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Der deutsche Regisseur Tom Tykwer drehte 2009 diesen Wirtschafts-Thriller in Hollywood, in dem er mit einer illustren Starbesetzung wie Clive Owen, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl die seit dem Börsenkrach 2008 beliebte Story von den illegalen und unmoralischen Praktiken der großen Banken dieser Welt erzählt.

Owen als Interpol-Ermittler und Watts als amerikanische Staatsanwältin tun sich hier zusammen, um der europäischen Bank IBBC auf die Schliche zu kommen, die als zentraler Anlaufpunkt für die Geldwäsche des international organisierten Verbrechens angesehen wird. Als einer ihrer Kollegen nach einem Gespräch mit einem Informanten umgebracht wird, führt das die Ermittler auf die Spur eines riesigen Waffendeals und eines Auftragskillers, der im Auftrag der IBBC die Drecksarbeit übernimmt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn die eiskalten Bankbosse scheinen ihnen stets einen Schritt voraus zu sein.

In schnell geschnittenen, ausdrucksstarken Bildern und mit trister Farbdramaturgie inszeniert Tykwer einen Thriller, der sich trotz seiner inzwischen etwas abgenutzten Story erfreulich von üblichen Hollywood-Streifen abhebt. Das liegt neben der stringenten Inszenierung vor allem daran, dass er keine Scheu davor hat, die düsteren Seiten globaler Politik vorzuführen. Die Geflechte, die zwischen ranghohen Bossen der Wirtschaft und der Politik bestehen, löst er als ein Netz illegaler Machenschaften auf, in denen einzig und allein Geld von Bedeutung ist. Mit oft treibend rhythmischer Musik und schnellen Kamerafahrten erzeugt der Film dabei beinahe durchgehende Spannung und lässt weder dem Zuschauer noch den Protagonisten Zeit zum Luftholen.

Zwar irritiert es ein wenig, dass auf eine Einleitung fast vollständig verzichtet wird - der Film setzt direkt vor der Ermordung des Kollegen ein, die alles in Rollen bringt, weshalb die für den Zuschauer wichtigen Informationen anfangs durch recht gestelzt wirkende, erklärende Dialoge nachgeholt werden müssen. Doch formal passt dieses Tempo und der damit verbundene Verzicht auf jegliche Details, die nichts mit der zentralen Story zu tun haben, sehr gut zum Gesamteindruck. Die Agierenden essen nicht, sie schlafen nicht, nur ganz kurz sieht man die Familien einiger Beteiligter - dieses klassische Muster der Figurendarstellung in Thrillern treibt Tykwer auf die Spitze, was zwar die Charakterisierung seiner Handelnden etwas blass bleiben lässt, was aber auch für einen durchgehend hohen Spannungsbogen sorgt.

Auch wenn immer wieder einige unglaubwürdige Situationen entstehen (etwa wenn ein Interpol-Agent im deutschen Leichenschauhaus selbstständig an Leichen herumwerkeln darf) und die dunklen Machenschaften weltweit operierender Konzerne hier manchmal allzu leicht ans Licht kommen, überzeugt "The International" mit seiner klaren, temporeichen Inszenierung, kritischen Gedanken zur Unmoral durch Globalisierung gerechtfertigter illegaler Wirtschaftsunternehmen und eine blutig-furiose Schießerei im New Yorker Guggenheim-Museum, bei der dieses schwer in Mitleidenschaft gezogen wird. Hinzu kommt ein für Blockbuster-Maßstäbe erstaunlich offenes und düsteres Ende, das nicht nur das Scheitern der scheinbar strahlenden Helden andeutet, sondern auch die Tatsache zeigt, dass in der Wirklichkeit - anders als im Film - Verbrecher mit ihren Taten oft davonkommen, wenn sie nur mächtig genug sind. Ein spannender Thriller mit einem guten Schuss Bitterkeit.

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