Der zweite Bond-Film gilt zu Recht als einer der besten der ganzen Serie - allenfalls "Goldfinger" und "Im Geheimdienst ihrer Majestät" können ihm vielleicht das Wasser reichen, doch das ist auch vom persönlichen Geschmack abhängig. Im Gegensatz zu späteren Produktionen kam FRWL mit einem erstaunlich geringen Budget und ohne übertriebene Materialschlachten aus, was den Reiz des Filmes ohne Frage noch zusätzlich erhöht.
Ernst Stavro Blofeld (hier noch namen- und gesichtslos) und seine Verbrecherorganisation "Spectre" wollen den britischen und den sowjetischen Geheimdienst gegeneinander ausspielen und sich nebenbei an Bond für die Eliminierung von Dr. No rächen. Als Lockvogel dient ihnen die russische Agentin Tatiana Romanova, die sich angeblich (und wenig später natürlich auch tatsächlich) in Bond verliebt hat und ihm eine streng geheime Chiffriermaschine zuspielen will. Schauplatz des Films ist hauptsächlich Istanbul, ehe sich Bond und Tatiana gegen Ende mit dem Orient Express auf die Flucht in Richtung Italien machen und sich an verschiedenen Stellen des Balkans der Verfolger zu Lande, zu Wasser und in der Luft erwehren müssen.
Bonds Verbündeter ist Pedro Armendariz als (vielleicht etwas zu orientalisch-patriarchalisch dargestellter) Ali Kerim Bey, während auf der Seite "Spectres" (im deutschen Film als "Phantom" bezeichnet) gleich mehrere hochkarätige Schurken gegen ihn antreten: der Schachgroßmeister Kronsteen als überheblich-intellektuelles Planungsgenie, die russische Überläuferin Rosa Klebb, der organisationseigene Ausbildungsleiter Morzeny (dessen Darsteller Walter Gotell im weiteren Verlauf der Bond-Reihe übrigens den umgekehrten Weg einschlug wie Klebb und vom "Spectre"-Halunken zum Sowjetgeneral Gogol mutierte) und dessen gelehrigster Schüler, der skrupellose Killer Donald Grant (eindrucksvoll verkörpert von Robert Shaw).
Besonders die letzte halbe Stunde des Filmes, in der Bond und Tatiana pausenlosen Attacken durch Grant, Morzeny, Klebb und zahlreiche Handlanger ausgesetzt sind, die wie die nachwachsenden Köpfe der Hydra nach jeder überstandenen Gefahr aufs Neue auftauchen, ist ein Musterbeispiel für gepflegte Spannung und Action, mit dem trotz (oder gerade wegen) mehrfach höherer Ausgaben und immer phantastischerer Bauten kaum ein späterer Bond-Film mithalten kann.