Zuschauers vorangetrieben und jede Schande im Genre (wie die späten Sexklamotten um Graf Porno und Frau Wirtin ab Ende der Sechziger) ebenso gepflegt. Im Vergleich dessen ist diese Veranstaltung hier natürlich gemäßigt, wird mit dem Wissen gewuchert und der Prominenz und das Andauernde der leichten und harmlosen Unterhaltung um Heimweh … dort, wo die Blumen blühn, nahe der Alm an der Grenze, und um den Ruf der Wälder, Die ganze Welt ist himmelblau, Verliebte Leute und Das große Glück serviert. Die Zeit zurückgedreht und nur mit modernen Mitteln und aktuell gefragten Darstellern im Grunde das Gleiche wie anno dunnemals also aufgegriffen und noch einmal und dies nicht unbedingt anders oder neu, sondern eben noch einmal und dies eher routiniert und bewährt erzählt. Ein Willkommensgruß aus der Vergangenheit, der an der Nostalgie der Zuschauer angreift und dem etwas bietet, was heutzutage (bzw. auch damals Anfang der Neunziger) nicht mehr so geboten wird und eher Häme des Kritikers und Spott von allen Seiten außer denen der Nostalgiker selber nach sich zieht.

Dabei beweisen sich Antel hier und Gottlieb dort schon beim Vorspann als zwei vom gleichen Schlag, sind die Einleitungsszenen im Grunde identisch aufgebaut und gesetzt, was bei dem hiesigen Setting alleinig durch die andere Witterungszeit variiert, da zusätzlich mit vielen Winter- und entsprechend Schneeszenen angereichert wird, während am Wörthersee im Grunde nur eitel Sonnenschein und eben die Badesaison herrscht. Die weiße Pracht, in voller Blüte, umrahmt dann auch die erste Folge "Die Zwillinge von Seefeld" ein, in der es entsprechend den Vorbildern gleich und sofort um die Konkurrenz zweier umliegender Touristikunternehmen und die geplante, noch nicht vollführte oder gar in Sack und Pack befindliche Bebauung einer Gschwandkopfseilbahn geht, die Manchen schon von der Idee ein Grausen und manchen einfach nur bei der Teilhabe mit einem gewissen zweiten Menschen als nötigen Geldgeber missliebig ist. Um das Ganze doch noch irgendwie in die Wege zu leiten, wird entsprechend der Vorgaben bald unleidlich intrigiert und auch möglichst eine geschäftsfördernde Ehe arrangiert; Verirrungen, Verwirrungen, Verwicklungen, Verstrickungen und Verlockungen also, wobei Antel, der Schlawiner, auch bald im örtlichen Wellnesszentrum die Madels in Bikini und Einteiler ins Bilde rückt und als Ablenkung vom schwammigen Otti Fischer im Bademantel und Shorts serviert. Der Humor speist sich aus einigen alten Schenkelklopfer (wenn einer aus Versehen in den Pool fällt bspw.) und darüber hinaus viel aus Verbalgags, wobei einem ganz schwindlig wird angesichts der Versprecher und der Limerick, die gerade ein Chris Roberts als (teilweise doppelt so) alter Stenz von sich gibt. Ansonsten, um die reichlich angejahrte Besetzung zu ergänzen und gleich auch die Prämisse und das Niveau vorzugeben, wird in Szene 1 gerade der Rinaldo Talamonti als umtriebiger Schlawiner, als Postbote, der auch gerne zweimal klingelt, und wie als narrativer Begleiter und Verbinder zwischen den diversen anderen Figuren und ihrer Interessen eingeführt; Talamonti, dem nichts anbrennt, fällt beim Umzirzen einer hübsch-hässlichen Milchbäuerin auch alsbald mit dem Kopf voran in den unschuldigen Schnee. Ähnlich einfallsreich auch der weitere Verlauf, der die Machen- und Liebschaften von Anno Dunnemals aus den Sechzigern hier noch einmal erneut für das sicherlich eher betagtere Publikum vor der Mattscheibe aufleben lässt: Die Kamera und gar auch die Montage entsprechend statisch gehalten, und wo selbst beim Dialog oder beim Dreiergespräch selten eine eigene Dynamik gesucht wird, sondern im Schuss-Gegenschuss-Verfahren und so die beiden Teilnehmer getrennt voneinander, wie ohne Interaktion aufgenommen sind.

Folge 2 erwartet dann großen Besuch, von Übersee auch noch, aus dem fernen New York und einem hohen Gebäude, dass gleich neben dem damals noch existierenden Twin Towers steht. “Die Väter aus Tirol“ sind alles an Information, die eine gerade 21 Jahre alt gewordene Millionenerbin von ihrer kürzlich verstorbenen Mutter nebst einem ebenso alten Foto von ihrem wahren Erzeuger aus einer schneebedeckten Berghütte von damals erhält. Die Suche nach dem richtigen Vater über zwei Jahrzehnte später und dies bei Herren der Gesellschaft, die davon (noch) nichts wissen; Auftakt natürlich für weitere Durcheinander, nachdem man das vorherige mit den 'Zwillingsschwestern' zwar gerade erst gelöst hat, die noch junge Liebe durch eine weitere Intrige aber schon wieder auf der Kippe ist. Und hier in deren vorübergehenden Abwesenheit so moralisch problemlos eine weitere kurze Liebelei und Bettmätresse in weiß unschuldiger Strapse, mit ihren 21 Jahren nun auch bereit zur Defloration mit dem 50-jährigen Gockel vor der Türe steht.

