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Mit einem im Vergleich zum Vorgänger „Dr. No“ verdoppeltem Budget von 2 Millionen Dollar und dem bewährtem Gespann Young/Connery steigerte sich „From Russia with love“ zu einer der besten Bond-Abenteuer überhaupt. Den latenten B-Touch des Auftakts ablegend, hat der zweite Film so ziemlich alles zu bieten, was einen klassischen Spionagethriller ausmacht.

Der Plot spielt zirka ein halbes Jahr nach den Ereignissen des Erstlings und nimmt die Verbrecherorganisation „Phantom“ des Superbösewichts Blofeld auf. Der will an eine russischen Dechiffriermaschine gelangen, in dem er den KGB und den MI-6 gegeneinander ausspielt. Als „Opfer“ wird Bond auserkoren, damit gleichzeitig die Schmach um Dr. No gerächt werden kann.

Besonders in der Anfangsviertelstunde lassen sich viele prägende Momente entdecken, die später insbesondere für Komiker wie Michael Myers Ideengeber waren. Die in ihrer Darstellung schon fast parodierenden Trainingsmethoden der Verbrecherorganisation oder auch der eine weiße Katze in seinen armen haltende, Mitarbeiter verschleißende, Blofeld sind in ihrer Darstellung wegweisend für das Genre gewesen - so kitschig das heute auch wirken mag.

Bis James Bond auftaucht vergeht ungewöhnlich viel Zeit, denn zunächst wird sich völlig unorthodox (verglichen mit späteren Vertretern der Reihe) der gegnerischen Seite gewidmet. Hier sticht neben dem bösartigen Prototypen der Anti-Schwiegermutter Rosa Klebb (Lotte Lenya) ein arisch frisierter, dem britischen Geheimagenten ebenbürtiger, Robert Shaw („Jaws“, „Force 10 from Navarone“) als eiskalter „Red“ Grant hervor.

Ohne das sich das Skript in ausufernde Actionszenerien zu retten versucht, schaffen es die Autoren hier ein weitestgehend realistisches, überraschendes und abwechslungsreiches Abenteuer zu schaffen, dass nun auch viele der später so bekannten Bond-Kennzeichen enthält. Desmond Llewelyn stattet als Tüftler Q Bond mit den ersten technischen Spielereien aus, die hier noch realistisch ausfallen und ihn später auch nicht aus jeder unmöglichen Situation helfen. Sean Connery („The name of the rose“, „The Rock“) selbst ist lockerer geworden, hat auch mal den einen oder anderen Spruch anzubieten und verzichtet auch nicht auf den Hutwurf in Moneypennys Büro.

Betrachtet man den Vorgänger und die Fortsetzung der Reihe ist „From Russia with love“ bemerkenswert um Realismus bemüht. Anstatt auf Superwaffen und abgehobenen Oberbösewichten wird sich auf Authentizität konzentriert. Bond schleppt hier wesentlich weniger Frauen ab und wird auch später in Istanbul kein Überagent, der zu jedem Problem eine Lösung aus dem Hut zaubert. Ganz im Gegenteil, hier muss er noch um sein Leben kämpfen...

Terence Young, der auch beim folgenden „Thunderball“ wieder Regie führte, lässt in den Action betonten Szenen sein Talent aufblitzen. Die spektakuläre Action setzt er behutsam ein und konzentriert sich zumeist auf den spannenden Plot. Trotzdem ist Bonds Flucht vor einem bombenden Helikopter und sein Kampf im Zug mit Grant erstklassig fotografiertes Kino. Über die exotischen Kulissen, die auf dem üblichen hohem Niveau der Serie liegen, braucht man sowieso kein weiteres Wort verlieren – sie sind garantiert.

Einzig und allein der schauspielerische Totalausfall der russischen Agentin Tatiana Romanov trübt das Gesamtbild etwas. Wie üblich muss Bonds Love Interest nur gut aussehen. Darstellerin Daniela Bianchi hat schauspielerisch leider gar nichts drauf und trübt das Filmvergnügen mit ihren neugierigen, einfach unerfahrenen Auftritten deutlich. Ganz anders da der den Verbündeten Kerim Bey darstellende, voller Spielfreude steckende, Pedro Armendáriz (beging kurz nach Ende der Dreharbeiten Selbstmord).

Fazit:
Geschickt und spannend gestrickter Bond, der alle klassischen Elemente in sich vereint. Der mit vielen Wendungen versehene Plot, die tolle Inszenierung und die fast durchweg guten schauspielerischen Leistungen lassen „From Russia with love“ zu einem der besten Bonds aufsteigen. Die Action ist wohl dosiert, die Schauwerte erhöhen sich und diverse Motive der Serie finden hier ihren ersten Einsatz. Zeitloser Klassiker!

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