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Zwei Welten, eine Geschichte: In dem dystopischen Steampunk-Moloch Meanwhile City begibt sich der maskierte Rächer Johnathan Preest auf einen Rachefeldzug gegen einen mysteriösen Sektenführer; im heutigen London sind mehrere Menschen auf der Suche – nach sich selbst, der großen Liebe, ihrem Sohn oder einem Sinn im Leben. Alle diese Schicksale werden auf dramatische Weise zusammenfinden...

„Franklyn“ ist ein visuell starkes Steampunk-Märchen, das in erster Linie den ausgeprägten Stilwillen des Regisseurs Gerald McMorrow unterstreicht: In pompösen Bildtableaus breitet er vor allem in der ersten Filmhälfte die finstere Fantasy-Welt seines schwer einzuschätzenden Antihelden aus. Gigantomanische Architektur, verwinkelte, dunkle Gassen, von Menschenmassen überfüllte Straßen, allgegenwärtige Religion und eine Behörde, die gnadenlos Jagd auf Unangepasste macht, verleihen der Mega-City einen beklemmenden visuellen Charakter, der durch die weitgehend in Schwarz-Grau-Braun gehaltenen Bilder noch verstärkt wird. Doch auch in den „realen“ Londoner Szenen gibt es immer wieder elegante oder visuell originelle Einfälle zu bestaunen: ob Eva Green, die als Videokünstlerin radikale Konzeptkunst kreiert, oder durchdachte Detailaufnahmen, die alltägliche Momente zu etwas Besonderem machen. Visuell kann man hier einiges entdecken.

Inhaltlich jedoch gerät „Franklyn“ leider schon sehr bald ins Straucheln. Zum einen bleiben die Parallelerzählungen zu lange zu radikal voneinander getrennt. Irgendwann kann man als erfahrener Genre-Fan ahnen, wohin die Reise geht (was wiederum der überraschenden Auflösung einen guten Teil ihrer Intensität nimmt), zuvor jedoch bleibt alles ein wenig zu wirr und schwer überschaubar. Es gibt einfach zu viele Figuren und Namen, deren Verhältnisse zueinander nicht klar werden und die auch nach der finalen Auflösung noch einiges an Fragen offen lassen. Einigen Szenen, die dank überraschender Wendungen eine völlig neue Bedeutung erhalten, stehen viele eher belanglos wirkende Momente gegenüber.

Auch inszenatorisch gäbe es noch einiges Potenzial. Vor allem die bedeutungsschwangeren Monologe des Rächers in Meanwhile City machen oft leider einen bemühten bis sogar unfreiwillig komischen Eindruck. Er redet einfach zu viel Stuss: Da steht er über dem finsteren Moloch und sagt: „Man würde nie glauben, dass diese Stadt vollkommen wahnsinnig ist.“ Wirklich? So finster, dreckig und bedrückend sie aussieht, wäre das eher der erste Gedanke. Auch im weiteren Verlauf missfallen diese Monologe durch Plumpheit, allzu erklärenden Charakter und sinnlosen Pathos. Dass das alles durch die Schlussauflösung einen gewissen Sinn erhält, hilft dann leider auch nicht mehr, der Eindruck eines missglückten Versuchs, Tiefgang und epische Stimmung zu erzeugen, hat da schon einen Großteil des Films dominiert. Und auch in den London-Szenen gibt es immer wieder etwas zu platte Dialoge oder auch mittelmäßige, übertrieben und steif agierende Darstellende. Mal ganz abgesehen davon, dass Ryan Phillippe als dunkler Rächer eine glatte Fehlbesetzung ist.

Auch wenn der Film also passagenweise eher nervt oder unfreiwillig amüsiert, kann er doch die meiste Zeit auch fesseln. Mit der Zeit wird es eben doch interessant zu erfahren, wie die einzelnen Handlungsstränge wohl zueinander führen, und das dramatische Finale ist stilistisch wirklich packend und stringent inszeniert. Und für alle Fantasy- und Steampunk-Fans gibt es hier eh einiges an Augenschmaus zu entdecken. Mit kleinen inhaltlichen und inszenatorischen Abstrichen kann „Franklyn“ also durchaus für einen unterhaltsamen Filmabend herhalten.

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