Den Vorlauf hat man zu Beginn übrigens zusammen gefasst, noch einmal in Kurzform eruiert, falls das dort Gesehene entweder doch nicht gesehen hat, oder schon wieder vergessen oder es war doch zu kompliziert. Bei der mit zeitlichem Leerlauf und so auch Änderung der Jahreszeit und Wetterbedingungen von Winter zu Sommer folgenden Episode 3 "Die Seilbahn" hat man nicht nur auf eine konkrete Übergabe der bisherigen Ereignisse verzichtet, sondern auch auf Chris Roberts gleich mit, der zwar die Weiterleitung des Staffelstabes an Nachfolger Hans-Jürgen Bäumler macht, dies aber nur in den ersten wenigen Sekunden als Cameo und per Telefon. Auch Gaby Dohm ist nicht mehr anwesend, sondern wird durch 'ihre Schwester' Caterina Conti ersetzt, die den Bau der Seilbahn gerne blockieren möchte, und es ihr deswegen ganz gelegen kommt, dass die genauen Überschreibungen der Grundstücke an die Bauherren gerade unter den Brüdern Gmeiner eben noch ungeklärt sind. Die Folge ist ein Hin und Her unter den eh Zerstrittenen, dass mehr an ein Erbschafts-, Betrugs- und Kreditthriller unter sturen Bäuerlein erinnert, und zusätzlich die Ökoaktivisten anlockt, und den gleich so wie Roberts alternden Charmeur Bäumler auf die halb so alte Rosi ansetzt. Exotisches, nicht erotisches Flair wird durch Gast Dunja Rajter geboten, die sich als Besitzerin einer Schmuckausstellung durch ihre 'Modenschau' der Klunker radebrecht. Plus Schauspielfilius Alexander Wussow, der aber wie auch Roberts nur den Gastauftritt absolviert.

Eine erneute Miniszene des zunehmend unwohl aussehenden Darstellers Roberts hält auch Folge 4 "Die Hypothek" bereit, sowie die Erwähnung seinerseits als verächtlich ausgestorbenen “Architekten!“, an dessen vermeintlicher Missetat die ewige Jungfrau Rosi nun immer noch knabbert und prompt auch dem (ebenso unschuldigen, aber genauso in das Missverständnis rasenden) Bäumler anheimfällt. “Architekten!“ als Ausbund an schmierigen Typen, die (vermeintlich) alle zweigleisig fahren und die unschuldige Rosi, die abseits der Überlegungen, ob Seilbahn ja oder Seilbahn nein kein richtiges Leben und nichts Rechtes zu tun hat, erneut in die Bredouille bringen. Wie das Leben so schreibt, ist nunmehr in der Hälfte der Laufzeit auch die ganz große Misere für Vater Gmeiner angesetzt, die dramaturgische Fallhöhe und der Sturz ganz nach unten erreicht, wozu Regisseur Antel nur paar Minuten vom Half Season - Showdown braucht und den knallharten Cliffhanger geradezu, abseits vom Tod von Bobby Ewing vielleicht noch setzt. Erstmals funktionierende Nebendarsteller wie Dorfgendarm Hias und ein ordentlicher Ausbruch vom bis dato nur säuselnden Bäumler, der noch fesch und resch in Verliebte Ferien in Tirol schon einen “Architekten!“ spielte, machen das vorläufige Finale perfekt.

In Folge 5 "Der Onkel aus Amerika" ist die Verwechslungsgefahr für alle Beteiligten wieder hoch, wird global das große Rätsel um gleiche mehrere Bankbürgschaften für die Seilbahn und auch gleich mehrere Onkel aus Amerika, darunter ein imaginärer und ein echter, aber halbblinder aufgeworfen, wobei noch hinzukommt, dass dann auch noch ein Intrigant mit zusätzlicher Verwirrung stiftet, allerdings auch bald wenigstens Zielscheibe des Dilemmas dann ist. Da die eigentlichen Aufklärer der ganzen Chose, also Bäumler und v.a. Roberts weiterhin über ihren Plänen hocken oder ganz anderswo auf einem hohen Berg, wird der gesamte Klüngel so lange verknotet, dass man selbst als Zuschauer bald nicht mehr weiß, was Wahrheit und was nun Fälschung ist; in der Geschichte selber auffällig sind gerade anfangs nur einige verbale Schoten, von Männern gegenüber Frauen, die eindeutig zweideutig, aber ohne Beweis der wahrhaft offensiven Umsetzung sind. Fernsehen mit niedriger Altersfreigabe, aber eher für die betagten Herren aus Opas (schlüpfrigen) Kinos gemacht: ein nächster Widerstreit, der hier ausgiebig dargeboten wird.

