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Zwei Studentinnen wollen über Weihnachten mit dem Zug verreisen, doch im Zug befinden sich zwei Ganoven, was tödlich für die Mädchen endet, aber wie es der Zufall will, landen die Mörder unwissentlich bei den Eltern der Ermordeten, wodurch diesen eine Gelegenheit für Selbstjustiz geboten wird.

Wem die Handlung bekannt vorkommt, der kennt wahrscheinlich "Das letzte Haus links" von Wes Craven, der 1974 in seinem Rape-and-Revenge-Klassiker genau die selbe Geschichte erzählte.
Doch auch wenn man das "Original" kennt und weiß, was einen erwartet, so ist Aldo Lados Auswertung der Geschichte trotzdem sehr sehenswert, denn im Gegensatz zu Wes Cravens Regiearbeit kommt "Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien" ohne deplaziert wirkenden Humor aus, wenn man mal von der Hektik bei der Fahrt zum Bahnhof und der umgeknickten Zigarette beim Feuerreichen absieht, und die Figuren werden dem Zuschauer etwas zugänglicher gemacht. So lernen wir die beiden hübschen Studentinnen kennen und mögen, welche die typische Mädchen-endlich-ohne-Eltern-Verhaltensweise an den Tag legen und sich auf die Reise von Deutschland nach Italien zu den Eltern des einen Mädchens begeben wollen, um dort Weihnachten zu verbringen. Auch die Eltern werden im weiteren Lauf der Geschichte näher vorgestellt. Besonders erschreckend ist hierbei, wenn man das Schicksal der beiden Mädels kennt, mitanzusehen, wie sie noch Weihnachtsgeschenke für die Mädchen aussuchen, alles festlich herrichten und sich auf deren Ankunft freuen. Doch auch die Bösewichte, die plötzlich im Zug in das Leben der Frauen treten, sind nicht nur einfach böse, sondern werden näher charakterisiert. Der eine neigt zu Wutanfällen, der andere ist heroinabhängig und emotionsschwankend und zusätzlich zu den beiden gesellt sich eine Zugreisende, die sexuell gestört ist und zum festen Bestandteil des Schändertrios wird. Sehr interessant ist die unterschiedliche Reaktion der Drei beim Tod des ersten Opfers.
Die Schändung des Trios an den beiden Mädchen ist ziemlich harter Tabak, denn die beiden sind völlig hilflos gegen die Taten und umgesetzt wurde das Ganze völlig nüchtern ohne übertriebene Zeigefreude. Besonders fies ist es, wenn auf die mit Freunden Weihnachten feiernden Eltern geschnitten wird, die Zuggeräusche und das Vergewaltigungs- und Schmerzgewimmer der Mädchen jedoch weiter zu hören sind.
Zum Revengeteil, bei dem die Eltern nach der Aufnahme der Unholde die Chance zur Vergeltung bekommen, geht es ebenso ohne Umschweife und die Rache an sich fällt ebenfalls nüchtern und ohne Übertreibungen aus.
Die Darsteller leisten gelungene Arbeit. So freut man sich anfangs mit den Mädchen und leidet darauf mit ihnen mit, wobei ihre Ängste realistisch rübergebracht werden, empfindet Hass und Verachtung für die fiesen Schänder, wobei ein besonderes Lob Macha "Profondo Rosso" Meril, die die Wandlung von der reichen Lady zur Menschenpeinigerin großartig spielt, gebührt und den Eltern (toll: Enrico "Das Geheimnis" Maria "der schwarzen Handschuhe" Salerno) nimmt man deren Leid und Wut bei der Bekanntwerdung des Todes der Mädchen voll ab.
Abgerundet wird die überzeugende Umsetzung durch die Musik von Ennio Morricone. Diese hält sich angenehm zurück und wirkt niemals aufgesetzt. In der Bahnhofsszene zu Beginn gibt es ein aus "Vier Fliegen auf grauem Samt" bekanntes Stück zu hören und im Mittelteil kann man des Öfteren Mundharmonikagepuste vernehmen, welches Erinnerungen an "Spiel mir das Lied vom Tod" weckt.

Insgesamt ist "Mädchen in den Krallen teuflischer Bestien" eine durchweg überzeugende Italo-Umsetzung der "Das letzte Haus links"-Story, die durch die Inszenierung und die Erzählung ohne Umschweife sehr wirkungsvoll und nichts für einfache Unterhaltungssuchende ist.

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