Review

Ein Superheldenfilm - na toll! Mal was ganz neues.

Ehrlich gesagt kann ich es nicht mehr sehen. Jeder, aber wirklich jeder Superheld wird in sein buntes Kostümchen gesteckt und vor die Kamera gezerrt, selbst so lächerliche Figuren wie Thor, Wonder Woman oder Grüne Laterne kriegen ihren Blockbuster - und die Leute gehen auch noch scharenweise rein, so dass die Filmbosse glauben Oho, Superhelden-Filme sind total beliebt, da müssen wir noch mehr von machen! Also können wir sicher sein, in den nächsten Jahren weiterhin mit Comic-Verfilmungen genervt zu werden, schließlich gibts ja noch Elastoman, Phantom Lady und Oskar die Supermaus. Und und und...

 

Dann kam Watchmen.

 

Was soll ich sagen - neben Sin City und 300 einer der besten Comic-Verfilmungen überhaupt. Doch wo erstere durch ihren Stil und die ausgefallene Präsentation glänzten, wirkt Watchmen durch seine total abgedrehte, geniale Story. Und natürlich durch die Superhelden - die eigentlich gar keine sind...

 

Ohne zuviel zu verraten: wie die Helden in Watchmen portraitiert werden ist schlichtweg brillant. Ebenso die visuelle Darstellung, die zwischen unfreiwillig komisch und absichtlich abgekupfert schwankt, dabei nicht selten die Grenzen der Karikatur austestet und manchmal sogar überschreitet. Die Super-Fähigkeiten halten sich dafür angenehm zurück - natürlich. Vom Großen Schlumpf mal abgesehen, aber dazu später. Dazu genug futuristische Gadgets, um den visuell Fixierten etwas zu bieten, genug knappe Latex-Suits, um den sexuell Fixierten zu befriedigen und genug ansehnliche Spezial-Effekte für das dicke Ende...ääh...große Finale, wollte ich sagen.

 

Was Watchmen jedoch absolut faszinierend macht - neben den tollen Figuren und deren perfekten Charakterzeichnungen - ist die Welt, in der das alles spielt. Und die Zeit. Denn der Film macht zunächst einen kleinen Ausflug zurück in die Vergangenheit, lässt die Superhelden auftauchen und beginnt von da an eine neue, parallele Zeitlinie. Eine Zeitlinie, in der einige Dinge anders waren, als wir uns erinnern, in der Vietnam etwas anders verläuft, der kalte Krieg nie beigelegt und Nixon zum dritten mal Präsident wird.

 

Watchmen ist alles andere als seichte Unterhaltung oder leichte Kost. Für FSK16 bekommt man ungewohnt brutale Kämpfe, nette Sexszenen und auch den ein oder anderen abgesägten Arm zu sehen. Auch mit Moralvorstellungen wird viel gespielt - es kommt halt immer auf den Standpunkt des Betrachters an. Letzten Endes geht es um den Fortbestand der Menschheit - und die Opfer, die man dafür zu bringen bereit ist. Gut und Böse, lieb und fies - so einfach lässt sich niemand der Figuren mit einem Etikett versehen. Und gerade das macht sie nachvollziehbar.

 

Noch ein großer Pluspunkt - der Film gibt Erklärungen. Nicht falsch verstehen, ich schaue schon gerne Filme, bei denen man auch seinen Grips benutzen muss. Aber ich hasse Filme, in denen man 2 Stunden lang die wildesten Plots und Wendungen vorgesetzt bekommt, ohne am Ende die geringste Ahnung zu haben, was das alles soll. Watchmen dagegen gibt dem Zuschauer durch Rückblenden, Erzählungen und alte Fotos genug Hinweise an die Hand, um die komplexe Story auch nachzuvollziehen. Dankeschön.

 

Was mich nicht so ganz überzeugte, war die Musikauswahl. Aber das mag daran liegen, dass ich Nena nun mal nicht ausstehen kann. Aber da kann man mit leben. Der Große Schlumpf allerdings... Es ist halt komisch, wenn die ganze Zeit ein großer nackter blauer Mann durch die Gegend läuft. Vor allem, wenn man die ganze Zeit auf sein großes blaues Gemächt starren muss. Ich kanns mir nicht erklären, man schaut automatisch dahin. Hey, das sagt jetzt absolut nichts über mich aus, ja? Meine Frau hat auch dauernd dahin schauen müssen. Wie, das ist nicht dasselbe? Und Schatz, was willst du mit dem Farbtopf und dem Pinsel...?

 

Fazit: Watchmen ist ein brillanter Superheldenfilm, weil er eigentlich gar keiner ist. Kurzweilig, tiefgründig und unterhaltsam, dabei ungewohnt direkt und bei Leibe nicht zimperlich - eine Comic-Verfilmung für Erwachsene. Absolut sehenswert.

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