1973. Nach seinen Eskapaden in Frankreich und Kanada ist Jacques Mesrine in seiner Heimat längst eine Legende. Die Medien haben ihn "Staatsfeind Nr. 1" getauft. Lustvoll berichten sie von immer tollkühneren Raubzügen und Ausbrüchen aus hundertprozentig ausbruchsicheren Gefängnissen, von regelrecht dreisten Spielen mit der Staatsgewalt und der Justiz. Im aufgeladenen Klima der Siebzigerjahre sieht sich Mesrine zunehmend als politisch Verfolgter und seine kaltblütigen Verbrechen als Weckruf für die gesamte Gesellschaft. Mit seinem Kompagnon Besse und seiner Geliebten Sylvia foppt Mesrine die Behörden und zieht eine Spur der Zerstörung durch Frankreich. Obwohl er immer öfter brenzligen Situationen im letzten Augenblick entkommt, ahnt der Staatsfeind Nr. 1 nicht, dass sich die Schlinge um seinen Hals langsam immer mehr zusammenzieht.
Der zweite und letzte Teil der Mesrine Chroniken widmet sich den letzten sieben Jahren und dem großen Abgang des Mannes mit den tausend Gesichtern. Wie bereits im Vorgänger startet auch Todestrieb mit dem spektakulären Ende und dem Exekutieren (anders kann man das hier ja nicht nennen) des Gangsters durch die französische Gendarmerie. Allerdings ist die Absperrung von Tatorten nicht auf dem dortigen Polizeischulenstundenplan, so daß jeder Hinz und Kunz Reporter sich dem Leichnam nähern kann und getreu Mesrine bisherigen Lebensmottos die Presse hautnah in jeder Lebenssituation live dabei ist.
Anschließend wird gleich wieder in die laufende Geschichte eingestiegen, mit dem Beweis das auch Kanada dem Kater das mausen nicht austreiben konnte. Jacques nimmt sich im Übermut gleich mal wieder zwei Banken auf einmal vor, ergo der nächste Gerichtstermin steht mal wieder kurz danach vor der Tür. In der Verhandlung nutzt dieser seine Aussage allerdings mal wieder um mit der Presse zu kokettieren, mal eben den Richter mittels einer vorher deponierten Knarre aus dem Gerichtssaal zu ziehen und erneut zu fliehen, denn offensichtlich wie schon mehrfach gezeigt besteht die lokalen Polizeieinheit nur aus Äquivalenten zu Clever & Smart.
So hangelt man sich weiter von einer Etappe zur nächsten. Am besten ist dabei erneut der spektakuläre Ausbruch aus dem Knast. Hier wird einerseits wieder gezeigt, das man als Fluchtbegleiter Mesrines die Lebenserwartung einer Eintagsfliege hat, aber andererseits auch erneut eine sehr spannende Sequenz, die einer der Höhepunkte des Todestriebs sind. Allerdings werden hier wieder Themen nur vage angerissen, wie das Verhältnis zu Tochter und Vater, das meist mal so eben in zwei Minuten abgehandelt wird, ohne allzu teif zu gehen. Wirklich kennenlernnen tut man den Menschen Mesrines hier erneut nicht unbedingt.
Immerhin wurde dort im Gefängnis das Drehbuch dieser beiden Public Enemy Filme geschrieben, nämlich seine Memoiren. Meine Herren, wenn der Junge all das wirklich auf dem Kerbholz hat, was alleine in den Filmen geschildert wird, dürften da mal so locker ein paar hundert Jahre Zuchthaus zusammenkommen. Allerdings weiß man als Zuschauer auch nie so recht ob Mesrines jetzt eigentlich nur einen gemeiner Dreckspatz oder eine Nobelgangster mit Ehrenkodex ist, aber da gilt dasselbe wie im ersten Film, Regisseur Richet wollte wohl wirklich Objektivität wahren lassen und jeder soll selber entscheiden, wie er die titelgebende Figur sieht.
Diese wird ja auch nach einem unsachgemäßen Mordversuch an einem Journalisten, der es tatsächlich gewagt hatte die Motive Mesrines in einem Artikel zu verunglimpfen, letztendlich gerichtet, denn spätestens ab dort ist die Polizei nur auf Blattschluß beim Zugriff auf und wie dieser aussieht wird ja bereits zu Beginn gezeigt.
Auffällig ist zwischen den beiden Filmen, das Teil zwei nicht nur ab 16 bereits freigegeben ist und deutlich weniger an Zynismus und knackigen Einschüssen aufweist, keine Ahnung warum, da hätte man doch lieber die harte Linie durchziehen sollen. Cassel ist aber in beiden Teilen eine absolute Schau, für die Rolle hat er sogar zwischenzeitlich 20kg zugespeckt, und liefert eine klasse Performance ab, aber auch die weiteren Darsteller fallen da nicht ab. Bleibt ein sehr sehenswerter Beitrag des neuen französischen Kino, der zwar nicht zu hundert Prozent überzeugt und doch einiges lückenhaft zurückläßt, aber solides Spannungskino auf biographischer Basis liefert.
7/10