Review

Bei einem Regiedebüt ist man ja gerne ein wenig wohlwollend. Da spielt das Budget letztlich auch keine große Rolle, denn gerade mit preiswertem Equipment sind schon brillante Streifen entstanden, die entweder auf einer grandiosen Prämisse oder dem Gespür für einen hohen Unterhaltungswert beruhen.
Doch Familie Ratliff (einer Drehbuch, einer Regie, Produktion etc.) war sich augenscheinlich nicht ganz eins, welches Zielpublikum man denn überhaupt ansprechen wollte.

Das Grundgerüst klingt zumindest wie eine Mischung aus Horror und Liebesgeschichte, denn es geht um den erfolglosen Liedermacher Tom, der bei einem Einarmigen freie Kost und Logis erhält, sofern er das heruntergekommene Haus ein wenig auf Vordermann bringt und die pflegebedürftige Tante mit Essen versorgt.
Doch Tom entdeckt recht bald eine sich bewegende Hand im Kellerboden, die sich langsam zum Menschen entwickelt, den er Archie nennt.
Nebenbei lernt Tom noch die hübsche Gitarristin Veronica kennen, die jedoch mit Philip liiert ist, welcher im Wohnwagen, direkt neben ihm im Garten wohnt…

Hier kommt eigentlich alles zusammen, was man nicht sehen will: Eine Dreiecksgeschichte ohne Gefühl, lang anhaltende Dialoge ohne Pointe und endlos viele Gitarrensongs, die im Schnitt zwar nicht schief klingen oder schlecht gesungen sind, aber das Mini-Häppchen, was an Handlung überhaupt vorhanden ist, noch elendiger in die Länge ziehen.

Glaubt mal nicht, dass Archie ein Zombie ist, der irgendwie Stück für Stück aus dem Boden wächst und finstere Absichten hegt. Nein, er unterhält sich ganz normal mit Tom, bittet ab und an um eine Songdarbietung und ist halt vorhanden. Er wird nicht hinterfragt, verleit der Geschichte keine spannende Note und sorgt nur einmal für eine witzige Szene, als anfangs nur dessen Faust aus dem Boden herausragt und Tom von jener durch den Keller geschleudert wird. Man hätte es bei der Faust belassen sollen, denn das hätte uns eine Menge stumpfsinniges Gebrabbel um Nichts erspart.

Darüber hinaus bietet das Drehbuch ein Insektenschutzgitter für Gewittertierchen:
Die ominöse Tante wird nie gezeigt, anfangs hört man noch Gegrummel hinter der verschlossenen Tür, später verschwindet sie ganz aus dem Geschehen. Wurde Wohnwagen-Philip mal von einem Zombie gebissen? Dafür gibt es im weiteren Verlauf keine Anhaltspunkte mehr und was es mit einer mysteriösen schwarz gekleideten Gestalt auf sich hat, die gegen Ende für kurze Momente im Keller erscheint, wird man wohl auch nie erfahren.

Die Figuren sind indes langweilig wie das komplette Geschehen. Zu Beginn hegt man noch gewisse Sympathien für Pechvogel Tom, doch der Kerl zeichnet sich, wie alle anderen Protagonisten, durch keine besonderen Merkmale aus.
Keine Streitigkeiten, kaum Spannungen unter den Figuren, von einer Charakterentwicklung ganz zu schweigen.

Das lahm erzählte Stück Film macht schlichtweg müde, auch wenn man noch so aufgedreht an ihn herangeht.
Die Handlung bietet keine Pointe, es findet null Blutvergießen statt und allenfalls zwei, drei Mal kann eventuell ein wenig geschmunzelt werden. Wer in irgendeiner Form Spannung oder Atmosphäre erwartet, ist ebenfalls fehl am Platze und da muss man sich schon fragen, wem dieser Film dienlich sein könnte.
Öde, ziellos und ohne jeglichen Unterhaltungswert,
gerade noch
2 von 10

Details
Ähnliche Filme