Eine feine Dosis Rache ist der Antrieb der Woman from Hell, die mitnichten direkt aus dem Hades im Dunkeln der Erdentiefe kommt, aber dennoch einen kräftigen Stoß Inferno aus dem Schattenreich mit sich trägt. Ein Todesengel mit nach außen hin wunderschön feinem Antlitz, mit den scheinbar sanften Augen eines gerade frisch der Jugend entwachsenen Mädchens, dass mit ebenmäßig weichen Gesichtszügen und grazil knospenden Körper nie auch nur im Entferntesten danach aussieht, dass sie ein Wässerchen trüben oder gar Jemand ernsthaften Schaden zufügen könnte. Eine Erscheinung aus dem Reich der Feen. Dennoch häufen sich in ihrer Gegenwart, die schlagartig von unschuldiger Verführung zu eiskalt mordend wechselt, die Opfer betagter Männer. Einer nach dem Anderen tappt im Zauberbann in die unwiderstehlich verwirrende Falle der Waffen der Frauen, in die Schlinge des weiblichen Phänomens.
Eine Mischung aus No More Romance [ 1972 ], wie der Vorgängerfilm von Ding Keung, eines der zwei Regisseure dieser manipulierenden Gaunerei treffend heißt, und The Amazons [ 1976 ], dem indirekten Nachfolger. Das Augenmerk liegt trotz einer ausgewalzten Hintergrundgeschichte, die das Motiv hinter all den Taten aufklärt, nicht auf den Begebenheiten, die ursächlich für die Ausführungen sind, sondern auf den Akt und die Folgen selber, auf den Offenbarungs-Tatsachen und dem Sicheinfühlen in die fremde Existenz. Die Vergangenheit, die zu dem schändlichen, aber doch so betörend reißerischen Treiben geführt hat, als dramatischer und dramaturgischer Einschnitt in einer Geschichte, die weitgehend von der leidenschaftlichen Begierde eigentlich verwerflicher und auf jeden Fall auch verbrecherischer Handlungen ebenso lebt wie von der affektmäßigen Reaktionen der Seele. Statt Rationalismus tritt Radikalismus an die Stelle der Empfindungen; der Vorrang der pietätlosen, aber sinnlichen Erfahrungserkenntnis steht als Gegenideal über und fern der Priorität jeglicher Vernunft.
Ein erst infames und zum Ende hin sich plötzlich als erzkonservativ herauskristallisierendes Denken, dass seine eigene und vor allem auch eigenartige Wahrheit mit entsprechender Gültigkeit, aber ohne Objektivität auslebt:
Die blutjunge Judy Pai - yuhsiang sucht nach dem Tod des Vaters durch Krankheit und der Aufdeckung bitterer Familienverhältnisse die abgelegten Liebhaber ihrer auch jetzt noch in der Gesellschaft herumwanderndern Mutter Joanna Pai - yunan auf. Um diese mit einem wenig ummodulierten weißen Haarnadel nach vorübergehend enger Bekanntschaft zu töten. Da sich unter den so im Nachhinein Beseitigten auch durchaus Prominente bewegen und sich die Fälle der Opfer schnell steigern, wird Sheriff Fong [ Au Wai ] mit zunehmenden Interesse auf die Ermittlungen angesetzt; wobei es Ihm hilft, dass die Freundin eines seiner Kollegen die mit Hilfe der Zeugin Linda [ Wong Bing-Bing ] schnell als Hauptverdächtige ausgemachte Judy seit ihrer Kindheit kennt. Doch diese wird vom örtlichen Zuhälter Pa - san [ Suen Yuet ] unterstützt.
Die Tochter in der Gegenwart nutzt ihren jugendlich anmutigen Reiz in einem umgekehrten Verhältnis ebenso dafür aus, die gleichen Männer, die ihre Mutter mit Macht und Reichtum verführt haben, in das Erkennen einer bitteren Wahrheit zu locken. Die sehnsuchtsvollen Träume der Ahnungslosen lösen sich in Scheinsituationen mit Versprechungen, Maske und Trugbild auf. Nichts ist vergänglicher als ein melodramatischer Existenzkampf der Liebesrhetorik, vor allem nicht unter falschen Voraussetzungen.
