Review

Herr der Ringe a la Amateur

Amateurfilmer fühlen sich ja bekanntlich zu Waldszenarien hingezogen, können sie dort ohne fremde und schockierte Blicke ihre Sauereien zelebrieren. Wenn wir mal Ittenbachs Anfänge in Muttis Heim ignorieren, begann wohl so gut wie jeder aufsteigende Homehobbyregisseur seine "Karriere" in deutschen Wäldern. Schnaas, Taubert, Marius Thomsen, Rohnstock, Rose, Ude und die Camp Blood Reihe aus den USA begründeten und erschufen mehr unfreiwillig wie freiwillig ein Genre, dass wohl vordergründig im Amateursektor anzutreffen ist: Der Wald ,- und Wiesensplatter. Nun mag das einfältig klingen und man möge meinen, dass man diese Ergüsse alle über einen Kamm scheren kann, doch es mag neben Zombie 90, Piratenmassaker, The Butcher, Violent Shit 1-3 und Knochenwald noch ambitionierte Projekte geben, die sich fernab dieser einfältigen Schlachterei bewegen.

Eines dieser ambitionierten Projekte ist Die Waldbewohner, der Name sagt es zwar, er spielt im Wald, geht aber in eine komplett andere Richtung als die meist storylosen 0815 Schmodderprojekte.

Was kann man also von diesem Film erwarten, der uns in eine Szenerei wirft, die Anfangs eine vollkommen heile Welt zelebriert. Ein Pärchen samt Kinderwagen stolziert über einen Feldweg. Die Sonne scheint und sie beschliessen noch Blümchen zu pflücken.  Den Kinderwagen kurz aus den Augen gelassen, und schon ist das Kind weg. Die Illusion von einem perfekten Familienleben geplatzt. 24 Jahre später:

Eine junge Frau, scheinbar das Baby von dazumals hechtet mit Freudensprüngen, als käme sie gerade von Woodstock über eine Wiese. Sie sammelt Blumen und Kräuter, sie heisst Sanjonara und nennt sich Kräuterfee und Zauberkundige, und sieht unterdessen so aus, als würde sie aus der Einsiedlerzeit stammen. Was ist also passiert? Zwar klärt uns der Film leider nicht auf, wieso sie plötzlich frohlocket durch den Wald hüpft, wo sie hier eigentlich ist, wieso sie so aussieht, eine Kräuterkundige ist und nicht mehr in der Zivilisation wohnt, aber blitzschnell wirft uns der Film damit in eine Fantasywelt, wie wir sie bestens aus Herr der Ringe kennen. Der Fehler dabei ist allerdings, dass der Zuschauer nicht weiss, welche Mission die junge Dame eigentlich hat und was hier eigentlich passiert. Der Film versucht gewollt ein kleines Pathos zu sein, weiss dabei aber selten seine eigentliche Intention.

Denn während Sanjonara ihren ersten Verbündeten trifft, einen Fährtenleser, kommen die ersten komödiantischen Aufschwünge auf, die so gar nicht in das Geschehen passen wollen, sind diese Einlagen nur allzu banal und grenzen an Klamauk. Bestes Beispiel ist dort der Verzehr eines Krauts namens Schwellkraut, dass dem Fährtenlesen einen Dauerständer verpasst und aufgrund seiner Gelüste gezwungen ist, den Baum zu penetrieren. Wir nehmen es hin, warten ab und freuen uns zumindest mal, dass das Werk zumindest versucht eine Geschichte zu erzählen, denn scheinbar, so wird es erzählt, lauern in den Wäldern herrschsüchtige Waldbewohner, die den normalen "Menschen" den Gar ausmachen wollen.

Doch nicht nur sie sind die Gefahr, wird Sanjonara auf ihrer Reise ins Unbekannte noch andere Gefahren kennenlernen: ein mafiosiähnlicher Dämon, der Seelen will, und dabei in seinem gewollten Overacting abermals Zwiespalt für das Filmerlebnis stiftet, Untote in der ewigen Ruhe, eine Nichts nur mit schwarzer Dunkelheit, die von einer niedergeschmetterten Königin regiert wird und hübsche Amazonen, die mörderisch sind, aber mit Sex zu bestechen sind.

Kämpfe gibts dabei viele, und dass choreographisch gar nicht mal schlecht, darf dabei auch ganz gerne mal das Kunstblut fliessen. Den übermäßigen Splatter sollte man allerdings nicht erwarten, denn Die Waldbewohner punktet eher für Wald und Wiesenamateurverhältnisse mit gekonnten Kameraeinstellungen, einem glasklaren Bild, guter Vertonung, aber eher laienhafteren Sprechern, aber im Gegenzug mit schönen Kostümen, guten Einfällen wie dem Ort der ewigen Ruhe und dem mehr schlecht als recht aufgestellten Händlerdorf mitten auf einer Lichtung. Ja, das Alles wirkt sehr symphatisch, aber leider wissen wir immer noch nicht so recht, was hier die tatsächliche Mission ist. Ein Genickbruch für die Spannung ist das leider ohnehin, aber es wirkt ohne Zweifel wie in interaktives Rollenspiel von dem PC, denn wenn Sanjonara zum Angriff pfeift, leuchtet rechts unten im Bild ein Manabalken auf. Nett, nett, auch wenn das Alles in seiner Gesamtkonstruktion zu überfrachtet wird.

Die Waldbewohner geht in viele Richtungen, kann sich dabei aber selten wirklich für eine Dominante entscheiden. Fantasy, Abenteuer, Komödie, Horror, Splatter und Trash, alles ist vertreten, doch diese Suppe aus Genres verdirbt so einiges, was das ambiotionierte und innovative Werk zerstört. Da werden Zitate ausgespuckt wie "Du kommst hier nicht vorbei" und die volle Messlatte an Mysterie und Charaktären bedient, doch das Gesamtergebnis bleibt mittelmäßig, auch wenn das Ende ein paar beantwortet, doch wieder zuviele neu bildet. Parallelwelt, Realitätszuflucht, ein Sog? Man weiss es nicht.

Fazit:
Die Waldbewohner
ist ein symphatisches und ambitioniertes Projekt von Ralf Kemper, dass aber an vielen Ecken und Enden zu überfrachtet und gewollt daherkommt und die Frage "Wieso?" schlichtweg nicht beantworten kann. Spass macht der Film doch irgendwo, aber zuviele Zutaten verderben leider wie so oft jede Suppe. Wer im Amateurgenre aufgeschlossen ist, kann sich Die Waldbewohner aber trotzdem ohne Bedenken ansehen.

58%


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