Bei "The International" geht es um die Machenschaften der IBBC, einer imaginären Großbank, deren Geschäftsportfolio neben den herkömmlichen Produkten u.a. auch Geldwäsche und Waffenhandel beinhaltet. Der Interpol Agent Salinger (Clive Owen) hat es sich als Ziel gesetzt diese Machenschaften zu beenden, koste es was es wolle.
Der deutsche Regisseur Tom Tykwer hat definitiv seine beste Arbeit seit "Lola rennt" abgeliefert. Der Stoff passt perfekt in die aktuelle Zeit, obwohl Tykwer in einem Interview erzählte, dass er die Idee seit ca. 6 Jahren herumträgt. Gut choreographierte Action Sequenzen (klasse Shoot-Out im Guggenheimmuseum) lösen sich mit ruhig inszenierten Passagen ab (Verhörszene mit Armin Müller-Stahl). Imposant ist auch die Kameraführung von Frank Griebe. Für einen Thriller eher ungewöhnliche Panorama-Aufnahmen und Supertotale zeigen öfters winzig kleine Akteure vor gigantischen Bürotürmen und Eingangshallen, und verstärken somit das Gefühl, ein winziges Sandkorn im riesigen Getriebe von Machtverstrickungen und Korruption zu sein. In den Action Szenen wird dann aber Genre gerecht voll draufgehalten, ohne ein Schnittstakato wie zuletzt beim (gerade deshalb für mich verhunzten) "Bond -Ein Quantum Trost-" anzurichten. Apropos Bond: Der Location Scout bzw. der Production Designer hat hervorragende Arbeit geleistet und abwechslungsreiche und architektonisch interessante Orte gefunden. Es muss nicht immer ein tropisches Paradies sein Mr. Wilson (Poduzent der Bond Filme!).
Der Cast ist leider erwartungsgemäß besetzt. Das heißt Clive Owen spielt wie zuletzt in Inside Man, King Arthur, Sin City, Shoot 'Em Up und Children of Man. Der Mann hat zweifellos eine unglaubliche Ausstrahlung und Präsenz, aber leider nur einen (dazu auch noch ständig unrasierten) Gesichtsausdruck. Selbst ein talentloser Actor wie Ben Affleck hat zwei davon, nämlich manchmal ein Lächeln. Das kann Mr. Owen anscheinend gar nicht. Wer nicht einmal lächelt, wenn er von Jennifer Aniston vernascht wird ("Entgleist"), hat wahrscheinlich ein Problem. Zumindest die Rollen, die er spielt. Naomi Watts liefert eine solide Vorstellung, ist aber austauschbar. Ihre Rolle spielt sie eher angelehnt an ihr Pedant in "Tödliche Versprechen". Aber ich muss gestehen, in ihrer ersten Szene hätte ich sie nicht erkannt. Sind wirklich erst 4 Jahre seit King Kong vergangen? Ok, die Gute ist ja inzwischen auch schon 40 und vielleicht war es eine lange Nacht. Bei Tödliche Versprechen hatte Sie genau wie hier Armin Müller-Stahl als Gegenpart, der seine Rolle auch wie gewohnt ausfüllt. Er hat einfach eine tolle Stimme.Auch die Nebenrollen sind mit europäischen Darstellern gut gecastet. Was bleibt also. Ein Verschwörungsthriller, bei dem die Hochfinanz zeitgemäß als neues Feindbild herhalten muss. Am herausragendsten ist die Regie, die Kameraführung und die Locations. Die Hauptdarsteller sind typgerecht, die (vorwiegend) europäischen Nebendarsteller sind gut gecastet. Trotz einiger Logikfehler und des penetranten Audi und VW Marketing habe ich mich gerade wegen der Thematik und des EU Background gut unterhalten gefühlt und mich die ca. 2 Stunden absolut nicht gelangweilt.