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Mit "Watchmen" erreichte uns ein nach einer hierzulande recht unbekannten Comicvorlage oder besser Graphic Novel entstandener Mix aus Action, Fantasy, Krimi (nicht Thriller...) und einer Prise Humor.
Mit unverholenem Zynismus wird sich hier in einer utopischen Welt des Jahres 1985 ausgetobt.

Präsident Nixon wurde zum dritten Mal als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt, die USA haben den Vietnamkrieg gewonnen und in offiziellem Auftrag werden als Superhelden getarnte Menschen dafür abgelichtet, der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Erst als sie als ganz normale Mitbürger mit eben den gleichen Macken und Sorgen entlarvt werden, wie sie bei menschlichen Wesen ab und an einmal vorkommen (gewalttätig, irre, übereifrig, unberechnebar etc.) wird ein Gesetz erlassen, welches eine weitere Rettungstätigkeit untersagt.
Und so landen die ehemaligen Helden in ihrem Alltag - ohne den zuvor erworbenen Respekt oder Ruhm sondern als ganz normale Arbeitnehmer bzw. -geber.
Als einer von eben diesen Männern ermordet wird, geraten die ehemaligen Partner und Partnerinnen ins Rätselraten, wer sich hier warum dem Ableben der ehemaligen Helden angenommen hat und geraten einer gigantischen Weltverschwörung auf die Spur.

Zack Snyder hat nach dem erfrischenden "Dawn of the Dead" und dem weithin überschätzten Schlachtfest "300" mit "Watchmen" einen Jahrzehntfilm geschaffen, der endlich wieder einmal beweist, wofür das Kino früher berühmt war.
Ein bis ins kleinste Detail durchgestylter Genremix mit hohem Unterhaltungswert, enormen Schauwerten, sympathischen und unsympathischen Protagonisten und das alles in unterhaltsame 160 Minuten gepackt und sogar mit einer Botschaft ausgestattet!
Am ehesten ließe sich "Watchmen" in meinen Augen mit "Sin City" vergleichen, nimmt man eine Prise "Dick Tracy" dazu und bettet das ganze in die Komplexität und die Atmosphäre eines "L.A. Confidential", so bekommt man das vorliegende Stück Film.

Über weite Teile werden Dialoge als Informationsquelle und Stimmungsmacher eingesetzt, um ab und an durch gewaltige und überraschend konsequente Actioneinlagen und Gewaltschübe aufgelockert zu werden.
Jeder der recht vielen Charaktere bekommt ausreichend Screentime und Entwicklungszeit zu Verfügung gestellt, um seine Person dem Zuschauer plausibel mitzuteilen.
Dabei bekommt mir die Figur des Dr. Manhattan allerdings etwas zuviel Aufmerksamkeit, ist er doch der einzige Charakter, welcher keine nennenswerte Entwicklung durchmacht und ab und an mit seiner äußerst lahmen Einstellung nervt.

Klarer Sympathieträger ist dabei die Figur des Rohrschach - führt er doch als Erzähler in Tagebuchform durch die Handlung und ist auch sonst ein steinharter und in jeder Situation minimalistischer und konsequenter Charakter in einem Comicfilm.
Auch der zweifelnde Night Owl und die Lack-Amazone Silk Spectre heben sich sowohl von ihrem Äußeren als auch von ihrer klischeebeladenen Comic-Helfer-Attitüde erfrischend ab.

Überhaupt wird in "Watchmen" die Welt einmal nicht aus der Sicht der Menschen, welche einen heroischen Blick auf ihre Super-Vorbilder haben, beschrieben sondern hier nehmen die Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte der Helden Gestalt an. Und da diese nun mal keine übersinnlichen Kräfte haben (außer dem allzeit über den Dingen schwebenden Dr. Manhattan) erleben sie die Welt um sich herum als düstere und gewalttätige Umgebung, in der auch Enttäuschung und Einsamkeit ihren Platz haben. Dieser Aspekt macht "Watchmen" meiner Meinung nach zu der realistischsten Comic-Adaption aller Zeiten.
Denn bei all dem Nihilismus und Zynismus (und davon wird wirklich ein Menge geboten) gibt es wirklich für jeden Zuschauer etwas, das ihn ansprechen wird. Hier geht es um Menschen in Kostümen und trotzdem bekommen wir all das, was wir von einem Comic erwarten!

Fazit: "Spiderman" und "The Dark Knight" haben es vorgemacht und "Watchmen" perfektioniert es: Eine Comic-Verfilmung mit jeder Menge Action, Stimmigkeit und Effekten, die jedoch auch den "Helden" und ihren Problemen einen sehr großen Raum einräumt. Wer das Prinzip von "Sin City" mochte und auch einer sehr guten Story in einem bunten Kinoabenteuer mit Tiefgang nicht abgeneigt ist, der findet mit "Watchmen" sicher eine Erfüllung seiner Erwartungen - 1a Kinospektakel mit Sinn fürs Detail!  

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