Review

Mittlerweile kann man mit durchschnittlich geringen Erwartungen an Backwood-Terror rangehen, denn da scheint seit TCM, „Wrong Turn“ und „Hills Have Eyes“ alles gesagt.
So ist es lediglich eine Frage der Herangehensweise und der Ausstattung und in diesen Bereichen hat „Plague Town“ eindeutig die Nase vorn.

Eine amerikanische Patchwork Familie steht im Mittelpunkt des Geschehens, welches sich in den abgelegenen Wäldern Irlands abspielt.
Molly, ihre Schwester Jessica, deren frischer Freund Robin, sowie Dad und dessen Neue verpassen den letzten Bus, der sie aus der Einöde gebracht hätte. Mit Einbruch der Dunkelheit entdecken sie ein verlassenes Auto mit französischem Kennzeichen und Gepäck auf dem Dach und beschließen, hier die Nacht zu verbringen, während zwei nach einem nahe gelegenen Wohnhaus suchen. Doch bald hört Molly Kinderstimmen und meint eine Fratze zwischen den Bäumen zu sehen…

Die Idee mit den Inzuchtkindern, die grundlegend gewalttätig agieren und die Erwachsenen, die reines Blut für die Erhaltung ihrer Sippe suchen, ist besonders in den letzten Jahren unzählige Male verwurstet worden und wirklich frisch wirkt die Grundidee hier auch nicht, doch die stimmige Umsetzung setzt von vornherein auf unheimliche Momente und eine immens bedrückende Atmosphäre.

Die früh einsetzenden Kinderstimmen und das entfernt erklingende Babygeschrei lassen undurchsichtiges Unheil erwarten. Allein die Situation der beiden Frauen im Auto, die Nachts auf die Rückkehr der übrigen warten, wurde unheimlich gestaltet, mit kleinen Nebeleffekten, effektiver Beleuchtung und gut gewählten Kameraperspektiven.
Als dem ersten Opfer prompt der Schädel durchtrennt wird, während zwei maskierte Mädchen in einer Holzhütte umherhuschen, hat man eine ungefähre Ahnung von dem, was da noch an gruseligen Momenten und derben Gewaltszenen auf einen zukommen könnte.

Und fürwahr hält man sich im Verlauf nicht mit Grobheiten zurück. Da wird ein Gesicht mit einer Radkappe zertrümmert, Augen ausgehöhlt, mit einer Sichel und Mistforke zugelangt und bei alledem verzichtet man auf jegliche CGI und kleistert noch selbst mit Kunstblut und Latex, was im Endeffekt einen handwerklich ordentlichen Eindruck hinterlässt.
Zudem wird der Erzählfluss zu keiner Zeit unterbrochen, es ist viel Bewegung im Spiel, einige Fluchtmomente gestalten sich ebenso spannend, wie Minuten des Versteckens, der Gegenwehr und der Erkundung ungastlicher Räumlichkeiten.

Dabei reichen die Figurenzeichnungen völlig aus, um Heldin Molly ins Herz zu schließen, Jessica zunächst nicht zu mögen und den Engländer Robin zumindest mit Argwohn zu begutachten. Die Protagonisten mit der oberflächlichsten Charakterisierung sterben ohnehin als erstes, und bei den Inzucht-Bewohnern kommt es eher auf die äußerlichen Werte an, die diese durchaus eindrucksvoll vermitteln.
Die Erscheinung einer gewissen Rosemary, die mit dünner Gestalt, heller Haut und roten Lippenstift schweigsam an einem Tisch Platz nimmt, ist aufgrund ihrer Glasaugen, die umgebunden vor den eigentlichen sitzen, ein Gänsehautfaktor, aber auch einigen anderen möchte man nicht bei Nacht begegnen, vor allem nicht mehreren gleichzeitig.

So treiben die degenerierten Killer-Kids ihr gnadenloses Unwesen, die Erwachsenen sehen all das als völlig normal und alltäglich an und geben sich betont freundlich und während die Überlebenden oftmals mit dem Tod ringen, kommt es an anderer Stelle zum nächsten gespenstischen Auftritt der Inzuchtkinder.
Abwechslungsreich, beklemmend und phasenweise sehr atmosphärisch und spannend lässt sich der Streifen ohne Umschweife jedem Genrefreund ans Herz legen, der die etwas härtere Gangart ebenso schätzt wie eine schnörkellose Inszenierung, die sich aufs Wesentliche konzentriert.
7 von 10

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