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"Haben sie Kenntnis von einem bevorstehenden Angriff auf den Planeten Erde?"

"Der Tag, an dem die Erde stillstand" ist das Remake zum gleichnamigem Genreklassiker von Robert Wises, der einen Appell auf Beendigung selbstzerstörerischer Kriege vor dem Hintergrund von Kernwaffen und Kaltem Krieg transportierte.

Für die Astrobiologin Helen Benson (Jennifer Connelly) und ihren Stiefsohn Jacob Benson (Jaden Smith), der seinen toten Vater vermisst und seine Frustration hinter Videospielen versteckt sowie an seiner Stiefmutter auslässt, die damit überhaupt nicht zurecht kommt, scheint ein ganz gewöhnlicher Tag angebrochen zu sein. Dies ändert sich als plötzlich das Militär vor der Tür steht und die Wissenschaftlerin einem Team von Experten hinzufügen möchte. Dies hat einen speziellen Grund: Mitten in New York ist eine seltsame Sphäre gelandet, die außerirdischen Ursprungs ist.
Während die von der Regierung abgesandte Regina Jackson (Kathy Bates) versucht die Ordnung in der Zivilbevölkerung aufrecht zu erhalten, tritt aus der Sphäre das Alien Klaatu (Keanu Reeves) was eine menschliche Form angenommen hat. Es repräsentiert eine mächtige Allianz von fremden Planeten die sicherstellt, dass das Leben auf der Erde erhalten bleibt... allerdings ohne den zerstörerischen Menschen.

Der aus dem Horrorbereich kommende Regisseur Scott Derrickson ("Hellraiser: Inferno", "Der Exorzismus von Emily Rose") überbringt mit der Neuauflage des Science-Fiction-Klassikers auch eine neue Botschaft, die aktueller und brisanter kaum sein könnte. Die Message eines nötigen Wandels im Denken und Handeln der selbstzerstörerischen Menschheit fällt allerdings verhältnismäßig Kleinlaut aus denn der Unterhaltungsfaktor steht im Mittelpunkt.

Somit beginnt "Der Tag, an dem die Erde stillstand" recht temporeich mit einigen spektakulären Szenen über die Landung der außerirdischen Kugel und dem ersten Kontakt. Auch im späteren Verlauf bleiben die Special Effects ansehlich und detailliert, zeichnen bombastische Massenzerstörungen, spektakulär eingefangene Landschaften oder gar eine opulente "biblische" Plage auf die Leinwand. Die zugrunde liegende Technik ist dabei durchdacht und plausibel.
Wer nun jede Menge Action erwartet wird sicher keine helle Freude an dem Film haben, denn diese ist eher spärlich dosiert. Nach dem ersten Drittel scheint stattdessen die Luft etwas raus zu sein, die anfängliche fesselnde Atmosphäre und mysteriösen Ereignisse weichen einer sehr durchsichtigen Handlung die erst gegen Ende wieder ein wenig den gewollten Blockbusterverhältnissen gerecht werden kann. Das Ende kommt dann etwas übereilt und hält einen aufdringlichen Rap zum Abspann bereit, der die Masse der Zuschauer schnell flüchten lässt.

Dass das Drehbuch sowie Handlung bei den erwähnten Blockbusterverhältnissen löchrig ausfällt, ist ebenso auffällig wie zu verschmerzen. Dem ist aber nicht so bei dem Charakterdesign. Während Reeves vermenschlichtes Alien noch durch eine undurchschaubare und unterkühlte Darstellung ein gewisses Interesse wecken kann, fallen sämtliche anderen Figuren eindimensional aus. Derrickson hat sich definitiv zu wenig Zeit gelassen um facettenreiche Charaktere zu kreieren die auch untereinander agieren. Allein eine aufgesetzt zerrüttete Familie die am Ende zueinander findet soll zur Lösung der Gesamtproblematik und der Überzeugung eines Außerirdischen führen. Nicht sonderlich einfallsreich noch ansprechend umgesetzt.

Der Kern von "Der Tag, an dem die Erde stillstand" liegt bei der Ausarbeitung und Überbringung seiner Botschaft. In Zeiten von Klimakatastrophe und globaler Erwärmung ist das Motiv der sich ihrer eigenen Lebensgrundlage beraubenden und ihre Welt selbst zerstörenden Menschheit aktueller denn je. Die Präsentation dieser Thematik wurde an die heutigen Sehgewohnheiten eines Massenpublikums angepasst. Die aber nur unterschwellig angesetzte Forderung nach mehr Harmonie zwischen Mensch und der Natur sowie dem Menschen selbst wird sicher nur den wenigsten soweit auffallen, um darüber nachzudenken. Der Film ist weder erschreckend genug um wachzurütteln, noch bietet er genügend Informationsgehalt.

Keanu Reeves ("Speed", "Matrix", "Street Kings") spielt fast zur gesamten Laufzeit durch eine minimierte Mimik und Gestik ein glaubwürdig emotionsloses Alien und ist neben Kathy Bates ("Misery", "Titanic") der einzige Schauspieler mit einem gewissen ansehlichen Wert. Die so schnell erneute Zuweisung von Jaden Smith ("Das Streben nach Glück") zu einer Hauptrolle zeigt, dass sich Will Smiths Sohnemann wohl auch noch in der nächsten Zeit auf der Leinwand etablieren soll. Jennifer Connelly ("Hulk", "A Beautiful Mind") hatte definitiv bessere Rollen, denn als Wissenschaftlerin wirkt sie völlig Fehl am Platz und boxt sich nach kurzer Zeit selbst KO. Der gut gemeinte Kurzauftritt des Dauerkomikers John Cleese ("Monty Python's - Der Sinn des Lebens", "Das Leben des Brian") ist überaschend erfrischend aber leider viel zu kurz ausgefallen.

Weder in Richtung Science Fiction noch Katastrophenfilm bereichert der neue "Der Tag, an dem die Erde stillstand" nicht die möglicherweise erwarteten, bahnbrechenden Neuigkeiten im Filmgenre. Stattdessen bietet der Film solide Unterhaltung mit einer unterschwelligen Botschaft die man hören kann, aber nicht muss. Der Stoff eignet sich im Grunde für eine epische Breite, spielt diese aber leider gerade mal zu Beginn völligst aus und entfacht allzu schnell Längen die hätten vermieden werden können, wenn die Handlung und die Charaktere etwas ausgefeilter ausgefallen wären.

7 / 10

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