Alles durcheinander zu werfen, führt nur zu Chaos, das gilt auch für Filme.
Eins dieser bunten Kuddelmuddel, bei dem verschiedene Stile wild durcheinander verrührt wurden, ist „The Unborn“, der neueste Auswuchs des eigentlich recht angesehenen Drehbuchautoren David S.Goyer, der hier bemüht ist, den klassischen 70er-Jahre-Horror und die zielgruppenversierte Moderne unter einen Hut zu bringen, um doch damit zu scheitern.
Mehrfach durchläuft der Film eine inhaltliche Achsverschiebung, wenn die Studentin Casey sich mit einem Übergriff des Übernatürlichen herumschlagen muß. Zunächst plagen sie schlimme Träume von maskierten Hunden und im Laub begrabenen Föten, dann mündet das alles, wie es scheint, in einen gewissen Besessenheits- und Reinkarnationshorror aus dem Exorzistenkästchen, denn ihr im Mutterleib gestorbener Zwillingsbruder drängt auf eine Art von Wiedergeburt, was er durch zahlreiche überraschende Erscheinungen ankündigt.
Wenn man sich daran erst mal gewöhnt hat, nimmt die Story eine Wendung in den Bereich der schrecklichen Familiengeschichte aus alten Nazizeiten, um dann auf einmal Schlagseite zu bekommen, weil es nicht nur das Brüderchen ist, sondern ein übernatürlicher Totengeist ist, der auf sie abzielt.
Das geht also alles schön auf und ab wie eine Bergtour und der Zuschauer weiß nicht, wohin er sich zuerst wenden soll, denn gekleidet wird das alles in ein modernes Studentinnenförmchen, also ein schickes Girlie, das nicht nur in Bedrängnis, sondern auch noch enorm gutaussehend ist und einen ebensolchen Boyfriend hat, ganz zu schweigen von ihrer besten Freundin, die nicht nur farbig ist (ein gewisser Ausgleich muß sein), sondern auch noch ein loses Mundwerk hat (Flüche, spitzzüngige Bemerkungen, Grimassen).
Heraus kommt dabei ein Stilwirrwarr, das man gar nicht mehr gewöhnt ist, weil sonst ja eigentlich nur Konfektionsware produziert wird – insofern sollte man eigentlich dankbar sein.
Und ja, Goyer hat auch ein paar mehr als wirksame Schocks über den Film verteilt, immer wieder glotzt das fiese Jenseitsbübelein aus Nachtschränken heraus und von Fotos herunter und so manch nächtlicher Traum von einer inzwischen verlassenen Nervenklinik wird durch ein paar fiese Erscheinungen extra dekoriert. Darüber hinaus krabbeln ständig irgendwelche ekligen Insekten durch die Visionen, für die es übrigens gar keine Erklärung gibt.
Aber alles in allem spürt man das Bemühen und noch deutlich, wo überall man den Käse zusammengeliehen hat.
Eine nächtliche Sequenz im Altersheim, zwar ausreichend horribel, hat man flugs aus „The Grudge“ und „The Exorcist“ zusammengeschmiedet, Rosemarys Baby winkt durchs Unterholz, ein Schmalfilm gemahnt an „The Ring“, das Blag an „Das Omen“ und am Ende schreitet Rabbi Gary Oldman (welch ein Casting!!!) zum patenten Teufelsaustreiben, modernerweise sogar multireligiös inszeniert.
Das alles zusammen ist einfach zu viel für TV-Serienschönheit Odette Yustman, die an ihre erste richtige Hauptrolle (nach „Cloverfield“) mit soviel gefühlsbetont-besorgtem Ernst rangeht, das man es gar nicht anders verstehen kann, als als Hormonfixierung in knapper Unterwäsche, die sie dann auch ausgiebigst mit sich herumträgt, während der Dybbuk ständig mit Klopfzeichen verhindert, daß sie sich eventuell zudeckt.
Trotz rotziger Freundinnensprüche wird das alles dermaßen todernst angerührt, daß man sich das Lachen allein im ersten Drittel gar nicht so schnell verkneifen kann, denn Goyer stürzt den Zuschauer von Szene 1 an in die unheimlichsten Visionen und bemüht sich erst gar nicht, die Charaktere erst mal mit Leben zu erfüllen. Hauptsache, die Schreckquote ist erfüllt und darum muß er sich die wenigsten Sorgen machen.
Nur, daß für das Ende der Show niemandem etwas wirklich Originelles eingefallen ist und so schlingert man auf einen Höhepunkt zu, der irgendwie hastig und abgehackt und im Kontext des zuvor Gesehenen total unbefriedigend wirkt, ein kreischiges Tralala mit einem asthmatischen Schlußgag aus der Uralt-Okkult-Schublade. Daß sich Jane Alexander und Gary Oldman für diesen Käse hergegeben haben, ist verblüffend, wenn auch Letzterer offensichtlich mit einem Blick auf den Lohnscheck spielt.
Die Tricks sind allerdings mehr als passabel und wirken durchaus nach, wenn der Rahmen des Geschehens nicht so wirr und temporär albern wäre und einen ständig mit der Nase drauf stößt, wie unausgegoren das alles auf Papier geschmiert wurde. Wer also ein fein Mägdelein anschmachten möchte, kann das tun, für den Buh-Faktor sind die Pferde auch gesattelt, fehlt nur noch eine brauchbare Story, damit man sich das auch wirklich noch mal ansehen möchte. Nicht in Sicht? Schade! Pure Technik, verschenktes Potential. (3/10)