Wer sich für Antonio Margheritis Kriegs-Actioner (u.a. „Jäger der Apokalypse“ oder „Geheimcode: Wildgänse“) der härteren Gangart begeistern kann, wird auch an seinen Dschungelabenteuer „Fluch des verborgenen Schatzes“ Gefallen finden. Der italienische Filmemacher war Anfang bis Mitte der Achtziger gar nicht mehr aus dem philippinischen Dschungel heraus zu bekommen, so dass viele seiner Filme vermutlich nahezu back to back gedreht wurde. Kein Wunder also, dass sich hier vor und hinter der Kamera ein Großteil der Crew des vorab gedrehten „Jäger der Apokalypse“ wieder einfindet.
Deutlich inspiriert durch den von „Raiders of the Lost Ark“ ausgelösten Abenteuer-Boom wurschtelt sich David Warbeck („Jäger der Apokalypse“, „Höllenkommando zur Ewigkeit“) einmal mehr unter Margheritis Regie als Überlebenskünstler durchs Dickicht und erlebt dabei allerhand Undenkbares. Ganz als hätten die Drehbuchautoren auch ganz nicht genau gewusst, wie dieser Film am Ende mal aussehen sollte, knüpfen sie MacGuffin an MacGuffin, karren die Klischees gleich kübelweise an, garantieren damit aber für jede Menge Abwechslung und Unterhaltung, auch wenn inhaltlich ein Offenbarungseid abgelegt wird.
Zusammen mit John Steiner („Mannaja“, „Die dunkle Macht des Sonnengottes“), nun auch kein Unbekannter in Margheritis Filmen und in seiner englischen Uniform schon fast so urbritisch wie Alec Guinness, jagt Warbeck als Bob Jackson im Auftrag ihrer Majestät 1944 auf den Philippinen einen japanischen Doppelgänger / Doppelagenten (???), der sich beidseitig die Taschen vollstopft und lieber auf eigene Rechnung operiert.
Der actionreiche Auftakt besitzt nur rudimentäre Relevanz für den folgenden Film, bietet Margheriti aber jede Menge Möglichkeiten ein ausführliches Actionspektakel vom Stapel zu lassen, in dessen Verlauf auch seine einmal mehr liebevoll erstellten Modelltricks zum Einsatz kommen. Neben einer effektgeladenen Zerstörungsorgie des japanischen Stützpunktes (inklusive Fliegerangriff etc.) wird der Zuschauer durch eine anschließende Verfolgungsjagd zum Flugplatz und einem daran anschließenden Duell in den Wolken bei Laune gehalten. Dass sich zumindest anfangs die deutsche Synchronisation noch um ein paar Lacher extra bemüht, hilft dem Geschehen indes nicht wirklich und wie die Nacht so schnell zum Tag werden kann, erklärt einem leider auch niemand.
Obwohl die Inszenierung nicht ganz an Margheritis beste Filme heranreicht, kann sich seine souveräne Regieleistung einmal mehr sehen lassen. Nur der Schnitt wirkt dieses Mal teilweise etwas hölzern, wohingegen sich vor allem die Lava-Kulissen am Ende durchaus mit damals gängigen Hollywoodproduktionen messen können. Lediglich die Eingeborenen hätte man etwas sorgfältiger casten können. Da wurden offensichtlich nur ein paar weiße (!!) Statisten schwarz eingerust...
Das Szenario fordert jedenfalls, dass David (Steiner) und Bob sich während ihrer Verfolgung trennen. Letzterer landet prompt im Dschungel und bekommt prompt von einer Horde unfreundlicher Eingeborener Betäubungspfeile um die Ohren gepustet, mit letzter Kraft kann er aber noch schwankend auf ein Floß krabbeln und sich flussabwärts treiben lassen. Halb im Delirium entdeckt er am Ufer eine junge Frau...
Ein Jahr später sitzt er plötzlich abgebrannt in einer schmierigen Hafenbar und wird dort von seinem Kumpel David aufgestöbert, dem er zur Begrüßung prompt die Fresse poliert. Das Militär zeigt sich trotz seiner etwas zu langen Abwesenheit allerdings nicht erbost, sondern nach seinem Rapport als überaus hilfsbedürftig und schickt ihn gleich wieder zurück.
Ein unsympathischer Schamane schiebt Stress im Dschungel und hetzt die Eingeborenen auf. Weil zudem noch die arme June (Almanta Suska, „Der New York Ripper“) zusammen mit ihrem Onkel Greenwater (Margheriti-Regular Luciano Pigozzi, „Höllenkommando zur Ewigkeit“, „Die dunkle Macht des Sonnengottes“) ihre Zwillingsschwester sucht, die ebenfalls im Dschungel haust, kann der wackere (und außerhalb des Urwalds ständig saufende) Bob gar nicht anders als zurück ins Unterholz...
