Schon an den ersten Bildern merkt man, dass man keinen 08/15 US-Thriller vor sich hat, sondern sehr selbstbewusstes Kino europäischer Prägung. Langsame Kameraschwenks, viele eindrucksvolle Totalen und Flugaufnahmen nehmen eine große Pose ein. Dazu kommt oft eine subtil pulsierende und räumlich zwischen allen Surround-Lautsprechern rotierende elektronische Musik, die dann wieder mit beklemmender Stille bei guten Dialogen abwechselt. Wer sehr actiongeprägte Thriller mit viel Blei in der Luft bevorzugt könnte an THE INTERNATIONAL keinen Gefallen finden. Wer sich jedoch gerne rund 2 Stunden in eine einigermaßen komplexe Agentenstory mit hochwertig ausgestatteten Drehorten und guten Schauspielern fallen lassen möchte wir hier prächtig bedient.
Die Story (OHNE SPOILER!) um Interpol-Agent Salinger (Clive Owen) der auf Bankgeschäfte spezialisiert ist und im Rahmen eines Todesfalls auf die Spur eines international operierenden Geldwäsche-Netzwerkes zu kommen scheint, führt durch einen nicht enden wollenden Strudel von Kriminalität und Korruption der immer gefährlicher wird. Unterstützt wird er dabei unter anderem von der US Staatsanwältin Whitman (Naomi Watts)….. Watts bleibt gewohnt farblos, ich will nicht sagen schlecht, aber sie kann der Rolle nicht mehr als einen ordentlichen, aber nicht sehr individuellen Charakter verleihen. Viele Schauspielerinnen hätten diesen Part übernehmen können und wir hätten nicht viel vermisst.
Clive Owen hingegen nimmt sich sehr stark zurück und geht für mich sehr gut in der Rolle auf. Alle Nebenrollen sind gut besetzt, Alt-Star Armin Müller-Stahl hat trotz seiner wichtigen Nebenrolle leider etwas zu wenig Screentime und kann deswegen nicht wirklich nachhaltig brillieren. Auf der negativen Seite gibt es nicht viel zu berichten, die Synchronisation ist nicht immer optimal und insgesamt geht Regisseur Tom Twyker mit seinen Bildern, Handlungssträngen und Darstellern kein Wagnis ein. Einiges wirkt glatt und sehr harmoniebedürtig und hochglanzmäßig inszeniert und etwas mehr Risiko in der Darstellung und mehr unberechenbare Kanten und Ecken hätten dem Film gut getan. So bleibt es ein relativ braver, aber für Agenten-Thriller-Fans sehr ordentlicher Beitrag ohne Klassiker Ambitionen den man durchaus für eine einmalige Sichtung empfehlen kann.
6,5/10 Giftpfeilen….äh,….Punkten