Review

Watchmen - Die Wächter (2009)


Story:
Die Story des Films ist nahezu eins zu eins aus dem Comic übernommen, ist jedoch auch ohne Vorkenntnisse gut zu verstehen, da direkt im Vorspann auf eine sehr kunstvolle Art und Weise die Vorgeschichte erläutert wird. Der Mainplot findet in einem alternativen Jahr 1985 statt. Die USA haben den Vietnamkrieg siegreich beendet und ein "skandalfreier" Präsident hält sich erfolgreich im Amt. Der Kalte Krieg jedoch steht kurz vor der Eskalation, die Welt vor einem Nuklearen Holocaust. Die Watchmen kommen ins Spiel als einer von ihnen, der Comedian, ermordet wird und Rorschach eine Bedrohung für alle noch existierenden Watchmen befürchtet...
Watchmen baut seinen Spannungsbogen sehr bedacht auf. Zunächst werden die Maskierten der Reihe nach vorgetellt. Dies geschieht sowohl durch ihr Handeln in der 1985er-Gegenwart als auch durch regelmäßig eingestreute Flashbacks aus der 'glorreichen' Vergangenheit. Die Verschwörung hinter der Ermordung des Comedian ist äußerst komplex und wird nur langsam aufgeklärt. Man wird als Zuschauer glücklicherweise nie in eine Sackgasse geführt, die Handlung ist stets nachvollziehbar so komplex sie auch sein mag. Die unterschiedlichsten Motivationen der einzelnen Maskierten stehen dabei eindeutig im Vordergrund der Handlung. Diese dem Zuschauer zu erläutern bleibt zu jedem Zeitpunkt oberste Priorität des Films. 24/25

Genre: Watchmen ist ein Meilenstein im Bereich der Comicverfilmungen. Der Film vereint komplexe Charaktere mit einer Bilgewalt wie man sie höchstens in Sin City oder halt in Snyders 300 gesehen hat. Wenn man jetzt noch die komplexe Philosophie hinter dem ganzen betrachtet ("Was darf ein Superheld? Was erwartet die Gesellschaft von ihm? Wie geht er mit seiner ihm auferlegten Verantwortung und seiner Macht um?"), dann kann man nur noch sagen: "Beste Comicverfilmung bis jetzt!" Denn genauso wie die Watchmen im Verlauf des Films mit ihrer Vergangenheit abrechnen, sich ihren Ängsten, Aufgaben und Verantwortungen stellen, kann sich auch der geneigte Zuschauer mit der Superheldenpsychologie auseinandersetzen. Wenn man von dem Film Popcorn-Action-Kino erwartet dürfte man ziemlich enttäuscht werden, denn die gebotene Action ist genauso genial wie rar. Die tatsächlichen Actionsequenzen kann man an zwei Händen abzählen. Das gebotene Spektakel ist dann jedoch auch vom Feinsten. Bezüglich der Action stellte ich mir beim Betrachten des Films dann auch zwangsläufig die Frage: "Wie um alles in der Welt konnte dieser Film eine FSK 16 Freigabe erhalten?" Denn der Splatterfaktor der hier regelmäßig erreicht wird ist definitv nicht jedermans Sache und auch nur bedingt für Minderjährige geeignet, was soll denn bitte noch alles im 30 Minuten längeren Director's Cut passieren, geht es noch deutlich blutiger oder härter zur Sache? Ich bin mal gespannt! 23/25

Acting: Die Schauspieler sind allesamt erstklassig für ihre Rollen besetzt. Besonders Jeffrey Dean Morgan (Comedian) und Jackie Earle Haley (Rorschach) können überzeugen. Der restliche Cast fällt im direkten Vergleich zu den beiden zwar etwas ab ist aber immernoch auf einem guten Niveau. Und dass das Malin Akerman als gelerntes Model in vielen Szenen einfach nur gut aussehen muss dürfte zumindest die männlichen Zuschauer auch nicht großartig stören. Denn wenn  sie spielen muss, dann tut sie es auch überzeugend und mit ganzem Körpereinsatz... 17/20

Set: Beeindruckend was hier alles geboten wird. Sowohl die Kulissen, Maske aber auch die Kostüme sind perfekt in die jeweilige Zeitepoche einzuordnen in welcher der Film gerade spielt. Und das ist nicht nur auf die Helden selbst bezogen, die gesamte Bandbreite ist sehr groß und überzeugt voll und ganz! Lediglich für die ein oder andere CGI-Animation ziehe ich einen Punkt ab. Die sind zwar ansonsten technisch einwandfrei, aber irgendwie haben sie mich in diesem speziellen Fall dennoch etwas gestört, da sie das eigentlich gute Acting deutlich abwerten. (Und es liegt nicht am Nackheitsgrad! Denn der ist, unter anderem, wichtig um die Entwicklung des Charakters zu verdeutlichen!!!) 9/10

Cut: Kamera und Schnitt können genauso überzeugen, es gibt eigentlich nichts zu meckern. Im ganzen Film habe ich nur einen Schnitt entdeckt den ich als nicht gelungen betrachten würde. Das sah einfach danach aus als ob dort im Vergleich zum Directors Cut etwas gekürzt wurde. Ansonsten harmoniert hier alles nahezu perfekt. Auch mit dem... 10/10

Sound: Schon beim Vorspann wird man vom Soundtrack an die Hand genommen und begeistert in den Film eingeführt. Die Qualität des Soundtracks steht meiner Meinung nach kaum zur Diskussion. Insbesondere die 80er sind meiner Meinung nach wunderbar musikalisch eingefangen. Dramaqueen, so könnte man Snyder für seine Auswahl des Scores beschreiben. Und das ist definitiv nicht abwertend gemeint. Die restliche Soundkulisse hält hier fast immer mit, lediglich die deutsche Synchronstimme von Rorschach klang mir zeitweise zu sehr nach gezwungenem Off-Erzähler. Das mag zwar zum Charakter und seiner stilistischen Funktion im Film passen, war aber etwas zu dick aufgesetzt. Dennoch, denn das ist Meckern auf hohem Niveau, gebe ich auch für den Sound die volle Punktzahl. 10/10

Fazit: Somit ergibt sich eine bombastische Wertung von 93/100 und der Film zieht ein in meine persönliche Top5... und jeder der sich gerne mit guten Comicverfilmungen auseinandersetzt ist hiermit aufgefordert sich den Film anzugucken!!! Dennoch kann ich verstehen, dass der Film auch extrem negativ aufgenommen werden kann. Denn hier schwingt sich kein steriler Tobey Maguire an Spinnenweben durch die Lüfte, fightet kein noch so cooler Hugh Jackman mit Mutanten um die Wette und es ist auch kein fantastisches Quartett am Werk, hier sind echte Menschen mit echten Problemen in einer realen Welt unterwegs, welche schon fast eine Parodie auf so manchen Superhelden abgeben. Und wer sich grundsätzlich nicht mit der Comichelden-Philosophie auseinandersetzen will oder einfach nur den Kopf ausschalten will und sich, wie zum Beispiel in 300, einer Flut an Bildern ergeben will und Action pur erwartet, der wird nach 160 Minuten den Kinosaal verlassen und sich fragen: "Was war denn das bitte für ein Schmarrn?! Das war ja gar keine echte Comicverfilmung!?" und dem kann ich nur erwidern: "Das war Comic in Reinkultur!!!"   93%

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