Arthouse und Horror vertragen sich nur selten und wenn dann auch noch zwei Independent-Filmer versuchen einen visuellen Overkill zu veranstalten, kann man das Gesamtergebnis nur lieben oder hassen.
Im Mittelpunkt steht der nicht alternde Ghoul Maurice, auch genannt Dead Dog, der für den Vampir Prince morden muss, um ihn mit frischem Blut zu versorgen. Doch nach dreißig Jahren Dienerschaft und Drecksarbeit tritt die junge Pussycat in sein Leben und krempelt es völlig um…
Von Beginn an ist man der schizophrenen Sicht von Maurice ausgeliefert, als der im Intro mit einem Gewehr vor einem Hund flüchtet und dann doch noch überrascht wird.
Split Screen, Überbelichtung, Farbfilter, Weichzeichner, Kontrastarmut, - vor keinem Effekt wird Halt gemacht, jede erdenkliche Bildverfremdung wird eingesetzt, was natürlich davon ablenkt, dass im Grunde keine wirkliche Geschichte erzählt wird.
Von Vornherein fehlt eine Zuordnung, es wird kaum ein Bezug zu den Figuren aufgebaut und entsprechend lässt einen das Schicksal der Hauptfigur völlig kalt. Maurice steht zwar unter ständigem Druck durch seinen Mentor Max und handelt sich häufig Rüffel ein, doch interessante Konfrontationen gehen aus diesem Konflikt bis zum Finale nicht hervor. Vielmehr verfällt Maurice in eine Verkettung aus Visionen und Flashbacks, welche in einer Talkshow mit Moderator Max münden, während Pussycat nur kurz erscheint und ebenfalls erst im Finale wieder auftaucht, wo ein brauchbarer Twist immerhin noch ein Minimum retten kann.
Die surreale Chose kommt fast ohne Gewaltszenen aus, allenfalls werden sie angedeutet, etwa im ersten Drittel, als beschrieben wird, worin der Auftrag der Ghouls besteht und wie sie taktisch vorgehen. Lässt sich im ersten Drittel noch so etwas wie eine Handlung herausfiltern, ist spätestens ab Mitte des Streifens Schluss. Entsprechend inhaltslos dümpelt die Sache vor sich hin, während eine optische Spielerei die nächste jagt, einschließlich einer selten dämlichen Egosichtweise.
Ob ein Irrer das Zusammenspiel von Nosferatu und Ghoul erklärt, in einem Club eine kurze Schießerei stattfindet oder Maurice an Ketten mit sich selbst konfrontiert wird, - bei dem heillosen Wirrwarr und den Mimen mit Hang zum Overacting lässt das Interesse binnen kurzer Zeit nach und man ist beim Showdown entsprechend dankbar, dass sogar noch so etwas wie ein Endkampf angedeutet wird.
Das Debüt der französischen Regie-Brüder Decaillon dürfte die Gemüter spalten: Entweder steht man auf die skurrile Optik und taucht in die Psyche der Hauptfigur ein oder die Verpackung lässt einen völlig kalt, weil der Storygehalt gegen Null tendiert.
Zugegeben, einige bizarre Szenen sehen durchaus ansprechend aus, doch im Zusammenhang wirken diese wie ein wahlloses Sammelsurium nihilistischer Grundgedanken und Metaphern.
Ein unterhaltsamer Horrorfilm mit Handlung und Biss sieht zumindest anders aus.
3 von 10