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Erster Belastungstest für James Bond als Franchiseunternehmen, zweiter Auftritt von Sean Connery nach dem erfolgreichen Start James Bond – 007 jagt Dr. No (1962), nun die Bewährungsprobe, das geplante Fortführen des Erfolges und die Steigerung hin zu einer Filmserie, das Drehteam dasselbe, die Leute insgesamt hinter der Produktion. Interesse beim Publikum und bei der Konkurrenz ist bereits geweckt worden, die Genrekollegen aktiv, der Markt bald überflutet mit weiteren Genossen, hier nun der Klassenprimus wieder am Auftreten, erneut im Spiel. Die Formel bereits angetastet, angetestet, noch nicht gänzlich ausgereift und in Eisen gehauen und nicht so vorhersehbar wie später geeicht, in kleineren Zügen mit Überraschungen noch vorhanden, die erste Einstellung bereits das Spiel mit Gefahren und Überraschungen. Eine Finte für den lauernden Zuschauer, ein Gang durch das dunkle Labyrinth, Schüsse in finsterer Nacht, Bond scheinbar als Spielball und vernachlässigenswert in seiner eigenen Geschichte, das Hantieren mit Suspense und Thrill. Eine Probe aufs Exempel, erst die Pflicht und dann die Kür:

Im Auftrag von Ernst Blofeld soll sich deren zweite Mitarbeiterin und ehemalige sowjetische Geheimdienstabteilungsleiterin Rosa Klebb [ Lotte Lenya ] um die Beseitigung vom britischen Agenten James Bond [ Sean Connery ] kümmern, zu deren Vollzug man nach einer Idee vom Strategen Kronsteen [ Vladek Sheybal ] die junge Tatiana Romanova [ Daniela Bianchi ], die Dechiffrier-Spezialistin des sowjetischen Konsulates als vermeintliche Überläuferin auf das Ziel ansetzt. Bond trifft sich in Istanbul mit dem MI6-Vertrauten Ali Kerim Bey [ Pedro Armendariz ] und beginnt eine Affäre mit Tatiana, immer unter den Augen der verschiedenen Geheimdienste und speziell im Visier des gedungenen Profikillers Red Grant [ Robert Shaw ].

Mit einer Maskerade noch bekleidet, der Tod eines Anderen mit dem Gesicht des Hauptdarstellers, ein Hereinlegen des Publikums trotz Bedienen des Genres, eine Reise in das Nirgendwo und das Überall, das Skript und seine Umsetzung wissend um die Manöver und die Marionettenhaltung, die Anforderungen an einen Welterfolg mit Nachhaltigkeit auch über die Jahrzehnte hinweg, zwar im Schatten des Nachfolgers und seiner Beliebtheit gehalten, aber aufschließend und nah dran an dessen Qualität, gespickt mit inkludierten Höhepunkten (wie der exakt herausgearbeiteten Zugszene über Zagreb nach Triest und ihrem Lauern auf Chancen) und weiteren einprägsamen Kapiteln und mehr. Venedig eröffnet (und beendet) die eigentliche Szenerie, ein träumerischer und prunkvoller Ort, später wieder benutzt und abermals verwendet, nur niemals in dieser visuellen Eleganz hier und der ausstatterischen Verschwendungssucht und -kunst. Ein Bedienen gleich mehrerer Faktoren und Einflüsse im Bild, der Hintergrund, der Vordergrund, die Informationen an der Seite und in der Mitte, die Blicke entscheidend, die brillante Darreichung, von der Pompösität in die verbale Gewalt und bald die in optische, erst in der Andeutung, dann in der Ausführung.

Eine Organisation im Film und hinter ihm, ein cleveres Geschäftsgebaren, Planungsleiter mit Sachverstand und Intelligenz, der Willen des Übertragens von einem populären Medium in ein anderes, das Machen und Schaffen einer beständigen Einheit mit regelmäßiger Produktion, sich immer mehr und weiter steigernd. Ein MacGuffin in der Handlungsführung, ein Verweis auf den direkten Vorgänger um Dr. No, eine Weiterführung und kein Misserfolg in der Exekution, Attraktivität in den Einstellungen und Aufwand in der Aktion. Ein rascher Fortgang mit schnellen Planungen und Ortswechseln, die Akten studiert, die Informationen eingewoben, eine händische Führung, die ersten Aussagen in den Dialogen und dann deren Beweis, vom Trainingslager zur Ausbildung hinein in die Erfahrung der Praxis, ohne Umweg und Scheu, mit bereits bestehenden Selbstbewusstsein und deren Ausdrucksmöglichkeiten. Hinein geht es in die nächste Metropole, an die Grenze zwischen Europa und Asien, Istanbul als Austragungsort der weiteren Ereignisse, "da spiegelt sich das Mondlicht im Bosporus", die architektonische Schönheit und landschaftliche Altehrwürdigkeit im Nebenher und trotzdem in der allgemeinen Aufmerksamkeit eingefangen, ein Sehnsuchtsort für die Reisenden hier auf die Leinwand eingebrannt.