Folge 6 "Gruß aus München" zeigt ein Volksfest vor Ort, den 'Kirtag', als dass einem ganz Angst vor soviel Menschenauflauf und feuchtfröhliches Volk auf engem Platze wird. Ein '"vulgäres Vergnügen", da "mag sich der Pöbel dran ergötzen". Die Bratwurst noch nicht ganz durch, aber schon ans Gedränge verkauft, hoffentlich ist wenigstens das Bier ebenso zahlreich und frisch. Die Erstaufnahme der Folge ist davor allerdings in München angesetzt, ein dicklicher Junge, mit Ärger mit der Schule und mit Ärger mit dem Gericht, wofür nun endlich mal der bis dato unbekannte Vater zahlen soll, wodurch nach 16 Jahren Frieden und Freiheit nun für den Erzeuger der Angstschweiß und für den Zuschauer erneut Jubel, Trubel, Heiterkeit durch viel Verirrung und Verwirrung der Antelschen Schreibkunst ausbricht. Zwischendurch wird's plötzlich und auf einmal auch dramatisch, ein Absturz vom Berg, als man ein verlaufenes Schäflein retten will; etwas, was gar nicht so recht zum sonstigen Schwank passen mag und wie ein verirrter Schnipsel aus entweder Der Bergdoktor oder auch Die Bergwacht fast wirkt.

Nach einem wilden Schnitt-/Gegenschnitt-Gespräch zwischen Bäumler und Roberts, allen voran über deren gerade Verflossenen und damit einer knappen Rekapitulation der letzten Ereignisse weicht die Serie in Folge 7 ausnahmsweise und dem Titel "Bella Italia" getreu in die Ferne aus und die große weite Welt, wird das liebliche Tirol für das Mittelmeer verlassen bzw. erstmal von dem anstrengenden Reiseweg dahin, dem Urlaubstrip der Gmeiners erzählt. Eingangs steht man nämlich im Stau, dann steckt man in den touristischen Massen, dann fällt man schnurstracks auf einen gutaussehenden Betrüger (mit dem wallenden Brusthaar) herein; dazu plärrt wahlweise der Ramazotti oder der Celentano auf der Tonspur. Man spricht Deutsch oder auch Go Trabi Go hier in der Fernsehvariante, die Dorfmenschen hier in der (ausländischen) Stadt, schnell ohne Auto und ohne Gepäck, da beides geklaut, dafür gibt's depperte Streitigkeiten und wird mit seichtem Humor geneckt. Dolce vita an der Adria trifft auf Kulturclash, Sprachschwierigkeiten auf groben Slapstick, außerdem gibt's Generationenkonflikt und knappe Auftritte der jüngeren Darsteller(innen) im ebenso knappen Bikini (am Strand und bei einer Misswahl, eine billige Fleischbeschau) natürlich. Zudem hat man mit Aufwand nicht gegeizt, wird der halbe Cast nach und nach in Jesolo, Venetien nachgeschickt, manche als Helfer in der Not, manche ihrer Gefühle und der Sorge um die (körperliche) Unschuld wegen; eine Art Serienspecial hier, welches aber die Ausnahme bleibt, denn: Daheim in der Heimat ist es doch am schönsten.

Entsprechend dessen spielt Folge 8 “Ehe gut, alles gut“ dann auch wieder dort, wo es angefangen hat, bei den Wurzeln, wo man mit dem Herzen auch verpflanzt ist, wo Blut dicker als Wasser ist und wo man hingehört. Ende gut, alles gut, alle Emotionen auf Anschlag und jedermann im Übermut, das Herz fliegt auf Bergeshöh, zur Feier des Tages gastiert auch der Nationalzirkus, der österreichische natürlich. “Zauberwelt im Zirkuszelt“, so könnte die Folge auch heißen, trägt Ottfried Fischer kleidungstechnisch wieder das bunteste Hemd von allen, und ist auch gleich auf Damenfang, wie der Pfau beim Paarungsruf quasi. Überhaupt wird hier noch einmal alles aufgefahren, dafür auch eine gescheite Montage im Bauerntheater ignoriert, es geht zack zack, Schnitt auf Schnitt, die Überblendungen grob, die Musi spielt, alle Pärchen noch einmal in den Fokus gerückt, die Dialoge halbseiden, das Schauspiel und das Frauenbild irgendwo zwischen den 50er und den 80er festgesteckt und für alle Ewigkeit und Seligkeit konserviert. Im Übrigen hat man erst den ersten Bauabschnitt der Seilbahn geschafft, die (jetzt auch politische) Handlung hätte noch Stoff für Jahre und Jahrzehnte, für einen Dauerbrenner, zwischen Qual und Qualität. Es gibt fast eine Rauferei in einem dieser Plüschsalons, die Eifersucht war schuld, zudem steht zünftig eine Bürgermeisterwahl bereit; mit einem Kandidaten, der sich de facto selber wählt. Die Beziehungen sind einen Schritt weiter und gleichzeitig rückständig, die Serie könnte von vorne anfangen, der Kreis schließt sich endgültig.










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