Doch statt der Methode des Philosophierens über die Natur des Menschen, dem Verhängnis von Kollektivtäuschungen und der Unrechtsmäßigkeit ihrer Rachsucht aus erlittenen Unrecht formuliert sich die Inszenierung der Mondscheinhinterlist vor allem auf der akustischen Ebene selber im Stil des unbedingten Besitzergreifens der Situation und der Kluft zwischen potentiellen und aktualisierten Konditionen. Es wird nichts Wesentliches ausgesagt, weder analysiert noch in Deutungen und Thesen zer- und nicht einmal wirklich Anteilnahme an der krankhaften, da verborgene Triebe erfüllenden Psyche und ihrer Unvereinbarkeit mit den selbstevidenten Prinzipien ethischer Grundsätze an den Tag gelegt. Ohne großartigen Blick für die psychologischen Aspekte der Schein - Sein - Problematik und dem folgerichtigen Auslassen der Tendenzen des unbewussten Seelenlebens, aber mit dem dafür ausdrücklich bedeutungsvollen Interesse für die in der Zeit nachhallenden Entlarvungsvorgänge und die Familiendynamischen Hintergründe in zielstrebig sinnbezogener Dramatik.
Dabei herrscht der Ton schlichter Kriminalfilme ebenso vor wie die Begeisterung für die emotionslose Sachlichkeit, so dass auch die Paralleljagd zwischen Gesetzeshüter und Täter mit einer gewissen sanftmütigen Behäbigkeit im Bild festgehaltenen wird. Ganz im Stil des ähnlich bürokratisch nüchternen The Big Raid: Wie unter der dämpfenden Decke strengster Staatskontrolle - kaum innere Widersprüche und auch keine äußere Bedrohung. Nur die Tonspur schweift von diesem sehr auf das Wesentliche konzentriertem und Alles Unnötige verschweigenden Engagement ab und gelangt mit den Mitteln des sensualistischen Subjektivismus auf seine eigene Form der emotional düsteren Kondolenz bis hin zur Ausschweifung sadistischer Tendenzen.
Denn, die Sanktionen von Judy entwickeln ihr Eigenleben nicht bereits in den Anregungen, Planungen, Vorbereitungen der jeweiligen Bestrafung, sondern erst in den Repressalien und damit im Allgemeinzustand der frustrierten Aggressivität selber, dort allerdings weniger graphisch [eine späte Szene schockiert schon fast allein dadurch, dass überhaupt und selbst dann eigentlich absolut dezent eingesetzt Blut auf der Leinwand als Folge des heimtückischen Angriffs zu sehen ist] als vielmehr und teilweise auch nur schlichtweg phonetisch in einer allegorischen Darstellungsweise.
Wie eine hysterisch gereizte Synchronisation schiebt sich die Auswahl der nicht mehr gänzlich zeitgenössischen Musikstücke gleichfalls in das gellend Extreme wie die gefühlte Lautstärke nach und nach von impulsiven Äußerungen zu einem missmutig erbitterten Schreien anschwillt. Wo erst noch Harmonie, Rhythmus und Melodie herrschte, lustvoll aufspielende Bands samt tanzenden Begleiterscheinungen in verboten kurzen Kleidern die Massen anregte und erregte, herrscht von einer Sekunde auf die andere die Atmosphäre der Verstimmung in unmittelbarer Gewissheit, eine lebendig gewordene Revolution voll polternd stampfender Beweglichkeit, Ruhelosigkeit, Wandelbarkeit, ein destruktives Theater. Mit schaubildhafter Repräsentation. Aus dem Wohlklang eingängiger Schlager mit kleinen, aber feinen low fidelity Rock'n'Roll und bedeutsamen Blues entwickelt sich beängstigenderweise ohne weitere oder gar große Schwierigkeiten und vielmehr wie selbstverständlich die Entzweiung in Dissonanz und Kakophonie, aus der flüsternden Reaktion gegen Moraldruck wird ein schizoides Aufbäumen in Verzweiflung, Haß und Begehren. Ein markerschütternder Ausbruch des Todes in wahnsinniger Wollust. Eine verstörend berauschende, da aus den Sinnen entspringende Vergeltungsreligiosität. Ein Höllenspektakel.