He did it again! Zack Snyder beweist eindrucksvoll, dass er die Comics, die er scheinbar so liebt und daher auch gerne verfilmt, einfach nicht versteht. So war es schon bei dem zum Riefenstahl-Gedächtnis-Film verkommenen 300, so sollte es Jahre später beim missinterpretierten MAN OF STEEL werden und am schlimmsten hat es leider WATCHMEN - DIE WÄCHTER getroffen. Jene Graphic Novel, der vielleicht die heiligste aller Kühe im Comicuniversum darstellt.
War bereits die Kinofassung völlig missraten, so entpuppt sich beim Director's Cut und schliesslich auch beim Ultimate Cut das ganze Dilemma dieser gescheiterten Comicverfilmung. Denn Zack Snyder filmt lediglich ein Panel nach dem nächsten ab, ohne dabei wirklich zu wissen, was er da gerade vom Medium Comic ins Medium Film bringt. Zusammenhänge zwischen den Panels, warum diese so strukturiert sind, wie sie es im Comic sind, verlieren in der Filmfassung völlig an Bedeutung. Stattdessen kommt eine absolut holprige, springende Geschichte dabei raus, weil Snyder versucht filmisch einen Comic zu imitieren, statt ihn zu verstehen, zu interpretieren und ins Medium Film zu übertragen.
Aber dieses sklavische Abfilmen aufgrund Snyders Ehrfurcht vor dem Comic und seiner Unfähigkeit etwas eigenes aus diesem entstehen zu lassen, ist nicht einmal das einzige Misslungene an der Verfilmung. So werden zwar hauptsächlich die Panels zwar abgefilmt, jedoch optisch eine ganz andere Atmosphäre rübergebracht als in der Graphic Novel. Spielt diese noch in einer düsteren, trostlosen Welt und bewegt sich dort Rorschach durch eine dreckige, versiffte, rohe Stadt, so ist in der Verfilmung nicht viel davon übrig geblieben. Stattdessen herrscht die typische Snyder-Hochglanzporno-Optik (inklusive expliziter Gewaltdarstellung ohne Funktion, als reiner Selbstzweck gefilmt), die es dann auch selbstverständlich nicht schafft die Zeit, in der die Geschichte spielt, authentisch rüberzubringen. Von 80er-Jahre-Feeling, von Kalter-Kriegs-Atmosphäre ist hier nichts zu spüren. Alleine die Superheldenkostüme wirken, als wäre sie vom Set der kunterbunten Joel-Schumacher-Batmans entwendet worden. Ganz zu Schweigen von den kläglichen Versuchen, durch einen willkürlich scheinenden Oldies-Mix, ein wenig Retro-Stimmung aufkommen zu lassen (der Vorspann mal ausgenommen).Da verwundert es auch nicht, dass es bei der Figurenzeichnung genau so kläglich weitergeht wie bei der Optik und Atmosphäre. Dr. Manhattan verkommt zum blauen Eyecatcher, bei dem anscheinend mehr Zeit in die CGI gesteckt wurde, als in seinen Charakter. Ebenso wie Silk Spectre II und Nite Owl II, die wie hohle Figuren daherkommen, ohne einen Grund, warum man sich überhaupt für sie interessieren sollte, was dann in eine der wohl peinlichsten und dämmlichsten Sexszenen aller Zeiten mündet. Auch der an sich ambivalente Comedian, wird hier weitaus eindimensionaler dargestellt, als noch in der Comicvorlage. Doch weitaus schlimmer kommt Rorschach daher. Bei der "Hauptfigur" lässt es sich Zack Snyder (und seine Drehbuchschreiber) dann tatsächlich nicht nehmen ein paar Dinge aus dem Comic zu ändern bzw. wegzulassen.
So wird ein stinkender, ungepflegter Rorschach, der durch seine soziopathischen Züge und seine überbordene Selbstjustiz nicht ansatzweise als Identifikationsfigur dient, in der Verfilmung so glatt gebügelt, dass er für den Zuschauer auf einmal greifbar(er) wird. Wo er in der Novel durch seine Skrupellosigkeit und Schwarz-Weiss-Sicht auf die Welt, Unschuldigen die Knochen bricht, teils nur um an die Information zu kommen, ob die betreffende Person etwas Nützliches für seine Ermittlungen weiß oder nicht und in seinem Selbstjustizwahn vermeintliche Verbrecher aufgrund von Indizien kaltblütig ermodert, so ist davon in der Verfilmung entweder gar nichts zu sehen, oder dem vermeintlichen Verbrecher wird ein Geständnis in den Mund geschrieben, damit die Taten Rorschachs gerechtfertigt(er) erscheinen.All diese kleinen und großen Dinge bei der Figurenzeichnung, bei der Optik, der Atmosphäre und der Narration der Geschichte führen dazu, dass "Watchmen" keine gelungene Comicverfilmung, sondern eher die schlechteste Comicverfilmung überhaupt darstellt. Sicher sind CATWOMAN, DAREDEVIL und einige weitere Konsorten für sich genommen auch jenseits von Gut und Böse. Aber noch nie hatte ich bei einer Verfilmung eines Comics/Graphic Novel so sehr das Gefühl, dass die Macher sich kaum mit dem eigentlichen Inhalt der Vorlage und dessen Übertragung vom Medium Comic ins Medium Film gemacht haben. Warum auch? Comic für den Mainstream optisch wie inhaltlich glatt bügeln, Panels abfilmten und dafür abgefeiert werden (weil allein der Inhalt des Comics kongenial), geht ja auch, wie es leider den Anschein macht.