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Das Spielfilm-Debüt „Franklyn“ (im deutschsprachigen Raum um den Zusatz „Die Wahrheit trägt viele Masken“ erweitert) des britischen Regisseurs Gerald McMorrow entstand 2008 im britisch-französischer Koproduktion und ist eine eigenwillige Mixtur aus Drama-, Fantasy- und Thriller-Anleihen:

Im dystopisch-futuristischen Meanwhile City scheint der Großteil der Bevölkerung einer sektenartigen Religion erlegen zu sein. Ihren religiösen Führer „Das Individuum“ sucht Jonathan Preest (Ryan Phillippe, „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“) unablässig – er will ihn dafür richten, die elfjährige Sarah getötet zu haben. Im London der Gegenwart wiederum sucht der just von seiner Frau verlassene Milo (Sam Riley, „Control“) nach seiner Kindheitsfreundin Sally, Peter Esser (Bernard Hill, „Titanic“) seinen Sohn und Irak-Kriegsveteranen David und die psychisch labile, suizidgefährdete Emilia (Eva Green, „Die Träumer“) ihr Seelenheil in abgefahrenen Videoprojekten. Das Schicksal führt sie zusammen…

Den maskierten Jonathan Preest und die aufwändig inszenierte, imposante Fantasy-Stadt Meanwhile City lernt man zuerst kennen und lauscht Preests Off-Kommentaren, die seine undurchsichtige Geschichte nach und nach erzählen. Nach dessen Verhaftung und einem Zeitsprung von vier Jahren werden alle vier Handlungsstränge parallel behandelt, „Franklyn“ erscheint puzzleartig und die Zusammenhänge bleiben unklar. Diese sind letztlich anderer Natur als evtl. vom Zuschauer herbeigerätselt. Im Prinzip geht es in allen Fällen um persönliche Dramen und Tragödien im neo-noiresken Großstadtambiente und diese zu spoilern, wäre gemein. Ganz umhin komme ich jedoch nicht, daher bitte auf eigene Gefahr weiterlesen:

Die Pointe macht aus „Franklyn“ eine Art ambitionierten Beitrag zum Mindfuck-Genre bzw. bedient sich dessen Stilmittel, denn es wird sich herausstellen, dass die Hälfte (je nach psychologischer oder philosophischer Sichtweise auch alle) der Protagonisten nach traumatischen Ereignissen in ihrer eigenen Realität lebt – und diese ist es, die der Film dem Zuschauer präsentiert und erst zum Ende mit ihr bricht. Das ist für den einen Zuschauer mehr, für den anderen weniger überraschend. Erweitert um einen satirischen Blick auf Religionen und untermalt von verträumter Klaviermusik sowie mäandernden sphärischen Klängen, ist „Franklyn“ optisch top, erzählerisch jedoch Flop, denn McMorrow scheint seine Geschichte absichtlich verworren abzuwickeln und geht dabei derart langatmig zu Werke, dass einen die Handlung nie wirklich für sich einzunehmen in der Lage ist – so atmosphärisch traurig und mysteriös sie sich auch präsentiert.

Das ist überaus schade, denn das Potential des Films ist offensichtlich und man möchte ihn eigentlich mögen. Dies verhindert jedoch zusätzlich das kitschige Happy End, wenngleich es lediglich angedeutet wird. Am Ende bleibt immerhin die Erkenntnis, wie subjektiv Realität und Wahrheit in einer Gesellschaft sind, in der es von traumatisierten Individuen und Narzissmen nur so wimmelt.

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