Review

Ich möchte mit dieser Besprechung eigentlich einen Umstand hervorheben, welcher bis jetzt kaum Gegenstand der Besprechung dieses gelungenen niederländischen Independent-Films war.

Die Handlung beschreibt den Lebensweg des jungen Protagonisten in der aufkommenden (Anfangs also unpolitischen) Skinhead-Szene an der Grenze zu den 1980er Jahren. Arbeiterklasse, Musik (mit schwarzen Wurzeln!), Saufgelage, Raufereien, Rebellion - die juvenile Identifikationsschablone einer frischen Subkultur.
Die Szene wird jedoch politisiert, mit deutlichem Rechtsruck. Im Film wird dies durch eine kleine Gruppe (natürlich pöbelnder und eher unintelligenter) nationaler Skins verdeutlicht.
Unsere Hauptfigur - jüdischer Abstammung - macht nun eine etwas holprige, nicht wirklich glaubwürdige Entwicklung durch.
Seine erste Kahlrasur erhält er von der Mutter seines schwarzen Kumpels, er zeigt keinerlei rassistische oder politische Motivation. Seine einzige antisemitische Emotion entsteht aus der Ablehnung seines Vaters und dessen Selbstmitleid - aus Rebellion gegen sein Elternhaus, seine Herkunft/Religion.
Seine Vereinigung mit den rechten Skins scheint nur durch pupertäre Antihaltung, Ziel- Hilf- und Hoffnungslosigkeit zu entstehen.

Dies ist für mich der entscheidende Punkt des Werkes: Es wird die problematische Geschichte eines verzweifelten, rebellischen Jugendlichen mit Aggressionspotential und argen Fehlentscheidungen erzählt, nicht das Leben eines tatsächlichen, also politisch/geschichtlich/esoterisch motivierten, nationalen Jugendlichen.
Soll heißen, die wirklich gut erzählte und handwerklich einwandfrei dargestellte Geschichte dieses "Problemteenagers" wird ein wenig irreführend präsentiert/vermarktet/verpackt.
Es geht einfach nicht um einen rechten Skinhead. Der Junge ist verwirrt, desorientiert und fertig mit den Nerven, aber in keinster Weise überzeugt, interessiert, oder bewandert was den Nationalsozialismus betrifft.

Wie gesagt, schadet das dem wirklich interessanten Film nicht, es sticht halt nur allzudeutlich heraus. 
Was dem Streifen durchaus einige Abstriche beschert, ist das klischeehafte s/w-Malen der Charaktere und Kulturen: Die Rechten sind alles doofe Schläger, die jüdischen Menschen werden als "leidensfähig" gezeichnet, usw.

Dem entgegen steht jedoch eine authentische, starke Atmosphäre, glaubwürdige Schauspieler und eine fähige Regie.
8/10

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