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"Es ist doch ein Geschöpf Gottes, Herr Pfarrer." ... "Das glaube ich nicht, Mrs. Flynn."

"Plague Town" hat seinen Titel wohl weniger anhand der Handlung, eine handfeste Seuche oder Plage sucht man nämlich vergeblich. Stattdessen erweist sich die Plage im Film selbst.

Mitten in der irischen Einöde verläuft sich die amerikanische Familie Monohan. Nach Abfahrt des Reisebusses ohne sie sucht die Familie Unterschlupf für die Nacht und stößt auf einen merkwürdigen Mann, dessen Hilfe sie ablehnen. Stattdessen finden sie Zuflucht in einem verlassenen Wagen. Als seltsame Geräusche die Stille der Nacht unterbrechen, setzt sich der Vater der Familie in Bewegung. Er entdeckt ein Haus dessen Einwohner Kinder mit deformierten  Gesichtern sind. Ein Messer in seinem Rücken bestätigt, dass sie ihm nicht wohl gesonnen sind.

Vermutlich ist es gerade das Genre des Horror, das gnadenlos haarsträubende Ausgeburten von sich gibt. Und damit ist nicht der Inhalt des jeweiligen Films gemeint. Kitschige Figuren, unglaubwürdige Geschichten, technische Macken oder Darsteller die entweder nur durch ihre häufig unbedeckten Körper punkten oder durch schauspielerisches Nichtwissen, alles war schon mal vorhanden, mehr oder weniger ausgeprägt. "Plague Town" schafft es all diese Mängel zu vereinen.

Von Beginn an fällt das ausgeprägte B-Movie Ambiente des Films auf. Körniges Bild, ungefilterte Farben, unprofessionelle Präsentation des Geschehens. Viele B-Movies haben gezeigt, dass sie trotz technischer und finanzieller Einschränkungen durchaus ihre eigene Atmosphäre schaffen oder mit neuartigen Ideen punkten können. Trotz düsterer Bilder schafft dies "Plague Town" nicht.
Bei dem Backwood-Horror-Film wird versucht mit klassischen Stilmitteln, bösem Kinderlachen, Geflüster und unheimlichen Schreien, entsprechender Grusel zu erzeugen. Gelingen tut dies nur äußerst selten, verursacht durch die sperrige Inszenierung, die den Zuschauer immer wieder aus dem Geschehen reißt. Dabei sind die entstellten Gesichter der Kinder und Jugendlichen garnicht mal so schlecht gelungen, üben durch ihr immens groteskes aussehen aber ein übermäßig befremdliches Gefühl aus.

Neben dem Grusel solls auch ordentlich zur Sache gehen. Blutfontänen aus der Halsschlagader, geteilte Köpfe, eingedrückte Augen oder zerschmetterte Nasen zeugen von einem "gesunden" Ausmaß an Gewalt. Dass hierbei kaum zur Hilfe computerunterstützender Effekte gegriffen wurde ist erfreulich. Weniger, dass man bei diesen kaum etwas sieht. Dunkelheit und schneller Schnitt vertuschen Details, die manch Gorehound sicher gern genauer betrachten würde.
Da die Figuren einmal mehr keinerlei Substanz vorweisen, stellt sich beim ableben dieser kein Bezug ein. Somit hängen sie einzig zur plakativen Gewaltdarstellung gefesselt an Bäumen um ordentlich zu bluten. Spannung tut sich da nicht auf, mangels der erwähnten Identifikation und einer recht ereignislosen Handlung, die so gesehen ihre Protagonisten einmal mehr durch den Wald scheucht um im zehn kleine Negerlein Prinzip dezimiert zu werden.

Logiklücken, Anschlussfehler und klischeehafte Figuren zählen zu den häufigen Vertretern des lieblosen Allerlei, das häufig völlig durchhängt und minutenlang ohne Tempo voran schreitet. Vieles ist vorhersehbar und der Abschluss so einfach und plötzlich konstruiert, dass man sich fragt, ob nach dem Abspann noch mehr kommt.
Neben diesen Unzugänglichkeiten macht es sich "Plague Town" auch in technischer Hinsicht schwer. Die Kulisse ist durch ihre natürliche Umgebung noch recht ansehlich, allerdings durch die unübersichtliche Kameraführung mangelhaft eingefangen. Stets unpassend ertönt die musikalische Untermalung mit ihren sanften Klänge.

Namen wie Josslyn DeCrosta oder Erica Rhodes hat man noch nie gehört und wird man auch hoffentlich nicht wieder. Denn die Darsteller spielen ihre Figuren strikt nach dem unausgegorenen Drehbuch. So haben wir einen ständig gleich dreinblickenden Grufti, die ständig gleich dreinblickende, besserwisserische Tussi und, oh welch Überaschung, den ständig gleich dreinblickenden Familienvater. Von Besorgnis oder Furcht keine Spur. Das ist mal eine Sonderleistung von gleichbleibender Performance.

"Plague Town" ist ein B-Movie allerunterster Kajüte. Mit Sicherheit brutal, aber nicht in allen Details. Obligatorische eindimensionale Figuren und strikte, ereignislose Handlung erwecken Langeweile. Holprige Technik und übermäßig groteske Maskerade machen den Film unzugänglich. Der Titel "Plague Movie" wäre hier eindeutig passender und eine vorläufige Warnung, selbst für eingeschworene Fans des Horror.

1  / 10

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