Phillip Guzman, Regisseur und Autor in Personalunion, hatte eine Menge Ideen, aber leider nur ein geringes Budget zur Verfügung. Trotzdem ist seinem Film "The Lawless" jederzeit der Ehrgeiz anzusehen, sich von widrigen finanziellen Umständen nicht beirren zu lassen und einen Film zu drehen, der sich vor den großen Filmproduktionen nicht verstecken muss. Immerhin hat er es damit zu einer internationalen Vermarktung zumindest auf DVD gebracht.
Meistens haben Low-Budget-Filme den Nachteil, dass sie zwar über eine originelle Story verfügen, aber die Machart gezwungenermassen amateurhafte Züge behält. Besonders gelungene Filme machen aus dieser Not eine Tugend und verbinden Optik und Story zu einer Einheit. Guzman ging den umgekehrten Weg und nutzte die zuletzt schon inflationär gebrauchte Technik mit Handkamera, schnellen Schnitten, ausgefallenen Perspektiven und einer durch ständigen Gebrauch von Farblinsen grobkörnigen und in Dunkelheit getauchten Optik. Die in Mexiko spielende Handlung bekommt so einen schmutzigen Anstrich, der gut die mit Gewalt aufgeladene Atmosphäre widerspiegelt. Die Einseitigkeit dieser Bilder ermüdet zwar mit der Zeit das Auge, gibt dem Film aber insgesamt einen professionellen Anstrich.
Ähnliche Intentionen verfolgte Guzman auch mit der Story, die zwar bekannte Klischees benutzt, aber die Spannungsspirale noch weiter hochtreiben will. Die Drogenpolizisten Victor (Denton Blane Everett) und Frank (Jason Riley Hoss) haben sich in ein mexikanisches Drogenkartell eingeschmuggelt, um Costello (Luis Caldeira), den gewalttätigen Boss, zu überführen. Als sie sich am Ziel sehen, werden sie von ihrer Leitung zurückgepfiffen, da diese an die Hintermänner herankommen will. Unwillig gehen sie wieder an ihre Arbeit, bis sie von Costello damit konfrontiert werden, dass sie als Spitzel erkannt worden sind. Er hat ihre Frauen Gefangen genommen und droht diese umzubringen, wenn sie für ihn nicht innerhalb von 24 Stunden vier lautlose Attentate verüben, bei denen es keine Zeugen geben darf. Als Beweis legt er ihnen ein Ohr von Franks Frau vor...
So interessant die Story im Ansatz klingt, so sehr ist diese letztlich für das Scheitern des Films verantwortlich. Was Guzmann in seinen gerade einmal 70minütigen Film hineinpackt, vermag er weder in der Personenzeichnung noch in der reinen Action umzusetzen. Er hätte sich ein Beispiel an seiner optischen Gestaltung nehmen sollen, die zwar nur ein grafisches Stilmittel benutzt, darin aber konsequent bleibt. Dagegen hat Guzmann im Film kaum Zeit seine Story zu entwickeln und handelt fast alle Szenen im Schnellverfahren ab.
Erst werden in zwei Szenen die Familienverhältnisse gezeigt, die natürlich genau gegensätzlich sind. Während Franks Frau sich scheiden lassen will, bekommt Victors Frau Ana ihr erstes Kind. Dabei agieren die beiden Hauptdarsteller wie Pornodarsteller aus den 70er Jahren - hölzern, aber optisch das Klischee übererfüllend. Ähnliches gilt auch für Gangsterboss Costello, der mit schmierigem Langhaar besonders gefährlich tut, dabei aber nur lächerlich wirkt. Mangels eigener charakterlicher Ausgestaltung seiner Figuren setzt Guzman ausschliesslich auf bekannte Muster des Genres bis hin zum Brüderpaar, das die Ehefrau Ana bewachen soll - der Eine ist ein brutaler Idiot, der Andere ein Sensibelchen, auf dem alle herumhacken. Wen wird Ana wohl dazu bekehren, sie frei zu lassen ?
Was wiederum trashig klingt, ist leider äusserst ernst gemeint. Der Widerspruch als Gesetzeshüter Menschen zu ermorden, um die eigenen Frauen (und natürlich das Kind im Bauch der Mutter) zu retten, wird durch verzerrte Gesichter der Protagonisten, die ihren Weltschmerz herausschreien, ausgedrückt. Aber natürlich nur wenige Sekunden, denn die Leutchen müssen schliesslich um die Ecke gebracht werden und da es sich sowieso nur um Verbrecher handelt, ist es auch nicht wirklich schlimm. Die können dann auch bei Gelegenheit zweckdienlich gefoltert werden. Blöderweise laufen auch ein paar Zeugen durchs Bild, die aber von Frank gemeuchelt werden, der sowieso der bösere von den beiden Cops ist (Victor ist der mit dem Kind im Bauch seiner Frau).
Auch wenn sich Guzman noch ein originelles Detail einfallen lässt, bleibt sein Film im Gesamtkonzept voraussehbar. Letztlich helfen solche Storywendungen auch nicht, wenn alle Darsteller mit ernster Miene wie Knallchargen agieren - da gibt es nicht einmal mehr etwas zu lachen. Man könnte "Lawless" wohlwollend auf Grund des kleinen Budgets beurteilen, da es Guzmann immerhin gelingt, senen Film optisch gefällig umzusetzen. Nur ist gerade diese Gewichtung ärgerlich, denn es wird offensichtlich, dass hier mit einer modernen Optik und einer reisserischen Story gepunktet wird, während man die eigentlichen Inhalte eines Films völlig vernachlässigt (2/10).