"Neugeborene sollten ihr Spiegelbild frühestens mit einem Jahr sehen. Sonst bedeutet es, sie sterben bald."
Casey Beldon (Odette Yustman) leidet plötzlich an immer öfter wiederkehrenden Alpträumen. Selbst über Tage wird sie von Visionen geplagt. Mit ihrer Freundin Romy (Meagan Good) und ihrem Freund Mark (Cam Gigandet) findet sie in einem Altersheim eine Antwort auf die plötzliche Plage. Ein in den Zwischenwelten gefangenes Wesen versucht zurück in die normale Welt zu finden, was es schon einmal in den 30er Jahren durch eine entfernte Verwandte von Casey geschafft hat. Scheinbar hat es gefallen an ihrer Familie gefunden. In ihrer Not wendet sie sich an den Rabbi Joseph Sendak (Gary Oldman), einem Spezialisten für paranormale und spirituelle Phänomene, um den Geist austreiben zu lassen.
Gerade im Bereich des Horror beweist Amerika immer öfter ein äußerst zittriges Händchen, wodurch der größte Teil ansprechender Geschichten und neuer Ideen scheinbar verschüttet wird. Die Konkurrenz in Europa freuts, punktete sie doch mit zahlreichen Independent-Produktionen, wie "[REC]" oder "Frontier(s)", beim Publikum. Da das amerikanische Publikum nun aber so gar nicht auf europäische Produktionen steht, müssen diese Filme für eine Neuinterpretation herhalten. Ist dafür nichts vorhanden, wird eben aus vielen alten Klassikern das Beste gezogen und neu zusammen geschnitten. So scheints zumindest bei "The Unborn".
Das vielfach verissene Werk kopiert so ziemlich alles, was Grusel-Fans heilig ist. Die einzelnen Szenen an sich sind größtenteils recht stimmig inszeniert, wurden jedoch viel zu uninspiriert und vor allem konzeptionslos aneinander gereiht. Niemals fügen sich die Ereignisse zu einem großen Ganzen zusammen, was dazu führt, dass der Film sich genau so zusammengeklaut anfühlt, wie er letztlich auch ist. Ein wenig Exorzismus hier, ein wenig subtiler japanischer Horror dort, das obligatorische Kind als Warnschild... O-men-no, was haben sich die Produzenten da bloß gedacht?
Die Folge ist ein Film dessen einzelne Elemente nicht ineinander greifen, wie Fremdkörper in der eigenen Geschichte wirken und dadurch jegliche Spannung im Keim ersticken. Das einzige was "The Unborn" damit verbreitet ist trübselige Langeweile und die Neugierde, welches schon bekannte Element denn als nächstes verknüpft wird.
Kein Wunder also, dass der Grusel im Sinne eines Horrorstreifens fast gänzlich ausfällt. Dabei ist die Optik garnicht mal so schlecht. Gerade die wenigen düsteren Bilder wissen zu gefallen, Visionen mit massenhaft Insekten oder Hunden und Menschen deren Köpfe um 180 Grad verdreht sind, wurden technisch einwandfrei eingebunden. Schade, dass es sich dabei nur auf eine Aneinanderreihung von Schreckmomenten handelt, die der geneigte Fan bereits Sekunden vor Inkrafttreten vorhersehen kann.
Auch im Storytelling ist eine zunehmende Unentschlossenheit ersichtlich. Die Gratwanderung zwischen Religions-Okkultismus, Untoten-Horror und dämonischem Grusel-Schocker spricht wahre Bände über nicht vorhandene Entschlussfreude. Ein geradlinigerer Stil hätte dem Film gut getan. Stattdessen müssen reaktivierte Nazis mit okkultem Vorhaben herhalten, die viel zu spät eingeflochten werden um dem dünnen Plot Substanz zu verleihen.
Wie üblich befindet sich die Charaktertiefe auf Nullniveau, gewinnt aber bei Klarstellung der Ereignisse zumindest etwas an Profil, was der Atmosphäre zugute kommt.
Leider weist die Handlung große Lücken und Fragen auf, die bis zum einkalkulierbaren Abschluss keine befriedigenden Antworten vorweisen kann.
Die Darsteller sind ordentlich werden aber zu keinem Zeitpunkt wirklich gefordert. Odette Yustman ("Cloverfield") darf vorzugsweise in Unterwäsche vor der Kamera agieren, um das Durchhaltevermögen der anvisierten Zielgruppe hochzuhalten. Nebendarsteller wie Cam Gigandet ("Twilight - Biss zum Morgengrauen"), Meagan Good ("Saw V") oder Carla Gugino ("Die Jagd zum magischen Berg") sind hier besser anzuschauen als in so manch anderem fehlgeschlagenen Versuch von schauspielerischer Charakterdarstellung. Bekanntester Schauspieler ist wohl Gary Oldman ("The Dark Knight", "Harry Potter"-Reihe, "Das fünfte Element"), der einzig gegen Ende in der Lage ist, etwas mehr aus seiner eindimensionalen Rolle zu formen.
Durch die Aneinaderreihung von Schockmomenten, die beinahe immer ihre Wirkung verfehlen, eine lückenhafte, zähe und unlogische Story sowie tonnenweise Klischees zieht "The Unborn" schleppend wie Nebelschwaden am gruselgierigen Publikum vorbei. Einzig Optik und darstellerische Leistung sind passabel genug um die kurzen 87 Minuten nicht komplett im Schlaf zu verbringen. Mißlungene Gruselmär mit abzählbaren Momenten, die allesamt schon bei früherer Konkurrenz zu sehen war.
3 / 10