Review

Die Mythengestalt des Yetis vermag wohl kaum einen Tierhorrorfan in Ekstase zu versetzen, weshalb es auch bisher eher harmlose Komödien mit dem Vieh aus dem Himalaja gab.
Regisseur Paul Ziller, mittlerweile etabliert im Subgenre mutierter Kreaturen, mischt die Monster-Thematik mit dem Szenario eines Katastrophenfilms und prompt erhält das Geschehen unerwarteten Drive.

Man fackelt nicht lange, als sich Mitglieder eines Football-Teams auf dem Flug nach Japan befinden und die Maschine in eine Gewittersturmfront gerät. Das Flugzeug crasht in eisiger Höhe und es gibt Tote und Schwerverletzte zu beklagen. Die Gruppe um Peyton und Sarah gerät schnell in eine lebensbedrohliche Lage, denn nicht nur die kargen Lebensmittelvorräte werden knapp, Funkkontakt scheint unmöglich und die Streichhölzer gehen zur Neige…

Statt Wüste gibt’s Schnee und statt James Stewart und weiteren Stars wenig markante Gesichter, doch das Szenario erinnert stark an „Der Flug des Phönix“.
Abgeschnitten von der Außenwelt kämpft eine Gruppe angeschlagener Überlebender um jeden Tag, jede Stunde, muss erwägen, die Leichen zu verzehren, den Flugzeugrumpf als Nachtlager nutzen und sich natürlich auch mit Querulanten innerhalb der Gruppe auseinandersetzen.
Da bleibt der Yeti zunächst einmal außen vor und erstaunlicherweise vermisst man ihn auch gar nicht.

Dieser tritt in Erscheinung, als zwei versuchen ein Funkgerät aus Trümmerteilen zu bergen und dabei die Höhle des Löwen betreten.
Sein grauweißes Fell und die affenähnliche Maske sehen durchaus aufwändig gestaltet aus, doch aufgrund einiger Bewegungen fällt es schwer, die Kreatur als Bedrohung ernst zu nehmen. Urplötzlich setzt das Vieh zu meterweiten Sprüngen an, während er ansonsten ein wenig unbeholfen durch den Schnee hampelt, - das passt nicht recht zusammen.
Immerhin sorgt er gegen Ende für ein paar ansehnliche Splattereffekte, die über herausgerissenes Herz bis zum abgetrennten Kopf reichen.

Was der Handlung insgesamt Abwechslung verschafft, ist einerseits das zügige Erzähltempo ohne nennenswerten Leerlauf und andererseits die verschiedenen kleinen Handlungsstränge, da sich später noch ein Paar vom Bergungsteam aufmacht, zwei von der Gruppe trennen und immer wieder Einfallsreichtum gefordert wird, wenn es um existenzielle Fragen geht.
Auffällige Logiklöcher bleiben dabei nicht aus, so dass man sich zunächst über Tannen in ein paar tausend Metern Höhe wundert, aus einem erlegten Kaninchen am Lagerfeuer plötzlich ein Hühnchen wird und der Suchtrupp bereits das Feuer der Überlebenden im Visier hat, aber ewig benötigt, um dort anzukommen.
Zudem verschwinden Randfiguren spurlos, die eben noch in der Gruppe weilten, - da muss der Yeti wohl besonders schnell gewesen sein…

Ansonsten bietet dieser manchmal leicht trashige Mix wunderbar anspruchslose Unterhaltung, der für Tierhorrorfans weniger ansprechend ausfällt, als für Freunde des klassischen Katastrophenfilms.
Trotz minderer CGI und allenfalls mäßigen darstellerischen Leistungen geschieht schlicht genug, um das Interesse über die komplette Laufzeit an sich zu binden.
Trifft mit dieser Mischung eventuell einen eher speziellen Geschmack und ist von daher nicht jedem Zuschauer kompromisslos zu empfehlen, der unbedingt auf knallharte Schneemonster steht…
Knapp
7 von 10

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