Review

Eine TV-Serie, die inhaltlich nicht abgeschlossen wurde, mit einem TV-Special oder einigen Fernsehfilmen zu beenden, ist inzwischen eine bewährte Kombinationsmethode, sowohl den Volkszorn auf Distanz zu halten, als auch zusätzlich noch etwas Kasse zu machen.
Wenn aber vier Jahre, nachdem die letzte Folge über den Bildschirm gegangen ist, doch noch ein Film in Aussicht steht, hatten die Macher wohl ein gewisses Anliegen, so auch im Fall von Bryan Fullers außergewöhnlich reizvollem TV-Konzept „Dead like me“, in denen man den Abenteuern einer Gruppe Verstorbener zuschauen konnte, die in einer anderen Identität für den Tod Seelen einsammeln sollen, bevor diese „ins Licht“ eingehen, nicht zuletzt um dem Tod den Schmerz zu nehmen. Die Serie war sowohl sehr witzig als auch bittersüß, denn sie haderte mehr mit den Problemen und den Reifeprozessen schon Toter, die mit den Lebenden auskommen müssen. Den kompletten Hintergrund sparte die Serie meist abgesehen von ein paar Andeutungen aus, welcher kosmische Plan und welche Mächte wirklich dahinter steckten, wurde nie geklärt, was bei gerade knapp 30 Episoden auch kaum möglich war.

„So gut wie tot – Der Film“ hätte nun die Gelegenheit gehabt, mit den vielen Fragezeichen aufzuräumen, doch wenn man sich die Produktion mal näher beschaut, merkt man, daß Bryan Fuller, der bereits früh aus der Serie wegen kreativer Differenzen ausstieg, auch jetzt nichts damit zu tun hatte – und so gerät der Extra-Film zu eben dem, was er möglichst nicht sein sollte, eben nur zu einer relativ beliebigen Doppelfolge, die man sich vergnüglich zum Tee anschauen kann, ohne dadurch aber nur einen Deut schlauer zu werden.

Zu lange ist die Serie offenbar her, um auch nur den Cast wenigstens einmalig wieder zusammenzuführen, sowohl der charismatische, aber auch kreativ sehr schwierige Mandy Patinkin als Rube noch Laura Harris als Daisy sind dabei und während für die Rolle der Daisy ein halbwegs brauchbarer Ersatz gefunden wurde, fehlt Rube komplett – dafür meldet sich ein völlig neuer Charakter namens Cameron Kane (dargestellt von Henry Ian Cusick, den die meisten TV-Zuschauer als „Desmond“ in „Lost“ kennen) als Gruppenleiter und Auftragsverteiler. Damit geht auch der beliebte Treffpunkt „Der Waffelhaus“ flöten, was die Stimmung nicht gerade anhebt.

Ansonsten ist der Film ein nettes Wiedersehen mit allen Charakteren, inclusive Crystal, Dolores, der lieben Mama und der kleinen Schwester Reggie, der, in dem einzigen Anflug von Mut im ganzen Drehbuch, George (Ellen Muth nimmt ihre spröde Rolle praktisch anschlußfrei wieder auf) ihre wahre Herkunft endlich offenbart.

Dem übrigen Team gönnt der Film natürlich jeweils freundlich-amüsante Nebenhandlungen, die eigentlich nur darauf beruhen, daß sie alle von Cameron eine Runde aufs Glatteis geführt werden aufgrund einer nicht ganz einwandfreien moralischen Lektion, aber dieser Handlungsstrang führt bis zum Ende eigentlich ins Nichts und bereitet nur das Terrain für eine neuerliche Besetzung des Teamführers, ohne das man neben dem Schmunzeln etwas Neues erfährt. George bekommt eine neue Lektion, ist nicht mehr ganz so verbohrt wie in der Serie, aber letztendlich will man eigentlich nur was über die Jenseitsmächte erfahren oder darüber, was aus Rube geworden ist.

Immerhin, vom technischen Standpunkt aus und in Anbetracht der bissig-skurilen Situationen kann der Film der Serie folgen (es gibt sogar eine zusammenfassende Einleitung mit den wichtigsten Regeln), aber am Ende bleibt der Film doch relativ redundant und bietet weder Abschluß noch Abrundung. Ein freundliche Serviceleistung, aber leider kein Glanzpunkt. (5/10)

Details
Ähnliche Filme