Schwedische Tafelstunde
„Arn“, ein imposantes schwedisches Mittelalterepos, das zwar in Sachen Schauwerte selbstredend nicht ganz gegen Hollywoods Sandalenschinkenelite anstinken kann, jedoch durch clevere Erzählweise, unverbrauchte Darsteller und punktierte Highlights dennoch im Gedächtnis bleibt und überzeugt… Die Geschichte handelt von einem schwedischen Tempelritter zwischen heiligem Land und Heimat, zwischen Religionen und Kriegen, zwischen Ehre und Stolz, zwischen Liebe und Intrigen…
Eventkino sprengt das TV-Format
Der zu seiner Entstehung teuerste skandinavische Film aller Zeiten. Über eine schwedische Legende, einen echten Nationalhelden. Mit einem dänischen Regisseur. Und es gibt auch noch eine TV-Langfassung. Weit bevor Serien das Kino zeitweise sogar überflügelten. „Arn - Der Tempelritter“ hält sich mit europäischen Werten und beachtlich Herz sehr stattlich gegen Hollywoods mittelalterliche und ungleich teurere Schlachtengemälde. Die Kämpfe und Kriege sind kürzer und kleiner. Die Darsteller fast alle keine Stars. Der streichende Score kommt sehr gleichmäßig und klassisch daher. Und es dauert etwas, bis die Geschichte und sämtliche Stränge zusammenkommen. Doch dann packt es einen und man kann kaum meckern. Denn „Arn“ hat seine ganz eigenen Pfeile im Köcher. Fast ein wenig wie der letztjährige „Hagen“ hierzulande. „Arn“ hat wunderbare Landschaften, recht wenig CGI, eine frische Sichtweise auf den „heiligen Krieg“ und mit den Geschehnissen danach im Norden sogar mit mir komplett unbekannten historischen Höhepunkten. Dazu unverbrauchte Gesichter, nahezu gar kein Kitsch, eine klasse Liebesgeschichte, durchaus Blut und Gewalt wie es sich gehört, die sehr solide Ausstattung und ein lawinenartiges Tempo, das immer schneller rollt. „Arn“ ist daher ein kurioser, aber sehr schöner europäischer Auswuchs des „Historienhypes“ der 00er. Das ist eine ganz Spur erdiger und dreckiger, direkter und unverblümter als fast alles aus der Traumfabrik. Und daher für Fans solcher Ritterreigen eine kleine, geheime Empfehlung.
Fazit: ein wenig Ridley Scott und Hollywood, ein wenig auch RTL-Eventkino… und doch durch schwedische Tugenden sein ganz eigenes Tempelritterabenteuer!