Review

Besonders im Bereich „Rape and Revenge“ werden rasch die Zensoren auf den Plan gerufen, denn Filme wie „Ich spuck auf dein Grab“ sind seit ewigen Zeiten beschlagnahmt und auch bei diesem südamerikanischen Pendant fehlen in der deutschen Fassung etliche Szenen, um genau zu sein: 15 (!) Minuten wurden herausgeschnitten.
Prinzipiell ist ja nichts dagegen einzuwenden, wenn Gewalt verherrlichende Szenen entfernt werden, doch wenn gleich die komplette Vergewaltigung fehlt und noch nicht einmal Andeutungen vorhanden sind, - so fehlt dem Zuschauer auch die Basis zum Mitfiebern, denn aus Wut über die Tat folgt schließlich die emotionale Genugtuung.

Storytechnisch bildet der Streifen ein Bindeglied zwischen dem oben erwähnten Streifen und Cravens „Last House on the Left“.
Carol, Moira, Leonor und Yasmine befinden sich auf einer Strecke in der argentinischen Pampa, als sie am Wegesrand ein schwer verletztes Mädchen aufgabeln. Während sie die Verletzte ins Auto schaffen, fallen Schüsse, doch ihnen gelingt die Flucht bis zum nächsten Polizeirevier. Danach sind die Jäger jedoch hinter ihnen her…

Die blasse Farbgebung mit ihren wenigen Kontrasten erinnert von vornherein an die frühen Exploitation Filme und auch die Kamera, die von Beginn an auf Nahaufnahmen der Gesichter setzt, ist angelehnt an die Spelunkenstreifen der Siebziger.
Leider schafft man es während der Exposition kaum, den vier späteren Opfern ein ordentliches Charakterprofil zu verleihen, ohnehin sind die Dialoge auch während der Vorlaufzeit recht spärlich ausgefallen. Was lediglich auffällt, ist die Erwähnung einer Jagdtheorie, die während des Rachefeldzugs konsequenterweise, aber eben auch nicht überraschend, zum Einsatz kommen wird.

Überraschend ist dann eher die Konsequenz, mit der man den brutalen Missbrauch durch die Männer in Szene setzt, ohne dabei die Gewalt vordergründig zu zelebrieren.
(Folgendes ist orientiert an der spanischsprachigen Originalfassung). Denn im Vordergrund stehen die Opfer und somit wird auch die Hilflosigkeit der Mädchen zur Wut des Betrachters, dem beim Ausdrücken einer Zigarette auf der nackten Brust schon mal ein Kloß im Hals stecken bleibt. Die Konzentration liegt dabei jedoch auf den Gesichtern der Opfer, nicht auf den konkreten Handlungen der Männer. Dieses hilflose Gefühl wird primär dadurch verstärkt, indem man in diesem Zeitraum stark auf die Umgebung als Fluchtpunkt setzt, mitten im Wald, einige Vögel zwitschern und der Blick in die endlos hohen Bäume vermittelt diese Gedankenflucht nur allzu deutlich.
Auch auf Audioebene wirkt alles wie ein Alptraum, manche Geräusche erscheinen weit weg, andere hallen förmlich nach, wie das Auspeitschen mit einem Ast oder der von Erbrochenem erdrückte Schrei eines Mädchens.

In der deutschen Fassung bleibt von alledem nichts, die Handlung setzt an der Stelle wieder ein, als sich die nackten Opfer anziehen und danach orientierungslos durch den Wald laufen.
Die erschlagende Situation der Geschändeten ist somit am Betrachter vorbeigegangen, der sich anschließend wundert, warum die Frauen so vehement versuchen, ihre Peiniger zur Strecke zu bringen, was der Zensur diesbezüglich nicht ganz so stark zum Opfer fiel.

Was die Handlung noch ein wenig schonungsloser gestaltet, sind lange Einstellungen, die fast wie Realtime anmuten. Wenn da jemand in einem frisch ausgebuddelten Loch eingegraben wird, mag das auf den ersten Blick langatmig erscheinen, verstärkt jedoch die Situation des Handelnden und somit die Authentizität.
Auch wenn die Darsteller auf kompletter Ebene eher auf Anfängerniveau anzusiedeln sind, so mühen sich doch alle um Glaubwürdigkeit und sind mit Herzblut bei der Sache.

Im Endeffekt scheitert die Geschichte ein wenig an den austauschbaren Charakteren.
Die Figuren wirken zu formelhaft und teilweise auch zu distanziert, als dass ein Mitfiebern auf hohem Niveau möglich wäre, obgleich man den Betrachter auf emotionaler Weise durchaus anspricht.
Denn handwerklich gibt es kaum etwas anzukreiden, die Gefühlswelt der Hauptfiguren wird in audio-visuell adäquate Bilder und Sounds verpackt, ohne dabei zum reinen Voyeurismus für Sadisten zu verkommen.
Insofern eine leicht verpasste Chance, aus dem simpel gestrickten Grundmuster eine mitreißende Geschichte zu entfalten.
Denn an dem sichtlich niedrigen Budget krankt die Inszenierung gewiss nicht, eher an den deutschen Zensoren, die die einfache Geschichte als solche wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen haben…
Knapp
7 von 10

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