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Stellen wir uns doch mal vor, wir wären Beyonce Knowles, die gefeierte R’n’B-Sängerin, überall geliebt und geachtet und in letzter Zeit durchaus nicht ohne Erfolg als Sängerin in diversen Filmen eingesetzt, entweder als Etta James oder als Diana-Ross-Lookalike in einem Oscar-Erfolg. Hauptsächliche Tätigkeit: Singen und gut ausschauen.
Und dann wird man doch glatt bei den Oscarnominierungen schnöde übergangen zuungunsten einer Endrundenplatzierten aus der „American Idol“-Serie (die US-Variante von DSDS), die dann auch noch die Statue mit heim nehmen kann.
Da packt einen doch der Ehrgeiz, es jetzt endlich auch mal als Schauspielerin zu beweisen.

Was liegt da näher, als sie mal ganz untypisch zu besetzen, als nicht fertig studierte Hausfrau und Mutti, die schlußendlich um ihren Ehemann gegen eine Wahnsinnige kämpfen muß.
Folglich haben die Hollywood-Produzenten flugs ein Starvehikel um sie herumgezimmert, in das sie mal eben die besten Motive aus Klassikern wie „Eine verhängnisvolle Affäre“ und „Enthüllung“ eingearbeitet haben.
Will sagen, die bekanntesten Motive. Und die eher harmlosen.

Das Ganze rüstet man dann mit ihrem Namen an zweiter Besetzungsstelle aus und hofft darauf, daß der Schotter gar heftig in der Kasse klingelt – und ja, er tut es, zumindest im Heimatland.
Nun ist der Schnellschuß endlich auch bei uns – und das Ergebnis ist niederschmetternd.

„Obsessed“ erweist sich als komplett von vorne bis hinten vorhersagbarer Standard-Thriller, der in fast jeder Szene an einen x-beliebigen TV-Movie der Woche erinnert und dessen Thema in DVD-Premieren wie „Die Aushilfe“ schon wesentlich härter und drastischer umgesetzt wurde
Bar jeden wirklich geschmacksträchtigen Reizes, spult sich eine vollkommen banale und überraschungslose Geschichte ab, bei der man wirklich nur die ersten zehn Minuten hofft, es könnte sich noch irgendein Twist ergeben, den man noch nicht kennt. Aber es passiert nicht, es kommt wie es kommen muß.

Um das alles wenigstens halbwegs ansehnlich zu machen, hat man einer Reihe halbwegs bekannter TV-Seriendarstellern mittlere und kleinere Nebenrollen in die Hand gedrückt, damit der Wiedererkennungswert steigt. Jerry „Sliders“ und „Crossing Jordan“ O’Connell spielt einen harmlosen Kollegen; Bruce „McGyver“ McGill den Chef; Christine „Chicago Hope“ Lahti die ermittelnde Polizeibeamtin und Ali „Heroes“ Larter darf die Bitch aus ihrer Erfolgsserie wiederbeleben. Und im Zentrum steht der bei uns noch recht unbekannte Idris Elba, der eine Weile bei „The Wire“ dabei war.

Natürlich braucht ein Beyonce-Vehikel keine starke Männerpersönlichkeit und so zaudern sich Autoren und die Figur des Derek durch die Rolle des Ex-Womanizers, der sich nie entscheiden kann, die aufdringliche Ische doch endlich mal irgendwo zu melden, damit seine Frau nichts zu mosern hat, was natürlich später die Sache nur noch schlimmer macht.
Wenn denn aber wenigstens mal was Dolles passieren würde, aber das betont Abgründige, das die Story hergeben würde, ist eigentlich gar nicht vorhanden. Es kommt gar nicht erst zum Ehebruch, die Avancen lehnt der gute Mann zunehmend heftiger ab, eine Sequenz in der sie ihn mit Drogen betäubt, dürfte wohl auch nicht zum Ehebruch genügt haben (er wird bewußtlos) und hat später keine besondere Bedeutung und der Selbstmordhaschmisch sorgt nur dafür, daß wir in epischer Breite einer ziemlich altbackenen Form schwarzer Ehekrise beiwohnen dürfen, bis am Ende der Himmel erst voller Geigen hängt und dann der Hund von der Kette gelassen wird.

Keine Spur von Spannungsbogen, kein Gefühl für Steigerung, kein Tempo, nichts Zwingendes, der Film bleibt in jeder Hinsicht dürftig. Dazu kommen die absolut hölzernsten Eherettungsdialoge und Liebesschwüre, seit Pinocchio aus dem Bauch des Wals entkommen ist. Wenn Elba in seiner Rolle zum zweihundersten Mal in seiner tiefen Verzweiflung binnen fünf Minuten den Namen seiner albernst rasenden Gattin erbricht, möchte man in den Saal schreien: „Halts Maul und stirb wie ein Mann!“.

Bloß nichts wirklich Anrüchiges, bloß nichts Schmutziges, stattdessen beweist Beyonce in ihren wenigen Szenen in den ersten zwei Filmdritteln, daß sie immer noch nicht schauspielern kann, geschweige denn eine Mutter halbwegs stilsicher abbilden. Letztendlich sitzt sie immer nur neben ihrem Sohn, gibt ihn an die Nachbarn und hat auch sonst so gute Einfälle zum Zustand ihres Sohnes, wie jeder beliebige Soziopath. Von halbwegs brauchbarem Mienenspiel wollen wir gar nicht reden.

Gar lustig wird’s dann gegen Ende, wenn sie sich so richtig schön sitcom-like echauffieren darf, um dann mit superweichem Augenaufschlag ihren Gatten zurücknimmt und dann im mano-a-mano-Fight mit Miss Larter mal eben den schwarzen Rambo aus der Hose zu holen – schallendes Gelächter ist vorprogrammiert – und dazu zieht die gute Frau nicht einmal ihre 10-Zentimenter-Pumps aus, selbst wenn es auf dem Dachboden um ihr Leben geht.

Da auch die übrigen Konflikte entweder obsolet sind (die Kollegenszenen) oder komplett idiotisch aufgezogen (alle Szenen mit der Polizistin), bleibt eigentlich nichts, an dem man sich festhalten kann und versinkt nach und nach in einem Sumpf der ausgelutschtesten Klischees, die noch dazu so unaufregend sind, daß man sich nach einem Billigreißer aus dem DVD-Regal sehnt, wo wenigstens ein wenig Blut spritzt, wenn die Psychopathin aufs Ganze geht.
In den Staaten mag der Star-Status funktioniert haben, hierzulande genießt Frau Knowles nicht die gleiche Popularität (schon angesichts der Tatsache, daß gerade von Farbigen dominierte Filme hier nicht eben Publikumsschlager sind) und so wird sich dieser „Thriller“ wahnsinnig gut machen zwischen einer Flasche Jules Mumm und dem Marsch in die nächste Cocktailbar beim Mädchenabend. Dazu muß er aber erst mal als Silberscheibe rauskommen, was angesichts des sowieso nicht rosigen deutschen Kinosommers wohl nicht lange dauern dürfte.
Eine lahme, uninteressante Trantüte von Film, außer wenn man von Glenn Close noch nie was gehört hat. (3/10)

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