Machetenschwingende Besessene, Schlangen im Bett, Schlangen in der Grube, ständig wiederkehrende zwielichtige Gesellen, die Bob und seine kleine Expedition möglichst schnell zu Humus verarbeiten wollen, Prügeleien, Schießereien, seltsam angemalte Radaubrüder, Verfolgungsjagden, Höhlensysteme und Lava-Ströme - „Flucht des verborgenen Schatzes“ fährt jede Menge Abwechslung auf. Überhaupt braucht man sich hier über Leerlauf nicht zu beklagen, denn Margheriti hält das Tempo angenehm hoch.
Ein Faible für solche Italo-Produkte ist dennoch unverzichtbar. Die Logiklöcher klaffen nämlich enorm, selbst wenn man gar nicht darauf achten will und David Warbeck hat völlig verschwitzt und abgehalftert auch so seine sehr eigenen Momente. Für unfreiwillige Komik ist nicht zuletzt durch Junes Zwillingsschwester gesorgt, die, zunächst so völlig traumatisiert, plötzlich innerhalb weniger Sekunden geistig eine ganz schön herbe 180° Wendung vollzieht.
Dafür überzeugt dank herrlicher Naturkulissen einmal mehr die stimmige Dschungel-Atmosphäre, die bekannterweise eine Spezialität von Margheriti ist und auch hier wieder ausführlich zum Zug kommt. Damit reiht sich „Flucht des verborgenen Schatzes“ in die längere Liste derer Margheriti-Filme ein, bei denen seine Regie über die gröbsten Schnitzer des Drehbuchs großzügig hinwegblicken lässt. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass Margheriti sich bemühte, jeden Cent richtig anlegte und auch noch das nötige Talent besaß, machen als Genrefan seine Filme einfach Spaß. Diese Vorzüge sieht man seiner Inszenierung auch in diesem Fall wieder einmal an.
Als ungewöhnlich aber keinesfalls unpassend erweist sich sein relativ niedrige Grad zur Schau gestellter Gewalt, wenn man seine weiteren Werke als Vergleich heranzieht, die ungleich rabiater zu Werke gingen. Ein bis zwei Szenen sind zwar recht herb, insgesamt erlebt man hier jedoch einen recht gemäßigten Margheriti, der mehr andeutet als wirklich zeigt.
David Warbeck, kein Charismabolzen, aber ein solider Hauptdarsteller fühlt sich unter seiner Regie auch merklich wohl und fügt sich seinem Schicksal mal wieder den verschwitzten Draufgänger in speckigen Klamotten geben zu müssen, weil offensichtlich er mal wieder der Einzige vor Ort ist, der das kann. Zudem stimmt die Chemie zwischen ihm und John Steiner, was zu ein paar witzigen Situationen führt, wenn die beiden sich mal wieder kabbeln.
Letztlich ergibt sich also ein grundsolider Abenteuerfilm aus der italienischen Filmschmiede mit ganz wenig Sinn und dafür umso mehr Unsinn. Das Drehbuch erweist sich bereits früh als purer Unsinn, dem Margheriti ein ordentliches Tempo abringt auf das ständig was los ist und die unzähligen Defizite des Skripts übertüncht werden. Da sich auch an diesem Film vermutlich nur Genrefans probieren werden, sind Zugeständnisse an einen kohärenten Plot nahezu eine Selbstverständlichkeit.
Fazit:
Antonio Margheritis „Fluch des verborgenen Schatzes“ reicht nicht an die besten Werke des fähigen Italo-Regisseurs heran, hat im Vergleich mit einigen anderen italienischen Abenteuerfilmen jedoch die Nase vorn. Das Drehbuch erweist sich dabei einmal mehr als hastig gestrickter und wenig sorgfältiger geschriebener Vorwand, um die Protagonisten von einer Actionszene in die nächste zu jagen. Dafür befindet sich der Film wenigstens nie im Leerlauf, sonderlich spannend gestaltet er sich dagegen allerdings nicht.
Margheritis überzeugende Regie, die gute Tricktechnik und die einmal mehr atmosphärischen Kulissen (Dschungel, schmierige Bars etc.) garantieren auch hier ein wohlig-schmuddeliges Italo-Feeling, das auf seine unvergleichliche Art höher budgetierten Produktionen Paroli bieten kann. Die ordentliche Darsteller-Riege ergibt das Salz in der Suppe und einen kleinen Schluss-Gag gibt es als Nachtisch noch obendrauf. In dieser Kategorie gibt es sicherlich noch bessere Vertreter, die eingebaute Margheriti-Garantie kommt aber auch hier zum Zuge.