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Wenn Michael Bay Regie führt, dann kommt meist brachiale, manchmal fragwürdige, aber doch meist recht unterhaltsame Action dabei raus. Wenn er auf dem Produzentenstuhl Platz nimmt, müssen sich dagegen meist erfolgreiche Horrorfilme der 70er- und 80er-Jahre dafür fürchten, in einem Remake verwurstet zu werden. Ab und an kommt dabei zwar auch mal etwas Ansehbares heraus, meist sind die Neuauflagen Marke Bay den Fans aber ein Dorn im Auge. Hier nun hat er sich als Produzent mal an einer eigenen Geschichte versucht, die nicht auf einem anderen Film basiert, zumindest offiziell. Herausgekommen ist dabei jedoch ein krudes Werk, welches zwar durchaus schockt, aber vor allem mit einer Komponente übel aufstößt.

Die Story ist dabei schon einmal so 08/15, wie man es aus den meisten Geisterfilmen kennt. Die noch junge Hauptfigur des Films, Casey, hat plötzlich merkwürdige Träume und Erscheinungen von einem bösartigen kleinen Jungen, der irgendwie den Anschein hat ein Geist zu sein. Um herauszufinden warum sie diese grausigen Erscheinungen hat, forscht sie in ihrer Vergangenheit und stößt dabei auf ein paar schreckliche Details. Und als plötzlich einige ihrer engen Vertrauten von einem bösen Dämon befangen und getötet werden, macht sie sich auf die Suche nach einem Exorzisten, der ihr dabei hilft, das Böse ein für allemal auszutreiben... Klingt alles schon ziemlich krude und das ist es auch. Von Anfang an wirkt der Inhalt konfus, zusammengeschustert und nur auf das eine Ziel hinaus zuarbeiten: den Zuschauer zu erschrecken, koste es was es wolle. Das dabei Logik, Sinn und Verstand keinen Platz haben, versteht sich da fast von selbst.

Nun gut, was das Schocken des Zuschauers angeht ist der Film, dass muss man ihm lassen, für einige Zeit ganz gut zu gebrauchen. Geisterkinder die sich hinter Spiegeln verstecken, ekliges Getier das mal aus einem Ei kommt, mal aus der Nebentoilette, und nicht selten so manch anderer Effekt, dürften bei dem ein oder anderen Zuschauer schon für ein gewisses Schockpotenzial gut sein. Zumal auch die visuellen und vor allem die akustischen Werte des Streifens ordentlich dazu beitragen, dass sich die leicht zu erschreckende Bevölkerung vor Angst die Augen zuhält. Schockerfahrene Horrorfreunde dürften sich dagegen jedoch schnell langweilen, da sich viele Schreckmomente nicht nur wiederholen, sondern so auch schon in allerhand anderen Filmen dieser Art zu sehen waren. Kurzum, etwas Neues darf nicht erwartet werden, doch fürs Erschrecken des ein oder anderen unerfahrenen Zuschauers dürfte das Gezeigte reichen.

Doch bei genauerer Betrachtung merkt man auch als Unerfahrener schnell, dass der Film wirklich nichts anderes, als eben seine Schockeffekte, zu bieten hat. Das die Story krude ist habe ich ja schon erwähnt, aber auch alle anderen Werte überzeugen nicht. So wirkt das Treiben z. Bsp. auch dadurch sehr schnell lächerlich, weil die Figuren bis zum letzten Drittel des Films eigentlich nie in wirklicher Gefahr schweben. Casey hat zwar ihre Visionen und Träume, aber warum sie sich von diesen letztendlich so fertig machen lässt, ist nicht zu erkennen, da sie zwar vielleicht beängstigend wirken, aber letztendlich nicht wirklich gefährlich sínd. Erst wenn die ersten Figuren anfangen zu sterben, mag man ihre Beweggründe nachvollziehen, aber eben nicht vorher, zumal auch eine wirkliche Spannung und Atmosphäre nicht zu verzeichnen ist.

Und was noch wesentlich schlimmer ist und dem Streifen noch einen weiteren unangenehmen Stempel aufdrückt, ist zudem die Tatsache, wo der Ursprung des ganzen Übels letztendlich gefunden wird: in den Zeiten des zweiten Weltkriegs, wo der Dämon letztendlich "geboren" wurde. Es mag zwar sein, dass die Schrecken der Nazizeit durchaus für Horror zu gebrauchen sind, doch der Einsatz dessen muss durchdacht sein damit er wirkt, aber diese Zeit dennoch nicht verharmlost bzw. zum einfachen Spielmittel des Films verkommt. Doch genau das geschieht hier. Man hat das Gefühl, dass die Macher sich nicht wirklich im klaren waren, was für einen realen Schrecken sie hier missbraucht haben, um eine billige und aufgesetzte Lösung des ganzen Spuks zu erschaffen, die nicht überzeugt. Der Einsatz dessen wirkt hier jedenfalls über alle Maße fragwürdig, ärgerlich und eben auch mehr oder weniger verharmlosend. Eine andere Lösung hätte es da auch getan. Aber selbst wenn man diesen Umstand noch ausgeblendet bekommt, stoßen einem zudem auch noch die miesen Dialoge und allerhand anderer Quark sauer auf.

Zudem sind auch die Schauspieler alles andere als gut in ihren Rollen. Odette Yustman wirkt sichtlich überfordert in ihrer Rolle und rutscht nicht selten ins Overacting hinein. Meagan Good geht einem als ihre Freundin auch schnell auf den Keks und was Gary Oldman in diesen Film getrieben hat weiß wohl nur er selbst. Einzig und allein Atticus Shaffer kann als kleine, reale Horrorbratze Matty ein wenig überzeugen.

Fazit: Krude, unlogisch und zudem auch recht ärgerlich, dass ist "The Unborn". Bays Versuch mal kein Remake zu produzieren sondern einen eigenständigen Horrorfilm, ging gründlich in die Hose, was nicht nur an der völlig zerfaserten Geschichte sowie der fehlenden Spannung und Atmosphäre liegt, sondern auch an der Tatsache, dass ein realer Schrecken mal wieder als billige Erklärung für alles Üble herhalten muss und diesen dabei sogar unwissentlich verharmlost, was hier in dieser Form einfach nicht tragbar geschweige denn nötig ist. Würden sowohl die visuellen- als auch die akustischen Werte nicht hier und da für ein ordentliches Erschreckerpotenzial gut sein, so gäbe es eigentlich keinen Grund, sich diesen Film anzusehen.

Wertung: 3/10 Punkte

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