Man muss kein Hellseher sein, um voraus sehen zu können, worum es in "Plague Town" geht, denn schon die erste Szene verrät Grundlegendes - der örtliche Priester kommt zu einer Hochschwangeren, die ängstlich auf ihre Niederkunft wartet. Er beruhigt sie und als es soweit ist, will er das tun, weshalb er gekommen ist und was im Angesichts des Grauens geboten ist - er will das Neugeborene töten. Doch stattdessen erschlägt der Vater den Priester und handelt damit auch im Sinne seiner Frau. Diese Vorgeschichte liegt zum Beginn der eigentlichen Handlung schon einige Jahre zurück und richtet folgende Botschaft an den Betrachter - irgendwo in der Einsamkeit wurden Monster geboren, die mit Hilfe ihrer Eltern am Leben gelassen wurden.
Gegenwart, irgendwo in Irland. Wer jetzt noch glaubt, die nette Familie, die sich ab sofort in den Handlungsvordergrund spielen wird, wird diesen Monstern gar nicht begegnen, kennt die Regeln eines "Backwood-Slashers" nicht. Was hätte die Eingangssequenz sonst für einen Sinn gehabt ? - Wer jetzt zudem immer noch glaubt, dass es sich bei der fünfköpfigen Gruppe wirklich um eine nette, homogene Familie handelt, kennt die Regeln schon gar nicht, denn ohne ein ordentliches Konfliktpotential wird keine "Opfergruppe" auf die im Dunklen lauernden Monster losgelassen. Schnell stellt sich deshalb heraus, dass wirklich verwandt nur Papa Jerry (David Lombard) und seine zwei Töchter Molly (Josslyn DeCrosta) - Typ dunkelhaarig, blass, verschlossen - und Jessica (Erica Rhodes) - Typ blond, sexuell aktiv - sind. Dazu kommt Papas neue Freundin Annette (Lindsey Goranson) - Typ kaum älter als die Schwestern - und Jessicas neuer Freund Robin (James Warke) - Typ sexuell fordernd, große Klappe.
Regisseur und Autor David Gregory betonte hinsichtlich seines ersten Langfilms, dass er seinen Horrorfilm auch als Hommage an das Genre versteht, weshalb die konsequente Verwendung von Stereotypen nachvollziehbar ist. Das der Versuch, die Vorbilder zu übertreffen, kaum gelingen würde, war zu erwarten, aber "Plague Town" ist ein gutes Beispiel für einen Horrorfilm, dessen Schwächen nicht im Detail liegen, sondern in der Gesamtanlage. Die blutigen Szenen sind von ansprechender Härte und werden gut akzentuiert vorgesehen, auch die Kreaturen - besonders die Braut auf der Suche nach einem Liebhaber - können überzeugen, aber "Plague Town" beweist auch zum wiederholten Mal, dass solche Ingridenzien allein noch keinen guten Slasher ausmachen.
Eine Grundschwäche liegt in der Konstellation der fünf Protagonisten und ihrer Beweggründe. Sollte Vater Jerry wirklich geglaubt haben, dass ein nachmittäglicher Ausflug aufs irische Land, die Familienprobleme löst ? - Es fehlt schlicht ein überzeugender Grund, warum sich die Fünf überhaupt dort aufhalten und für diesen Ausflug nicht wenigstens ein Auto mieteten. Angesichts der zukünftigen Ereignisse ist es auch nur schwer vorstellbar, dass diese nicht landesweit bekannt sind. Irland ist nun einmal nicht die USA, wo man sich deutlich besser vorstellen kann, dass ein einsam gelegenes Dorf jahrzehntelang sämtliche Besucher killt, ohne dass das Jemand mitbekommt. Das es bei einem "Backwood-Slasher" nicht um Logik geht, ist verständlich, aber der überzeugende Aufbau einer stimmigen Atmosphäre ist um so wichtiger.
Genau so idiotisch ist auch das Verpassen des letzten Busses, der nicht anhält, obwohl Molly fast noch an der Tür zieht. Zu diesem Zeitpunkt ist es helllichter Tag und der Busfahrer dürfte die Monster kaum kennen. Welchen Grund hätte ein Fahrer einer so selten frequentierten Linie, Fahrgäste, die unmittelbar hinter dem Bus laufen, nicht mitzunehmen ? - Die Intention des Regisseurs ist deutlich - er will eine insgesamt unfreundliche und damit bedrohliche Atmosphäre aufbauen, aber er bedient dabei Klischees, die sich nicht aus der Story ergeben.
Ähnliches lässt sich auch über die Gespräche zwischen den fünf Protagonisten sagen, die alle ohne Profil bleiben. Zwar ist die Reihenfolge, in der die Gruppe dezimiert wird, teilweise überraschend, da aber keine Identifikation stattfindet, letztlich auch unwichtig. Geradezu lächerlich ist in diesem Zusammenhang die Wiederauferstehung eines scheinbar schon getöteten Gruppenmitglieds, dass dann noch einmal ordentlich leiden darf. Allerdings fragt man sich, wieso diese Figur - trotz der offensichtlichen Beschädigung - nicht ständig übermässige Schmerzen empfindet. Es zeugt schon von unfreiwilliger Komik, wenn das Monster erst die herunterhängenden Fetzen berühren muss, damit das Opfer schreit.
Missverstandene Reminiszens an ein jüngeres Meisterwerk des Genres, "Descent", ist auch die ständige Dunkelheit, in der das Geschehen stattfindet. Ausser dem Beginn bis zum Verpassen des Busses, findet die gesamte Handlung in absoluter Dunkelheit statt. Das mag in der Nacht halbwegs realistisch sein und soll sicherlich Schockeffekte hervorrufen, ist aber vor allem unübersichtlich und damit letztlich unspannend. Es ist schwierig, Dunkelheit nicht nur als vorgeschobenes Argument für Überraschungmomente zu verwenden, sondern diese atmosphärisch und trotzdem handlungstransparent zu nutzen, was hier misslungen ist. Letztlich gibt es auch keinen Grund dafür, warum die Kreaturen nur bei Dunkelheit handeln, da sie scheinbar von Niemandem behelligt werden. Und die junge Französin, deren leer stehendes Auto die Fünf kurz als Aufenthaltsort nutzen, wurde schließlich auch schon im Hellen einkassiert. Dunkelheit nur als Abwesenheit von Sonne zu definieren, ist für einen "Backwood-Slasher" einfach zu wenig.
Abschliessend kann man nur das böse Urteil "er hat sich bemüht" verlauten lassen. Gute Details, gewohnte und immer wieder gern gesehen Stereotypen sowie ordentliche Gore-Effekte reichen noch nicht für einen guten Film - das hat "Plague Town" ein weiteres Mal bewiesen (3/10).