"Adrian ist Pazifist. Sogar Vegetarier verdammt nochmal! Er hat noch nie jemanden umgebracht!"
- "Hitler war auch Vegetarier. Du bist zimperlich!"
Willkommen im Paradoxon des ansonsten heroischen Superhelden-Universums. Zack Snyder, jener Regisseur, welcher schon mit "300" eine optisch beeindruckende Graphic-Novel auf die Leinwand zauberte, vermochte schon von Grund auf die Botschaft von Alan Moores Graphic-Novel zu interpretieren.
"Watchmen" ist kein knallbunter Blockbuster à la "Spider-Man", aber auch nicht wirklich eine düstere Superheldengeschichte, die mit der Psyche des Protagonisten arbeitet - wie in "Batman Begins".
Der Film zeigt quasi Superhelden im Ruhestand, welche nie wirklich Helden in dem Sinne waren. Sie waren maskierte Personen, die nur durch ihre Maske zu Antlitz gelangen, ohne sie jedoch genauso unbedeutend wie jeder andere war. Das beste Beispiel hierfür ist Rorschach, ein unglaublich gut ausgearbeiteter Charakter, der zu jeder Sekunde zu überzeugen weiß, man aber nie wirklich hinter sein wahres Ich gelangen wird. Das zeugt schon von Anfang an von einer guten Arbeit seitens der Autoren.
Fernab jeden Klischees, vermeiden sie nicht nur repetitive Dialoge, auch gelingt es ihnen, die handelsüblichen Tätigkeiten ironisch aufzubrechen, nur um sich selbst dann zur gleichen Zeit parodistisch gegenüber zu stehen.
Der Film beginnt düster, er endet düster. Anfangs präsentiert Snyder recht intensiv und aufwendig die jeweiligen Protagonisten, charakterisiert sie anhand kleiner Geschichte, welche sich so in der Vergangenheit abgespielt hatten; nur mit dem zynischen Hintergrund, die Sequenzen im großen Showdown miteinander zu verknüpfen. Das ist sicherlich keine neue Idee, aber neu aufgearbeitet.
Der Film nutzt den historischen Hintergrund des Kalten Krieges innerhalb der USA, um sich gekonnt die Gesellschaft vorzuknöpfen. Im Grunde zeigt der Film eindeutig den wahren amerikanischen Traum (wie es Filmcharakter "Der Comedian" auch erwähnte). Die Welt versinkt in Hass, in Vergeltung, Unmoral - Ethik, ein Fremdwort. Niemand ist das Gesetz, jeder ist das Gesetz. Es gibt kein Gut und Böse. Es geht um die metaphorische Vernichtung innerhalb einer zerrissenen Gesellschaft. Niemand kümmert sich um niemanden. Diesen Hintergrund nutz Snyder gekonnt, um die komplexe Story von Alan Moore unterhaltsam zu übermitteln.
Die Superhelden sind zerstreut, sind mehr Feind als Freund. Da gibt es den anscheinend klügsten Kopf der Welt. Adrian. Er plant, die Menschheit vor sich selbst zu retten, in dem er ein großes Opfer bringt, an denen ein Großteil der Menschheit dran glauben muss. Esoterisch? Nur bedingt! Die Darstellung der immensen Menschenrettung verdeutlicht recht monoton die Hoffnung an eine größere Macht. Im Film dargestellt des verunglückten Physikers - Dr. Manhattan. Doch auch ein Übermensch macht Fehler, auch ein Übermensch ist nicht allwissend.
Snyder zeigt die Fehler der Menschen auf, veranschaulicht, dass auch Superhelden Fehler machen.
Im Grunde sind es keine Superhelden, sie haben keine übernatürliche Kräfte. Die wahre Macht ist die Maske. Die Maske macht sie zur Symbolik. Zur Symbolik der Hoffnung. Doch diese Hoffnung ist Vergangenheit. Die Symbolik wurde zum Feind, zum Hass.
Wer die Comics gelesen hat, wird den Film mit Sicherheit mögen, da dieser sich sehr geradlinig an jenem orientiert. Das der Film jedoch kein utopisches Meisterwerk wurde, liegt an der recht eigenwilligen Stilart. Snyders Regie mag zwar relativ solide rüberkommen, jedoch ist der heimliche Feind die innovative Optik. Besser als in "Sin City" getroffen, spielt sie hier eine wichtige Rolle. Die Rolle der Atmosphäre, der Verstörung, der Übermittlung.
Ein Kritikpunkt wäre noch, dass bei einer Laufzeit von 148 Minuten, einer riesigen Anzahl von tiefgründigen Charakteren sowie der sehr komplexen Story mit sehr vielen Nebenhandlungen man relativ schnell den Überblick verlieren kann, sofern man sich nicht wirklich 100% auf den Film konzentriert.
Zack Snyder ist Geheimtipp, das weiß man nicht erst seit seinem "Dawn of the Dead"-Remake. "Watchmen" ist der Superheldenfilm, der das wahre Gesicht jener heroischen "Übermenschen" präsentiert. Spannend, atmosphärisch dicht und wieder mal mit einer sehr plakativen Optik, die schnell zu fesseln vermag.
Es ist sicherlich eine Zweitsichtung nötig, da man beim ersten Mal sicher nicht jedes noch so kleine Merkmal erkennen mag, welche schlußfolgernd dann doch die wahre Botschaft des Films übermitteln -
""Adrian ist Pazifist. Sogar Vegetarier verdammt nochmal! Er hat noch nie jemanden umgebracht!"
Who watches the Wachtmen?