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Die Biologiewissenschaftlerin Helen Barnes (Jennifer Connelly) wird von der US-Regierung in streng geheimer Sache konsultiert. Unbekannte Flugobjekte haben die Erde erreicht und die Absicht der außerirdischen Gäste ist noch unklar. Als Abgesandter der unbekannten Rasse aus dem Weltraum erscheint der unterkühlte Klaatu (Keanu Reeves) – dieser soll über das Schicksal der Menschheit entscheiden, die durch ihren zerstörerischen Charakter zur Gefahr für ihren fruchtbaren Heimatplaneten darstellt. Da eine Gefährdung aller Arten des Planeten durch eine einzige Spezies nicht länger zu erdulden ist, wird die Auslöschung der Menschen in die Wege geleitet....

Keanu Reeves überzeugt in der Hauptrolle, die wie für ihn und sein bescheidenes mimisches Talent gemacht scheint. Stoisch verkörpert er einen ausdruckslosen Außerirdischen, dessen Gefühlskälte und Sachlichkeit eine gute Vorlage bildet und mit der Wendung zum Sympathieträger auch noch voll ins Rollenschema des Superstars passt. Ein Saubermann aus dem All mit missionarischer Funktion - ein Charakter, der nicht ohne eine gewisse Selbstgefälligkeit ausgewählt scheint. Neben Reeves ist auch Jennifer Connelly eine glückliche Wahl, auch wenn sie für eine langweilig angelegte Figur eher verschwendet scheint. Dagegen versagt Jaden Smith gänzlich und wirkt bemitleidenswert unfähig. Diesen Eindruck verstärken diverse pathetische Szenen mit dem Kinderdarsteller, der anscheinend in die klebrigen Fußstapfen seines Vaters Will Smith treten will. Sicherlich der größte Fauxpas im Casting und wie sich eine gestandene Charakterdarstellerin wie Kathy Bates in die Besetzung verirren konnte bleibt unklar.

Doch nicht der altklug-unsympathische Jaden Smith ruiniert den Gesamteindruck nachhaltig, obwohl er entscheidenden Anteil trägt. Vielmehr lässt das geradezu miserable Drehbuch jede Konsequenz und innere Logik vermissen. „Der Tag an dem die Erde still stand“ erweist sich als so unbedarft wie überflüssig, von Scott Derrickson profillos und austauschbar inszeniert. Zugute halten kann man dem Film einen sparsamen Einsatz starker Spezialeffekte, die allerdings nicht ganz State-of-the-art sind und deshalb auch keine entscheidende Verbesserung bewirken können. Neben der allzu platt vorgetragenen ökologischen Botschaft, die mit aufgesetztem Ernst serviert wird, ist es vor allem die haarsträubende Logik, der Klaatus Umdenken bezüglich der Menschheit zugrunde liegt. Da beobachtet uns eine überlegene Rasse jahrzehntelang und studiert unsere Verhaltensweisen aufs Genaueste, sogar die Führer der mächtigen Nationen wurden bereits indirekt konsultiert.

Aus der eingehenden Analyse menschlicher Natur und der daraus resultierenden Verhaltensweisen kristallisierte sich letztlich das eindeutige Urteil: Der destruktive und selbstzerstörerische Charakter unserer Spezies kann nicht länger hingenommen werden – die Erde und die unzähligen weiteren Arten, die sie beherbergt, müssen beschützt werden. Der ermüdend vorhersehbare Spannungsbogen bezieht sich auf den Wettlauf mit der Zeit, die Außerirdischen doch noch überzeugen zu können, der Menschheit eine letzte Chance zu geben. Wie John Cleese als altersweiser Professor den Repräsentanten einer höheren Intelligenz in wenigen Sätzen überzeugt, muss man einfach gesehen haben um es zu glauben. Die Quintessenz, die der Film aus diesem einen Gespräch zieht, könnte nicht klischeebehafteter und abgeschmackter sein und wird mit peinlich ambitioniertem Ernst transportiert. Scheinbar haben sich die ach so intelligenten Aliens nicht so viel Mühe gemacht, wie anfangs behauptet – da rollen die Augen von ganz alleine in ihren Höhlen.

Gleiches gilt für eine widerwärtig manipulative Sequenz am Grab des Vaters, in der Jaden Smith um dessen Wiedererweckung bittet. Nicht nur das sich hier das Unvermögen sowohl auf Seiten von Keanu Reeves als auch Jaden Smith selbst dem wohlwollendsten Zuschauer aufdrängt, auch die Anbiederung an das amerikanische Irak-Trauma und die dazugehörige Verbeugung vor den gefallenen Helden sorgt für gehörige Bauchschmerzen. Der Zugang zu menschlichen Gefühlen hätte nicht aufdringlicher gestaltet werden können, sodass „Der Tag an dem die Erde still stand“ auch noch den letzten Funken Glaubwürdigkeit verliert.

Fazit: Sichtbar ambitioniert und teilweise mit sinnvollen Modernisierungen versehen, versagt das Remake zum Kultfilm vor allem aufgrund dürftiger Schauspieler und an den Haaren herbei gezogenen emotionalen Wendungen. Trotz annehmbarer Effektshow im Schlussdrittel bleibt auch der Unterhaltungswert größtenteils auf der Strecke und es macht sich gepflegte Langeweile breit, was nicht zuletzt an der fransigen Dramaturgie liegt. Ideologisch demaskiert sich der Film gleich mehrfach und hinterlässt, auch in Anbetracht seiner Nichtigkeit, einen mehr als faden Beigeschmack.

03 / 10

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