Thrash Metal entstand in der ersten Hälfte der 1980er in den USA, grob umschrieben aus den Einflüssen der flotteren, ungestümeren Vertreter der New Wave of British Heavy Metal und der Energie des Hardcore-Punks. Als stildefinierend erwiesen sich die ersten Alben der Bands METALLICA und SLAYER. Schnell zogen andere Bands nach und versuchten, sich gegenseitig in Härte und Geschwindigkeit zu überbieten. Im Laufe der Jahre entwickelte sich jedoch eine große stilistische Bandbreite von stark von klassischem Heavy Metal inspirierten Gruppen, die mitunter viel Wert auf Melodie legten und stark dem Speed- und Power Metal verhaftet waren, bis hin zu sehr punkigen Acts, die schließlich auch das Crossover-Genre definierten und sowohl Punks und Hardcore-Kids als auch Metaller anzogen. Ende der 1980er/Anfang der 1990er ebbte das Thrash-Phänomen ab, an die Stelle der Schneller-lauter-härter-Bands trat ein stärker Groove-orientierter Stil, wie ihn beispielsweise PANTERA spielten und populär machten. Viele Bands änderten ihren Stil oder passten ihn neuen Gegebenheiten an. Andere jedoch machten unbeeindruckt weiter und noch heutzutage drängen immer wieder neue Thrash-Bands an die Öffentlichkeit und auf die Bühnen, die, gleich welchen Stils, den Underground und damit den Thrash-Sound lebendig und spannend halten.
Über exakt diese Musikrichtung hat im Jahre 2006 der US-Amerikaner Rick Ernst in enger Zusammenarbeit mit dem ehemaligen OVERKILL-Drummer Rat Skates den Dokumentarfilm „Get Thrashed – The Story of Thrash Metal“ gedreht. Der Film setzt sich zusammen aus Interviews bzw. Statements zahlreicher Szene-Protagonisten aus Bands sämtlicher Dekaden wie METALLICA, SLAYER, DARK ANGEL, DEATH ANGEL, OVERKILL, ANTHRAX, NUCLEAR ASSAULT, D.R.I., EXODUS, MEGADETH, TESTAMENT, HIRAX, PANTERA, MUNICIPAL WASTE, DESTRUCTION, SODOM, KREATOR, VIO-LENCE, RUMPELSTILTSKIN GRINDER, LAMB OF GOD und noch einigen mehr, darüber hinaus kommen Fans, DJs und andere Involvierte zu Wort. Nachgezeichnet wird auf diese Weise die Entwicklung der Szene von ihren Tapetrading-Anfängen bis hin zur Gegenwart, in der die „Big Four“ des Genres Stadien füllen. Unterlegt und aufgepeppt wird die Dokumentation von zahlreichen Live-Ausschnitten, die einen authentischen Eindruck von der unfassbaren Energie vermitteln, die in sich von den Bands aufs ausrastende und wie wild stagedivende und moshende Publikum und zurück übertrug. Zahlreiche Plattencover, Flyer, Fotos etc. werden gezeigt, darunter einiges an zuvor nicht unbedingt populären und bereits zigfach im Internet verbreiteten Material. In verschiedene Kapitel unterteilt, versucht der Film so viele Bereiche des Thrash Metals wie möglich abzudecken, muss dabei natürlich der begrenzten Spielzeit Tribut zollen. Wie häufiger bei derartigen Dokumentationen ist das Bonusmaterial der Heimkino-Veröffentlichung unbedingt mit einzubeziehen und zusammen mit dem Hauptfilm als Gesamtwerk zu betrachten, denn in weiteren rund 100 Minuten wird der Zuschauer mit auf eine Weltreise durch den Thrash genommen und werden aus jeder mehr oder weniger relevanten Szene auf beinahe jedem Kontinent die bedeutendsten Protagonisten herausgepickt, vorgestellt und kommentiert. Dabei wird ein unglaubliches Namedropping betrieben und eine immens hohe Zahl an Bands fand dadurch in den Film – und trotzdem fehlen immer noch einige, wenn ich mir meine Plattenregale so anschaue. Nichtsdestotrotz: Hochachtung für diesen Kraftakt, der Genre-Einsteigern einen Einkaufszettel in Überlänge bescheren dürfte.
Durch den Verzicht auf einen Kommentar aus dem Off, der dem Film seine individuelle, persönliche Sichtweise aufgedrückt hätte, entsteht ein authentischer, bunt und breit gefächerter Eindruck der Szene, bleibt der Film jedoch auch ein wenig oberflächlich. Zwar wird auf die Durststrecke des Genres in den ‘90ern eingegangen und werden auch Probleme wie das kräftezehrende Tourleben und die Gefahren und Folgen von Alkohol- und Drogenmissbrauch erwähnt, eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit manch fragwürdiger Band bleibt jedoch ebenso auf der Strecke wie eine nähere Betrachtung der textlichen Inhalte der Szene, die ebenfalls ein breites Spektrum aufweisen und gerade in ihren häufig pessimistischen, kritischen Betrachtungen beispielsweise des Kalten Kriegs, atomaren Wahnsinns etc. nicht wegzudenken sind und meist hervorragend mit der aggressiven Musik korrespondieren. Auch nutzt es sich irgendwann ab, zu fast jeder Band Kommentare von Jungspunden wie RUMPELSTILTSKIN GRINDER zu hören bzw. generell kaum kritische Worte zu vernehmen – als hätte man den Kommentatoren eingeimpft, sich bitte keinesfalls negativ zu „Kollegen“ zu äußern. Doch schlussendlich ändert das nichts an der Tatsache, dass es sich um eine augenscheinlich mit viel Herzblut, wenn auch manchmal zu offensichtlich eine reine Fan-Sicht einnehmende Dokumentation handelt, die einen sehr kompetenten Eindruck macht, den Thrash-Kult sehr gut porträtiert und beweist, wie viel es allein über dieses Subgenre, das trotz Death- und Black Metal, Grindcore etc. meines Erachtens noch immer zur Adrenalinausstoß förderndsten Musik überhaupt zählt, zu erzählen gibt. Thrash or be thrashed!