Überraschungsfilmhit 2009?! - Dass ich nicht lache ...
Die ersten Sequenzgänge in diese indisponierte Welt brannten mir bereits mehrere Gesichter von der Sonne herunter. Ein monoglotter Anflug aus der kombinierten Vase bathischer Wolllust und pseudointelligent-verzerrten Dialogschaften kreuzigte die frigide Wiese, welche später den gesamten Film in einer prävalierenden Farbe skizzieren sollte.
Die Visite bei einer hochschwangeren Frau: Der lokale Pfarrer betritt das Zimmer. Nach einer kurzen paternitären Konversation, wird die Intention seitens des Pastors zum dahindämmernden Aufschrei der verängstigten Frau diaphanisiert. Das inzwischen Neugeborene soll abgetötet werden - Im Namen Gottes. In letzter Sekunde erschlägt der meinungswandelnde Vater jenes zum Sterben prädestinierten Kindes den Priester und so werden irgendwo in einem verlassenen Landstrich "Monster" geboren, denn: It's in the Blood ...
Das Geschehen um PLAGUE TOWN beschreibt sich auf der dt. DVD interessanter als es in Wirklichkeit ist:
Mitten in der Einöde verpassen die Monahans die Abfahrt ihres Reisebusses. Auch wenn Vater Jerry wollte, dass dieser Urlaub in Irland seine beiden Töchter und seine neue Freundin etwas näher bringen wird, so droht diese Situation für die amerikanische Familie eine zumindest unbequeme Etappe ihrer Ferien zu werden. In einem kleinen Dorf sucht man Unterschlupf für die Nacht, doch mit Einbruch der Dunkelheit legt sich das Grauen über die weitläufige Gegend. Die Bewohner des Ortes verbergen ein furchtbares Geheimnis in ihren Reihen, einen Fluch, der sich als tödliche Gefahr für die Monahans erweist. Für die Familie beginnt eine Nacht des absoluten Horrors, die viele schreckliche Überraschungen offenbart ...
Nach dem Lesen dieses Textkonstruktes, welches auf dem dt. DVD-Cover der Firma I-On thront, kommt man um den Holzschnitt des derzeitig standardisierten Backwoodhorrors nicht herum. Regisseur David Gregory entsandte mit seinem Erstlingswerk eine klischeebeladene Hetzjagd durch die dunkelsten Wälder. Böses Kindergelächter, exophtalmische Jungfrauen und in ihrem Härtegrad oszillierende Special-Effects pointieren einen deutlichen Exkurs ins Hinterland auf Low-Budget-orientierter Charakterart.
Die Dialogbilder, oftmals zu Fatuitäten neigend, sind das Allerschlimmste an diesem Film - Oder ist das nur die dt. Synchro, welche wiedereinmal verschissen wurde? Ich habe mir nicht mehr die Mühe gemacht, auf die engl. Tonspur zu changieren. Zu sehr hatte mich PLAGUE TOWN bereits fatigiert - Die "Dunkelheit", essigsau'res Stilmittel und zugleich Okkupant in jeder Sachlage, tat ihr übriges. Erfreulich hingegen, dass die vereinzelten Gewaltschübe allesamt ohne CGI-Draperie auskamen. Die Stahlseilszene -von auffallend berstender Gewalt- erzeugte Parallelen und erinnerte ungehemmt an AUDITION. Außer dieser bietet der Film noch weitere Szenen von amüsantem Duktus. Dennoch präponderieren wohl doch die simplen und naiven Dinge, welche sich vorrangig im Karbatschen mit irgendwelchen Ästen remarkabel machen. Bestimmt auch lächerlich: Die Sequenz, in welcher man jemanden mit einer Autofelge zu Tode schlägt. Einfalt schreibt sich ebenfalls in den Gesprächen groß ...
"Alles was ich weiß, ist, dass ich die Polizei rufen muss!"
"Na hör' sich das einer an ... So ein dummes Gerede von jemandem, der angeschossen ist - Eine Tasse Tee ist, was du brauchst ..."
Das hat nichts mehr mit Ironisierung, schwarzem Humor o.Ä. zu tun. Flach und dunkel ist der Teich, der laut Coverdeklarierung leuchten sollte. Ein Spannungsbogen ist nur temporär zu erkennen, doch auch nur dann, wenn's gorig wird. Was dem Zuschauer mit PLAGUE TOWN gesagt werden will, ist zumeist invisibel. Eine Begünstigung hierfür ist der rohe Schnitt samt seiner willkürlich gehaltenen Bilderfolge. Man hatte sich gedacht, den Charakter anhand von mannigfacher Dunkelheit, welche wortwörtlich umgesetzt worden war, akuminös zu seinem abgrundtiefbösem Zenit zu schaukeln - In meinen Augen sprang man damit blind von der Brücke in irgendeinen nebulösen Teich hinein, der sich als grauenhaft-latente Moorlandschaft entpuppte, aus welcher man sich Dank der viskösen Penetranz nicht wieder befreien konnte. Auch die Story wirkt keineswegs verdichtet, da sich alle Elemente nur partiell zusammenzuhalten wissen. Es wirkt alles wie ein Windzug, ein Provisorium, dessen emporgebrachte Intensität nach einigen Wimpernschlägen wieder verfliegt.
Dumm war ich, als ich nach dem Abspann noch dort saß, mich stirnrunzelnd und dazu ein wenig pathetisch fragte, ob nun noch etwas folgen wird - Nein, es kam nichts, und so enttäuschte mich PLAGUE TOWN auf ganzer Linie wie etwa ein Lackschaden auf dem rubinroten Cabriolet, dass man seinem besten Freund unter besonderen Zusagen für eine Nacht lang ausborgte. Der Film bleibt ein insipider Gruselanfall auf Ritalinbasis, der nicht hält, was er verspricht, ein Kokon dessen Inhalt eine kuriosgeredete Maskerade mit einigen Versatzstücken barbarischer Gediegenheiten darstellt - Kurzum: Ein Fragment! Unvollendet und ausbaubar ...