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Mit "Watchmen - Die Wächter" kam ich erstmalig in den Genuss einer Comicverfilmung, bei der ich die Vorlage (von Alan Moore) auch gelesen habe. Während ich also bei "Sin City" und "300" nur daran glauben konnte, dass Panel für Panel in Bewegung umgesetzt wurde, so konnte ich dieses Verfahren bei "Watchmen" erstmalig intensiv erleben und wahrlich bewundern. Und um eins vorweg zu nehmen - ich habe es in vollsten Zügen genossen.
Ein Problem welches "Watchmen" birgt, ist, dass es bei Nichtkennern der Vorlage falsche Erwartungen weckt. Es handelt sich eben gerade nicht um eine weitere actionreiche Comicverfilmung, welche die Serie der oben genannten Umsetzungen "Sin City" und "300" fortsetzt. Wer seine Vorurteile gegenüber Comicheftchen hat, der könnte beim Lesen von "Watchmen", ähnlich erstaunt wie ich, feststellen wie erwachsen, tiefgründig, philosophisch und voller Kunst ein Comic sein kann. Es wird gern zitiert, dass "Watchmen" zu den 100 wertvollsten Werken der englischsprachigen Literatur zählt (gewählt von der "Time"). Der Meinung kann ich mich ohne Bauchschmerzen anhängen.
Die Einstiegssequenz zu Watchmen zeigt aus meiner Sicht bereits einige Stärken als auch Schwächen des Films auf. Die Stärken: Visuell beglückend im Allgemeinen, Ideenreichtum der Produktion im Besonderen. Das Watchmen-Thema Zeit/Apokalypse wird mit der Weltuntergangsuhr ideal eingeführt. Im Fernsehen läuft Werbung für Nostalgica. Als Schwäche sehe ich die zu überzogene Gewalt. Sicherlich ist diese bei dem Kampf zwischen Edward Blake / Comedian (Jeffrey Dean Morgan) und seinem bis dahin unbekannten Angreifer zu verkraften. Auch das gewaltätige Personen Gewalt anziehen ist schlüssig (Rorschach). Wenn aber später im Film Dan Dreiberg / NiteOwl II (Patrick Wilson) zusammen mit Laurie Jupiter / Silk Spectre II (Malin Akerman) von einer Gruppe "Schläger" angegriffen werden, dann ist es für mich nicht nachvollziehbar, warum die am ehesten friedfertigen Charaktere sich nicht mit einem K.O. zufrieden geben. Stattdessen gehen Knochen zu Bruch, wovon einem Teil wohl eine gewisse Lebensnotwendigkeit zugesprochen werden kann.
Der Vorspann ist eine randvolle Fundgrube für Vorlagenkenner. Ich bin immer noch beeindruckt, wie durch diesen die (in den Details eben nicht zwingend benötigte) Vorgeschichte der Watchmen erzählt wird. Im weiteren Verlauf des Film werden zusätzliche Informationen aus der Historie preisgegeben.
Es ist schön zu sehen, dass "Watchmen" seinen Charakteren die nötige Zeit zur Entfaltung zukommen lässt. Besondere Glanzstücke sind für mich der Comedian, sowie Dr. Jon Osterman / Dr. Manhattan (Billy Crudup). Dafür, dass letzterer im Film nackt auftreten "darf", sei dem Produktionsteam um Regisseur Zack Snyder gedankt, welches sich gegen die Bedenken von WarnerBrothers durchsetzen konnten. Dem atomaren Dr. Manhattan geht die Wertigkeit des Menschen verloren - warum sollte er dabei eine Unterhose tragen? Etwas kurz geraten ist die Hintergrundgeschichte zu Publikumsliebling Walter Kovacs / Rorschach (Jackie Earle Haley). Da dieser aber immer wieder merklich die Szenerie belebt ist dies in meinen Augen als gerecht anzusehen, da er sonst den Film zu unnatürlich großen Teilen allein tragen würde.
Trotz einer Vielzahl von Rückblenden wird die Haupthandlung nie aus den Augen verloren und zielstrebig fortgeführt. In dem Zusammenhang ist es eine besondere Leistung des Films die Handlungen und Motive von Adrian Veidt / Ozymandias (Matthew Goode) schon sehr zeitig zu beleuchten.
Im Gegensatz zur Vorlage wählt Watchmen ein anderes Ende, auch wenn sich inhaltlich nichts ändert. Es sei hier kurz das Ende im Comic widergegeben: Ein nach New York teleportiertes Monster löst eine Explosion aus, bei der drei Millionen Menschen sterben. Die vermeintliche Bedrohung der gesamten Erde sind daher Außerirdische. Der Film wählt eine andere Gefahr, die sich aus meiner Sicht sowohl besser in die Handlung integrieren lässt, als auch eine greifbarere Bedrohung, im Vergleich zu einem plötzlich auftauchenden Alien, darstellt. Zusätzlich kann auf dem Heimweg vom Kino über Gottesfurcht diskutiert werden.

Zusammenfassung: Bei "Watchmen" handelt es sich um eine würdige Verfilmung der Vorlage Alan Moore´s mit vielen eigenen Ideen der (visuellen) Umsetzung, inklusive dem Ende. Schwachpunkt des Films sind in meiner Betrachtung die "unnötigen" Gewaltszenen. Dem entgegen stehen die Ausarbeitungen der Charaktere und die einwandfreie Umsetzung der Geschichte. 9/10

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