Ein gutes Stündchen lang beschleicht einen das Gefühl, das könnte doch was werden.
Amerika könnte einen seiner großen Filme neu drehen und da könnte dennoch was Produktives bei heraus kommen.
Und selbst Keanu Reeves, der Meister der mimischen Eindimensionalität scheint ein brauchbares Betätigungsfeld als Außerirdischer gefunden zu haben.
Dann geht alles den Bach runter.
Fassen wir zusammen: es gab keinen wirklichen Grund, „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ nach über 50 Jahren noch einmal zu drehen, weder politisch noch sexuell (oder was auch immer). Allerhöchstens, weil ein Regisseur seinen Lieblingsfilm unbedingt selbst noch mal drehen wollen würde und sowas geht konstant ins Höschen.
Aber sofern man relativ eng an der doch mit religiösen Erlösermotiven gespickten Vorlage blieb, konnte man kaum was falsch machen und so wirkt der neue Film zwei Drittel lang tatsächlich wie eine brauchbare Inszenierung. Reeves kalter und unemotionaler Alien auf Prüftour durch die Staaten kommt durchaus brauchbar rüber, Jennifer Connelly ist meistens ein glaubwürdiger Widerpart, alles läuft in bekannten Schemata.
Und doch scheint etwas nicht zu stimmen, denn offenbar ist die Botschaft flöten gegangen. Die meisten christlichen Untertöne wurden eliminiert, stattdessen regt sich leise Amerikakritik, denn gods own country beansprucht aufgrund des Landefeldes (Central Park) alle Besucher automatisch für sich – sollte da jemand am übersteigerten Sendungs- und Selbstbewußtsein herumkritteln?
Tatsächlich wirkt die arrogante Einschätzung aller handelnden Regierungsstellen (vorzugsweise Kathy Bates als Verteidigungsministerin) eher platt und unmodern; nicht nur stur, sondern dumm und stoisch und streckenweise naiv. Noch schlimmer das Militär, das (in Gestalt eines leider total verschwendeten Robert Knepper) nichts anderes zu tun hat, als es mit Bombardierungen zu versuchen, ohne das eine Bedrohung effektiv schon vorliegt.
So etwas wirkt plakativ platt.
Doch gegen Ende torpediert sich Scott Derricksons Film leider selbst: die auf der Erde auftauchenden Sphären sind Archen, die Menschheit soll vernichtet werden und Connelly verwandelt sich in ein dauerhaft wimmerndes Flehen, der Menschheit doch noch eine Chance zu geben.
Das ist mehr als achtbar, doch den Umschwung bewirkt dann ausgerechnet der enervierendste Charakter des ganzen Films: Connellys renitent-reaktinärer Arschlochstiefsohn, der alles besser weiß und sich bratzig durch den Streifen schmollt, als hätte der Weltraum keine Wunder mehr bereit, sofern man eine X-Box besitzt.
Dafür hat man dann auch noch den herzlich untalentierten Sohn von Will Smith, Jaden Smith, ausgesucht, der schon in „Das Streben nach Glück“ alles tat, nur nicht schauspielern.
In der Folge fressen dann Naniten (kleine insektoide Roboter) die halben Vereinigten Staaten auf (wer den Trailer kennt, hat ALLE Szenen bereits gesehen) und aufgrund nicht näher erläuterter oder erkennbarer Umstände hat Keanu Reeves am Schluß wider vorheriger Aussagen, offenbar doch die Fähigkeiten, die Naniten auszuschalten und die Erde zu retten, löst sich in eine Lichtwolke auf und reist wortlos ab, läßt aber die titelgebende halbe Stunde anlaufen (zumindest hoffen wir mal, daß es sich darum handelt, denn sonst hätte der Titel überhaupt keinen Sinn mehr).
So endet alles auf einem großen Fragezeichen, die Welt und alle arroganten Sitzpisser werden sich selbst überlassen und dürfen einfach mal so ohne Auflagen weiterprutscheln, was ich beinahe schon wieder als Kritik am Umgang mit der Weltwirtschaftskrise verstehen möchte – doch im Wesentlichen brüskiert dieser botschaftsarme Abgang einfach nur.
Das macht aber insofern nichts, als das der Film dann über die volle Länge doch nie wirklich berührt und eher das Gefühl ausstrahlt, alle hätten hier einen schnellen Tod verdient (ausgenommen vielleicht John Cleese, der seinen Fünfminutenauftritt glorios hinter sich bringt), was so nicht im Sinne des Erfinders gewesen sein dürfte.
Man wagt es kaum zu sagen, aber etwas mehr Pomp und Message hätte ich mir in diesem Fall mal gewünscht. (4/10)