Die Gegenseite betrachtet man dabei eingangs, die Plänen von PHANTOM (respektive SPECTRE), die der Bösen in der Geschichte, die Oberen und deren Handlanger, die Helfershelfer und die Mittelmänner und -frauen, ein Vermitteln falscher Informationen an den Feind, der Aufbau einer Falle und strikte Instruktionen, dazu die "angenehmen Aufgaben" des Kalten Krieges, der sich hier mit auf dem Höhepunkt befindet und ausgetragen wird in fast zwei Stunden Laufzeit; Bond alsbald als Protagonist mit Connery engagiert und an vorderster Front. Vertagt werden die realen Probleme und Zwistigkeiten("Sagen Sie dem Chef in anderthalb Stunden") auf später und anderswo, hier wird die fiktionale Premiumunterhaltung geschaffen, die Missionen ausgebreitet, Köder und Lockmittel verteilt, das Entsprechen von Erwartungen und das Spiel mit ihnen, die Unterstützung von bekannten, bald ständig präsenten Figuren um M, und Moneypenny und Q, das Aufpolstern einer längeren Tradition. "Ein hübsches Weihnachtsgeschenk" und dies bleibend für die ganze Jahreszeit, viel Glück gewünscht und nicht gebraucht angesichts der hier vorhandenen Sicherheiten.

Eine Konzentration auf eine Einheitlichkeit des Geschehens ist dabei anders als in vielen später folgenden Abenteuern vorhanden, das Schaffen einer festen Komponente statt dem fliegenden Wechsel hin und her, der Aufbau einer festen Gliederung, erst auf dem Balkan spielend und dennoch in der Beweglichkeit, der Auslandsdreh ausgiebig genutzt statt nur abgeklappert, die ersten Mitwissen und Bauernopfer der Geschichte dabei schon ausgeschaltet, eine Fokussierung auf Connery und dem gleich so formidablen Shaw, das darstellerische Spiel ebenso entscheidend und allezeit präsent genug. Beobachtet wird die Umgebung und der die Leute in ihr, mit scharfen Blick und dem Gespür für das Schaffen nicht nur einer Momentaufnahme, sondern einer unverwechselbaren cineastischen Funktion, einer anspruchsvollen Gelddruckmaschine hineinreichend bis weit in das Neue Jahrtausend und über die Grenzen der Leinwand hinweg in den allgemeinen Konsummarkt und gleichzeitig die Herzen der Menschen.

Ungebetene Gäste gibt es zum zweiten Drittel der Laufzeit, eine Haftmine am Gemäuer zerreißt das Gebäude, dazu reicht man weitschweifende Untergrundgänge und mysteriöse Hintertüren für das Spionagemilieu dar, die Russen und die Bulgaren und die Engländer und die Einheimischen tätig im Abschirmdienst tun alsbald ihre Operationen, es wird nachgeforscht und spioniert, dechiffriert und insistiert; später gängige Zutaten, hier noch in der Erkundung und von der stilsicheren, wenn auch insgesamt abweichenden textlichen Vorlage inspiriert. "Wie gefällt Sie Ihnen?" wird hier gefragt, der Entwurf eines Massenimperiums, ein Schritt nach dem anderen, ein Stein auf dem anderen, hier mit nassforscher Lässigkeit gehandhabt, leichtfüßig im Vorgang, mit Sehenswürdigkeiten im Zentrum und am Wegesrand, mit Gastfreundschaft und Exotik und Erotik, geschmackvoll angeboten. Der erste Aufruhr in einem traditionellen Lager vor der Toren der Stadt nach einer Dreiviertelstunde, das erste Actionintermezzo von kommenden, hier mit Verlusten in der Zivilbevölkerung, vom Flirt in den Vollzug, zwischen Mauerruinen auf freiem Felde erst die kämpferische Exploitationlust samt wildem Schusswechsel gezündet und dann die spannungs-, ereignis- und wendungsreiche Gegenschlacht, erst das Frühstück ("Grüne Feigen, weißen Joghurt, schwarzen Kaffee."), dann die Hauptmahlzeit; "Not quite the end, James Bond will return in the next Ian Fleming Thriller Goldfinger.







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