Kaufhof, Betten Rid, Sport Münzinger, Kaufinger Straße, Isar-Ufer und der Münchner Weihnachtsmarkt. Im Kino läuft Romy Schneiders DAS WILDE SCHAF, Demis Roussos schmachtet „A flower‘s all you need“ und ein Verkäufer im Weihnachtsmannkostüm wird ausgeraubt, bevor die Täter in einen Zug flüchten, um dort noch weitaus Schlimmeres zu tun. Allein fürs Retrofeeling der Eröffnungsszene lohnt sich dieser ungewöhnliche italienische „Weihnachtsfilm“ von Aldo Lado.
In UK wurde er gleich zweimal verboten, zuerst beim Kinostart 1976 und dann nochmal in der „Video Nasty“ Zensuroffensive 1983. Erst seit 2004 ist der Film ungeschnitten offiziell erhältlich, wahlweise unter den Titeln LATE NIGHT TRAINS, LAST STOP ON THE NIGHT TRAIN oder eben NIGHT TRAIN MURDERS.
Warum die Aufregung? Nun, es gibt in der Mitte eine ausgedehnte und ziemlich widerliche Erniedrigungs- und Vergewaltigungsszene, die dem Film den Ruf eines LAST HOUSE ON THE LEFT Ripoffs eingehandelt hat. Die Sequenz ist jedoch so abstrus und exploitativ, dass sie eher Distanz als Schock erzeugt.
Insgesamt kann man dem Werk aber eine ähnliche nihilistische Atmosphäre wie Wes Cravens Exploitationklassiker bescheinigen, auch wenn der Film letztlich Trash ist. Immerhin: Die minimalistische Mundharmonikamusik stammt von Meister Morricone persönlich.
3.5/10